Tagesarchiv: 4. Mai 2009

biografisches schreiben und gedenken

biografisches schreiben kann erinnerungen an personen, die einem selber wichtig waren oder auch die gesellschaftlich von hoher bedeutung waren, wachhalten. jeder mensch hat andere menschen, die einem als vorbild dienten, die einfluss auf das eigene leben hatten oder haben. sie in die eigene biografie aufzunehmen, ist eine form ihnen für ihren einfluss, auch wenn er unbewusst stattfand, zu danken.

um dies beim verfassen der eigenen lebensgeschichte umzusetzen, kann eine liste erstellt werden, in der die namen der menschen notiert wird, die man toll fand. es geht nicht um beziehungspartnerInnen im klassischen sinn, sondern es geht um personen, deren lebenskonzept, deren haltung oder deren auftreten einen fasziniert hat. jeder mensch findet bestimmt ein paar personen, die einen bei begegnungen auf eine besondere art berührt haben.

natürlich kann es sein, dass man später von ihnen wieder abrückte, dass man hinter manchen fassaden auch dinge entdeckte, die einem nicht gefielen. und doch haben die personen in den jeweiligen momenten eindruck hinterlassen. es lohnt sich, in der liste hinter den personen ein paar stichworte darüber zu notieren, was an ihnen so faszinierte. war es die freundlichkeit, die selbstverständlichkeit, mit der sie auf einen zugingen oder auch die ideen, die sie verbreiteten?

anschließend sollte man ein kurzes porträt dieser personen schreiben (ungefähr ein bis zwei seiten), ruhig mit der technik des freewriting als fokussiertes schreiben. im nachgang kann man sich dann überlegen, inwieweit man eine beschreibung der menschen und deren einfluss auf eigene lebensentscheidungen und auf die eigene haltung einfließen lässt. dabei sind immer die persönlichkeitsrechte der anderen zu wahren. eventuell sollten sowohl die personen als auch ereignisse verfremdet werden, ohne die eigenen entwicklung zu verändern. wichtig erscheint es mir nur, dass ich nicht alle veränderungen aus mir selbst heraus vollzogen habe, sondern meist im sozialen zusammenspiel mit anderen menschen. dies sollte in einer biografie eine rolle spielen.

kreatives schreiben und trost

kreatives schreiben kann in schwierigen situationen trost spenden. denn in momenten der trauer oder des sich unglücklich fühlens bildet das schreiben einen gegenpol. das hat sicherlich mit dem angenehmen gefühl, etwas selber geschaffen oder ausgedrückt zu haben, zu tun. dabei muss man sich in diesem moment noch nicht einmal dem thema zuwenden, das einen so beschäftigt. man kann also das kreative schreiben auch als form der ablenkung verwenden.

obwohl dies schwer sein wird. denn der versuch, sich gedanklich vom traurig machenden zu entfernen, kann während des schreibprozesses wieder rückgängig gemacht werden. viele techniken des kreativen schreibens basieren eben auf dem konzept, gedanken und assoziationen freien lauf zu lassen. geschieht dies, ist die wahrscheinlichkeit, sich mit dem zu beschäftigen, das einen bewegt, recht groß.

und doch bietet das kreative schreiben etwas heilendes, helfendes. es mag einem in dem moment nicht sonderlich gut gehen, aber eine neue, weitere form des ausdrucks der problematik stellt gleichzeitig auch eine form der verarbeitung dar. das wird oft unterschätzt. da ist die angst, wieder trauer zu empfinden groß und der gedanke nah, sich lieber mit anderen, denn kreativen dingen abzulenken. und es wird eben auch so sein, die gefühle im hintergrund werden einfluss haben auf die eigene schreibe. aber die gedankliche veränderung, das einfließen von zusätzlichen ideen und die form einen ausdruck zu finden, hat etwas befriedigendes. hier unterscheidet sich das schreiben eindeutig vom gespräch. denn das schreiben bietet im hintergrund mehr chancen, ungerichteter zu agieren. im gespräch werden die gedanken mehr gesteuert.

außer bei professionellen beratungsgesprächen, die die möglichkeit bieten, ungehemmter zu sprechen, wird beim gespräch das gegenüber mehr mitgedacht. gut, beim schreiben gibt es den inneren zensor, doch der erscheint mit ein wenig übung kleiner, als das subjekt, das mir bei einer unterhaltung gegenübersitzt. und so bietet das kreative schreiben trost in einer schwierigen lebenslage.