Tagesarchiv: 1. Mai 2009

wortklauberei (35)

 „schicken sie ihren gaumen auf weltreise“

die vorstellung an sich ist eine recht eklige. man stelle sich vor, die menschen würden dem aufruf „schicken sie ihren gaumen auf weltreise“ folgen. dies wäre nur operativ zu bewerkstelligen. zum einen würden einem immer mehr menschen ohne gaumen begegnen. zum anderen bekäme man vielleicht plötzlich päckchen von bekannten zugesandt, in denen sich deren gaumen befinden. außerdem wird noch nicht einmal gesagt, wohin der gaumen denn geschickt werden soll.

gut, ich wollte den aufruf natürlich falsch verstehen. der spruch stammt aus einer anzeige des gewürzhandels „herbaria“. so soll einen der genuß von gewürzen anscheind auf weltreise schicken. obwohl auch diese vorstellung nur mit größten autosuggestiven anstrengungen zu bewerkstelligen ist. denn eigentlich befinden sich die gewürze auf einer weltreise. sie werden aus allen ecken der welt zu uns transportiert. dies hat eine lange tradition, da die eigene heimat meist nur einen eingeschränkten zugang zu gewürzen bietet. nicht zu übersehen ist aber auch, dass viele einheimische geschmacksstoffe nicht mehr verwendet werden, einfach nicht zu kaufen sind.

so reizen inzwischen curry und co unsere gaumen. das sollen sie ruhig weiterhin machen. doch ich muss nicht dahin fahren, wo der geschmack nach curry herkommt. faszinierend ist es meist, dass sich zwar viele menschen auf reisen begeben aber nur in seltenen fällen die einheimische küche ausprobieren. sie greifen dann lieber auf die gewürzmischungen zurück, die ihnen und ihrem gaumen schon bekannt sind. so kann dieser aufruf gar nicht funktionieren. aber schön, dass dafür geworben wurde.

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schreibpädagogik und klartext

 schreibgruppen haben ähnliche probleme wie alle anderen gruppen auch. eines der größten bei gruppendynamiken besteht selten darin, dass die menschen zu wenig rücksicht aufeinander nehmen, eher das gegenteil ist der fall. bis sich teilnehmerInnen von gruppen gegenseitig kritisieren, da sie etwas stört, das dauert meist viel zu lang und der konflikt schwelt im hintergrund.

wer kennt das nicht aus einer regelmäßigen gruppe, eine person kommt immer zu spät. sie schafft es nie pünktlich zum beginn der gruppe. nun kann man versuchen schon einmal anzufangen, doch das ist gerade bei gemeinsamen schreibanregungen ein problem. doch alle teilnehmerInnen nehmen meist die beständige störung in kauf, anstatt der einen person zu sagen, dass die verspätung den ganzen ablauf aufhält. sie als leiterInnen können aber die gruppe nicht zwingen, etwas zu sagen. also übernehmen sie den part etwas zu sagen. doch auch das fruchtet erst einmal nicht, da die gruppe schweigt. dies signalisiert denjenigen, die für die störung sorgen, dass nur die leitung ein problem damit hat, die anderen aber anscheinend nicht.

in diesem moment wird klare kommunikation schwierig. darum empfiehlt es sich in regelmäßigen abständen bei gruppen, die über eine längere zeit zusammen arbeiten, raum zu geben für beschwerden, kritiken und diskussionen um die gruppendynamiken. Doch selbst in diesen momenten wird oft der versuch unternommen, die kritik in umschreibende sätze und relativierende aussagen zu verpacken. dadurch wird aber nicht klar, worum es geht. deshalb ist es sinnvoller es offen auszusprechen, wenn einen etwas stört, auch wenn dadurch erst einmal ein offener konflikt entstehen kann. die „nette“ form der kritik gibt es nicht, sie macht keinen sinn, da es nun einmal kritik am verhalten einer anderen person ist. diese kann sich dann überlegen, ob sie etwas verändern möchte oder nicht. und schreibgruppenleiterInnen sind natürlich dazu da, einzugreifen, sollte sich ein konflikt hochschaukeln. aber meist lässt sich eine lösung finden.

leben neben der berliner feuerwehr (02)

der „tag der arbeit“ ist ein guter anlass über das grillen zu schreiben. wie formuliert es die stadt berlin so schön: „Auf Privatgrundstücken ist Grillen grundsätzlich erlaubt – solange es die Nachbarn nicht belästigt. In Parks und öffentlichen Grünanlagen finden Sie ausgeschilderte Grillplätze, die wir Ihnen im folgenden aufgelistet haben„. das gilt nicht für die berliner feuerwehr. sie grillt mit vorliebe bei schönem wetter an wochenenden und feiertagen auf öffentlichem gelände, also grund und boden, der im besitz des landes berlin ist, während ihrer dienstzeit.

karfreitag 10.04.09: ab 12.00 uhr

sonntag 19.04.09: ab 12.00 uhr

tag der arbeit: 01.05.09: ab 12.00 uhr.

aufgrund der eigenen guten tipps der feuerwehr zum grillen ( siehe http://www.berliner-feuerwehr.de/grillen0.html ) wird der grill immer wieder gern zum ausglühen stehen gelassen. dumm nur, dass bei einsätzen der grill unbeaufsichtigt bleibt. aber es ist ja eine feuerwache. zumindest war die letzten zwei stunden der balkon nicht zu nutzen, da die windrichtung auch mal wieder perfekt passte. das kann noch stunden so weitergehen. dank dafür 😆

leben neben der berliner feuerwehr (01)

seit ungefähr 15 jahren versuche ich von berliner behörden herauszufinden, wer denn nun handelt, wenn in einem wohngebiet auf dem hinterhof von beamten des landes berlin während ihrer dienstzeit auch zu ruhezeiten und an wochenend- und feiertagen privat-pkw repariert, gewaschen und rangiert werden, fleissig gegrillt wird oder einfach nur ein gemütliches beisammensein in ständigen lärm ausartet. der bezirk sieht sich nicht in der zuständigkeit, das umweltamt des bezirks kann einer übergeordneten behörde keine anweisungen geben, das ordnungsamt hat angeblich keine kapazitäten einen blick auf die feuerwache zu werfen, obwohl sie es auf der anderen hausseite bei der parkraumbewirtschaftung hervorragend schafft. die direktion west der feuerwehr versucht sich aus der affäre zu ziehen, indem sie die verantwortung an mich zurückverweist und der meinung ist, ich solle mich doch jedesmal direkt bei der feuerwache beschweren. hübsche idee, um an einem grundsätzlichen und beinahe täglichen problem nichts zu ändern. die senatsverwaltung für umweltschutz kann einer gleichgeordneten behörde keine anweisungen geben. inzwischen ist die senatsverwaltung für inneres zuständig, die aber auch beständig an die feuerwehr verweist. 

und so agiert anscheinend eine feuerwache in einem rechtsfreien raum, für den keiner die verantwortung übernimmt. dadurch muss sich der feuerwehrbeamte weder an lärmbestimmungen noch an andere regelungen halten. ärgerlich bleibt die tatsache, dass alle anwohner ihren lebensmittelpunkt in der nähe der feuerwache haben, die beamten aber all das, was sie hier veranstalten, in ihrer freizeit ebenso vor ihrem eigenen wohnort machen könnten (aber wahrscheinlich gar nicht dürften). zumindest haben sich also kleine orte des rechtsfreien raums gebildet, für die keiner zuständig ist. also werde ich hier in loser folge einfach mal auflisten, was alles in öffentlichen einrichtungen möglich ist. vielleicht handelt mal jemand der dann doch zuständigen.