web 2.0 und urheberrecht

es kam gestern zu verurteilungen wegen des verstosses gegen das urheberrecht. dies geschah nicht zum ersten mal und es wird auch nicht das letzte mal gewesen sein. und doch wirft es die frage auf, wie dieses urteil mit der eigentlichen funktion des internet in einklang zu bringen ist. denn eines ist sicher, das web verändert nicht nur die kommunikation der menschen, sondern auch die lebensformen.

ich bin kein jurist, aber es ergeben sich doch viele widersprüche bei genauerer betrachtung. nur einmal angenommen, ich habe mir zu früheren zeiten eine schallplatte gekauft, einen guten freund angerufen, sie ihm durch den telefonhörer abgespielt und er zeichnete das gespräch auf, wäre dann die telefongesellschaft verklagt worden? klar, die tonqualität hätte darunter gelitten. doch man konnte platten ja auch auf magnetbänder aufnehmen, diese in einen briefumschlag stecken und versenden. die post wurde für den transport auch nicht verklagt. für den privaten gebrauch ist dies anscheinend auch weiterhin zulässig, jemandem erstandenes geistiges eigentum zu leihen (siehe bücher). es durfte nur nicht verwertet werden. doch wo fängt verwertung an und wo hört tausch auf?

in dem moment, in dem ich mein gegenüber nicht kenne. bedeutet das nun, dass ich durch das urheberrecht geschützte daten in verschlüsselter form im internet austauschen darf? mal angenommen, ich habe bei facebook 200 freunde, eine nicht so seltene gegebenheit und versende an alle den gleichen musikmix, ist das erlaubt oder nicht?

ich habe dafür zum einen vorher in einen computer investiert, zahle gebühren für den anschluss ans netz und die übertragungsraten, ebenso die personen, die das produkt erhalten. es findet also noch nicht einmal ein kostenfreier austausch statt. doch die urheber des werks, sehen von dem bezahlten nichts. gesellschaft und technologische entwicklungen zwingen mich zum einen immer mehr, das internet zu nutzen. ob es die abwrackprämienanträge, die steuererklärung oder der kauf verbilligter fahrkarten ist, manches soll ausschließlich ins netz verlagert werden. will ich dieses netz aber privat ebenso nutzen, wird es schnell kriminalisiert. die verwertungsrechte der urheberrechtlich geschützten dinge, soll in den händen weniger bleiben. zum einen sehen die kreativen den kleinsten teil der eingenommenen gelder, zum anderen dürfte ich aber eine büchertauschbörse im internet organisieren.

digitalisierung des lebens erleichtert die kopie. die digitalisierung ist gewünscht, die kopie nicht. der schutz kommerzieller daten wird stärker betrieben als der schutz privater daten. auf der einen seite funktioniert das internet nur so gut aufgrund vielfältiger, kostenloser arbeit (siehe blogs, flickr, homepages…) und daran verdienen kommunikationsindustrien. auf der anderen seite sollen aber manche vorzüge der technischen entwicklung verschlossen bleiben. skurril wird es dann, wenn man betrachtet, dass zwar patente für technische und naturwissenschaftliche erkenntnisse ausgegeben werden aber nicht für geisteswissenschaftliche. vielleicht müsste man das ganze von der anderen seite diskutieren. lang wurden kulturelle leistungen abgewertet, jetzt erhalten sie eine immer größere bedeutung. es erscheint nicht umsetzbar, alles zu schützen, wie wäre es, alles freizugeben und kulturelle leistungen auf anderem wege zu entlohnen. mit freigeben meine ich aber auch die technischen und naturwissenschaftlichen erkenntnisse. denn sie werden im vorfeld schon gesellschaftlich finanziert, der rest sind verwertungsinteressen, die auch den protektionismus stützen. vielleicht muss aufgrund des internets einfach einmal vollständig umgedacht werden. wissen erhält einen ganz anderen stellenwert, das niemandem mehr vorenthalten werden darf. und kreatives wie foto, film, fernsehen oder text wird endlich in die riege des relevanten wissens eingereiht. ❓

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3 Antworten zu “web 2.0 und urheberrecht

  1. Hi!

    Als einer, der von der Lizenzierung von Urheberrechten lebt, mal ein paar Worte:

    1. Nicht alles, was im Internet ist, ist kostenlos. Das Internet ist auch für die Urheber eine Marktplattorm. Wer z.B. seine Fotos ins Internet stellt, damit potentielle Kunden die sehen, will keineswegs, daß sich die jemand kostenfrei aneignet und selbst weiterverwendet.

    2. Die Aussage „doch die urheber des werks, sehen von dem bezahlten nichts“ ist falsch. Dafür gibt es die Verwertungsgesellschaften, etwa die VG Bild-Kunst oder die VG Wort (sollte ein „kreativer Schreiber“ eigentlich wissen), die jährlich die entsprechenden Tantiemen an die Urheber ausschütten.

    3. Zitat: „wie wäre es, alles freizugeben und kulturelle leistungen auf anderem wege zu entlohnen“ – Wie soll das denn geschehen? Schöne Theorie. Irgendwelche konkreten Umsetzungsvorschläge? Nein? Dann würde ich mich nicht so weit aus dem Fenster hängen und vielleicht wirklich mal drüber nachdenken, dass es Menschen gibt, die durch den Erlös aus ihren Honoraren ihre Miete bezahlen müssen usw. etc. pp.

    4. Zitat: „denn sie werden im vorfeld schon gesellschaftlich finanziert, der rest sind verwertungsinteressen, die auch den protektionismus stützen. vielleicht muss aufgrund des internets einfach einmal vollständig umgedacht werden. wissen erhält einen ganz anderen stellenwert, das niemandem mehr vorenthalten werden darf. und kreatives wie foto, film, fernsehen oder text wird endlich in die riege des relevanten wissens eingereiht“ – Siehe 3., anonsten, sorry, theoretisches Blabla!

    Nix für ungut!

  2. ja, es handelt sich erst einmal um theoretisches blabla. die überlegung, kann sein, dass sie überhaupt nicht neu ist, entstand aus der absehbaren unveränderlichkeit der technischen entwicklung. es entsteht doch aus den jetzt erfolgenden verfahren keine lösung der existierenden schwierigkeit, dass immer mehr menschen werkzeuge in der hand haben, kopieren und austauschen zu können. dabei ist es mir gerade wichtig, dass die kreativen produzentInnen (es werden durch die digitalen werkzeuge immer mehr) davon leben können.
    nur die momentane vorgehensweise setzt viel zu spät an und kriminalisiert inzwischen die halbe jugend, die gar kein gespür für schöpferische arbeit hat. das rad zurückzudrehen wird nicht funktionieren, nur an alternativen will auch kaum jemand ran. apple hat zum beispiel mit dem i-tunes-store einen versuch unternommen, wurde dafür aber von der musikindustrie erst einmal verteufelt.
    die süddeutsche zeitung hat sich heute in ihrer web-kolumne des themas angenommen, vielleicht noch ein paar theoretische anregungen: http://www.sueddeutsche.de/kultur/74/465661/text/ .
    eines ist klar, die existenzsicherung hat im vordergrund zu stehen.

    gruß christof

  3. Hallo!

    Zitat: “ …. und kriminalisiert inzwischen die halbe jugend, die gar kein gespür für schöpferische arbeit hat.“

    Dem kann ich so nicht richtig folgen. Ich meine „die kein Gespür hat“. Ich bin ja auch nicht mit 56 auf die Welt gekommen und als ich „Jugend“ war, so Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger, da war man auch „gegen den Strich gebürstet“ und ganz und gar nicht „normkonform“. Du hast dich aber trotzdem ziemlich drum bemüht, tunlichst nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, weil du wußtest, es wird dich knallhart treffen, wenn sie dich erwischen.

    Wenn du was Kriminelles gemacht hast, geklaut hat, dann wurdest du nicht kriminalisiert. Du warst einfach kriminell. Und du wusstest das auch.

    Gruß Franz

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