schreibidee (114)

 

manchmal verirrt man sich. meinereiner früher bevorzugt in kreuzberg, da dort die straßen teils diagonal zueinander verlaufen. so fand ich mich des öfteren am ausgangsort wieder. aber man kann sich auch in sich selbst verirren oder überhaupt in den zwischenmenschlichen labyrinthen. und da gerade alles wieder grünt, wälder undurchsichtiger werden und wir alle wie rotkäppchen durch wald und flur mit unserem picknick-weidenkörbchen wandern, soll es dieses mal um „labyrinth-geschichten“ gehen. ob dann am schluss der böse wolf wartet bleibt allen schreiberInnen überlassen.

ein hübscher einstieg in diese schreibanregung könnte der besuch eines wirklichen labyrinths sein, wenn sich in der nähe zum beispiel ein maisfeld befindet, das im sommer als labyrinth gestaltet wird. oder man greift auf gedruckte labyrinthe zurück, die mit dem stift durchschritten werden sollen. es geht immer darum die eine spur zu finden, neben all den seitengassen, die irgendwann zu sackgassen werden oder einen zum ausgangsort bringen.

ähnlich sollten anschließend von den teilnehmerInnen der schreibgruppe geschichten geschrieben werden. zum einen gibt es eine menge wendungen und abzweige, die alle angedeutet werden, aber am schluss befindet man sich in der mitte des labyrinths und erhält entweder eine auflösung des erzählten oder erreicht damit den höhepunkt der geschichte. um einen einstieg in labyrinthische geschichten zu finden, kann ein cluster zu „irrungen und wirrungen“ erstellt werden. oder man nimmt sich ein aufgezeichnetes labyrinth vor und notiert in den lösungsweg und die seitenarme stichworte, die grundlage der geschichte werden.

die schreibidee kann noch aufwendiger gestaltet werden, aber dafür wird etliche zeit benötigt. als gruppenarbeit genügt ein treffen sicherlich nicht. allein wird die idee schon ein buchprojekt. meines wissens gibt es so etwas auch schon. man schreibt eine stringente geschichte, die man jeweils in seitenweise abschnitte aufteilt. von diesen abschnitt biegen beständig seitengeschichten ab. diese werden auch aufgeschrieben. wieder in einer seitenweisen abschnittsform. von einzelnen seiten könne ebenso weitere stränge abbiegen. mancher strang kann auch wieder zum anfang der hauptgeschichte führen. nun werden die seiten wie ein labyrinth angeordnet. immer am ende der seite wird notiert, dass zum beispiel entweder auf seite 16 oder 24 weitergelesen werden kann. es muss also darauf geachtet werden, dass ein gewisser zusammenhang besteht. ein geschichtsstrang kann dann zum beispiel in einer sackgasse landen, indem die geschichte einfach endet. am anfang kann man auch einen hinweis auf den ausgang des hauptstrangs geben, damit leserInnen ihn suchen. insgesamt kann ein spannendes projekt daraus entstehen, ein leselabyrinth, das sich auch bei einer lesung der schreibgruppe räumlich umsetzen ließe. alles ganz schön verwirrend, nicht wahr. einfach noch einmal von anfang an lesen 😆

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