kreatives schreiben und ruhe

vor jahrzehnten begab ich mich einmal ans nordkap mit dem fahrrad. ich bewegte mich durch regionen, in denen sich kaum ein mensch aufhielt, zeltete an orten, an denen tag und nacht weder ein auto noch andere technische geräte vorbeikamen. einzige geräuschkulisse bildete die natur, was nicht bedeutete, dass es ruhig war. allein die durch das schmelzwasser angewachsenen flüsse tosten in die täler. kaum am nordkap angekommen stellte ich fest, dass es sich um einen touristischen versammlungspunkt handelte, der hauptsächlich von schweizern, österreichern und deutschen mit lärmenden kindern bevölkert wurde.

wenn man sich heute umschaut, finden sich in deutschland eigentlich keine orte mehr, an denen man unbehelligt von sozialgeräuschen, wie autos, kleinflugzeugen, handyklingeln oder reisegruppen sein kann. selbst der besuch von berggipfeln oder inseln wird umgeben sein von menschlichen äußerungen. motorboote, andere wanderer, helikopter, alles ist irgendwann möglich. so wurde zum beispiel festgestellt, dass die singvögel immer lauter singen, da der umweltlärm sonst nicht zu übertreffen ist. vor dieser geräuschkulisse entstehen normalerweise texte.

spannend erscheint es mir, ob andere texte entstehen, wenn die eigentliche geräuschkulisse wirklich nur die natur wäre. also der versuch mit einer schreibgruppe orte zu finden, die allein tschilpen und das kratzen der stifte über das papier aussenden. wie würde dies bei den teilnehmerInnen ankommen, was wäre es für eine kommunikation. erstaunlich ist zum beispiel der effekt, dass viele menschen in der „reinen“ natur sehr viel verhaltener sprechen. dass sie in diesem moment entweder sehr ruhig werden oder eine unruhe sie erfasst, da der dauerhafte schallreiz abhanden gekommen ist. wie wirkt sich dies auf schreibreize aus? verfällt man automatisch in eine meditativere stimmung oder erscheint dieser schritt aus dem alltag bedrohlich? texte der ruhe scheinen anders zu sein als die üblichen kreativen werke. der versuch wäre es wert.

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