Tagesarchiv: 17. April 2009

kreatives schreiben und körperteile

das klingt jetzt nach einer schreibgruppe in der pathologie. sicher auch eine möglichkeit, aber eher zum post „außergewöhnliche orte“ passend. hier soll es um die anregung gehen, sich einmal ausführlich dem eigenen körper zu widmen. nicht, dass dies im fitness- und wellnesssektor exzessiv stattfindet. doch genau diese art sich seinem körper zu widmen definiert sich beständig aus einem mangel: es soll etwas besser werden, deshalb „tut man sich gutes“.

eine anregung kann es aber auch sein, sich einmal zeit zu nehmen und den eigenen körper genau zu betrachten. man nehme zum beispiel einen spiegel, setze sich damit an den schreibtisch und beschreibe zum beispiel ausführlich seine nase. wie sieht sie aus, wie wirkt sie auf einen, welche besonderen details fallen einem auf und wie lässt sie sich metaphorisch beschreiben. dann kann man sich seiner hand, seinem mund, den eigenen augen, den haaren, den ohren oder den anderen ausbuchtungen.

beim schreiben kann man einmal darauf achten, ob man ständig fehler bei sich sucht oder es schafft in einer anerkennenden sprache von den natürlichen gegebenheiten zu schreiben, vielleicht sogar gefallen am eigenen zu finden. das entfernt einen von den beständigen versuchen, sich nach gesellschaftlichen moden zuzurichten. außerdem übt man in diesem moment die metaphorische ausdrucksweise, wenn man ein einziges detail aus verschiedenen blickwinkeln beschreibt. und nachdem der eigene körper das erste objekt der betrachtung war, fällt es eventuell leichter, bei anderen personen, mehr details wahrzunehmen. dies kann hilfreich sein, wenn man protagonisten einer geschichte genauer beschreiben möchte und nach anhaltspunkten sucht. betrachten sie die nase oder die ohren von guten freunden einmal genauer. werfen sie einen sezierenden blick auf ihre umwelt. notieren sie doch auch einmal, was ihnen gefällt. manchen mag dabei auffallen, dass es gar nicht das ebenmäßige ist, was sie anzieht, sondern die individuellen besonderheiten am körper anderer.

Werbeanzeigen

wortklauberei (34)

„das stinkt doch nach pfusch“

das kölner stadtarchiv ist eingestürzt. in letzter zeit ist es ruhig geworden, man hört nicht mehr viel von den konsequenzen. als die nachrichten im fernsehen voll waren von der berichterstattung über die katastrophe, wurde einmal eine aufnahmen eingeblendet, die futter für diese rubrik bot. jemand hatte ein handgeschriebenes bild an die einsturzstelle gestellt, auf dem zu lesen war: „das stinkt doch nach pfusch„.

wäre das schön, wenn pfusch stinken könnte. also kann er natürlich, aber nur wenn die kanalisation oder die kläranlage fehlerhaft konstruiert wurden. normalerweise stinkt pfusch leider nicht. also eigentlich wäre es nicht schön, wenn pfusch stinken würde. es ist zu vermuten, dass dann die gesamten städte der republik extreme ausdünstungen von sich geben würden. auch einzelne preiswerte elektroartikel, schlechte computerprogramme oder das vergiftete kinderspielzeug könnten die geruchsnerven belasten.

vielleicht wäre es doch schön, wenn pfusch stinkt. man müsste nur an produkten oder gebäuden schnuppern und schon wüsste man, wo gepfuscht würde. eine einmalige qualitätsinitiative wäre die folge. wenn dann auch noch dienstleistungen, versicherungen und diverser nepp stinken könnten, dann bräuchte es die stiftung warentest nicht mehr.

doch je länger ich mir das überlege, desto zweifelhafter scheint mir die möglichkeit. denn, wenn so viel stinkt, wie soll ich dann noch ausmachen, wo sich der pfusch wirklich befindet. das problem von gestank ist, dass er sich mit der luft ausbreitet. so müsste jeder mensch schnüffelnd durch die gegend laufen, um eine ahnung von der qualität zu bekommen. doch wie bekommt man danach den gestank wieder aus der nase. vielleicht sind vermehrte qualitätskontrollen einfach hilfreicher.