wer reden kann, macht eindruck. wer schreiben kann, macht karriere – ein buchtipp

für das buch von ulrike scheuermann habe ich eine rezension verfasst, die hier nachgelesen werden kann (dies sogar in groß- und kleinschreibung):

Erfolg im Job ist heute eng verknüpft mit der Fähigkeit schreiben zu können. Kaum ein Berufsfeld kommt ohne Schreibarbeit aus. Die sozialen und kreativen Berufe kennen das Schreiben als wichtigen Faktor ihrer Tätigkeit schon lang. Doch inzwischen sind auch Jobs in der Wirtschaft, im technischen Bereich oder im Dienstleistungsbereich noch stärker vom Schreiben abhängig. Allein die anwachsende Zahl täglicher Mails, die bearbeitet und beantwortet werden sollen, fordern zum Schreiben auf. Doch wie formuliert man in möglichst kurzer Zeit einen treffenden, gehaltvollen Text, der auch vom Adressaten richtig verstanden und vor allen Dingen vollständig gelesen wird?

Dieser Frage und vielen anderen in Bezug auf das Schreiben im Beruf geht Ulrike Scheuermann, Dozentin im postgradualen Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der Alice-Salomon-Hochschule, nach. Im ersten Teil ihres zweigeteilten Ratgebers widmet sie sich den „zehn Problemzonen des Schreibens im Job“. Anhand einleuchtender Fallbeispiele aus ihrer Tätigkeit als Schreibcoach, zeigt sie auf, welche Probleme sich für Menschen beim Schreiben ergeben können. Wer kennt nicht die Situation, dass ein Bericht erstellt werden muss und es fehlen einem sowohl die Worte als auch die Ideen für einen flüssigen Text. Für viele gestaltet sich das Schreiben am Arbeitsplatz zur Qual. Es herrscht Zeitdruck, es fällt einem nichts Treffendes ein, andere verstehen den Text nicht, Mammutsätze ziehen sich durch die Ausarbeitung und knackige Formulierungen für die Präsentation, die man schon einmal im Kopf hatte, haben sich in Luft aufgelöst. Dazu kommt meist noch der Anspruch, einen tollen Text zu verfassen, alle Mitarbeiter zu begeistern und möglichst jede Information ausformuliert zu haben. Ebenso kennt man als Leserin und Leser die Situation, vor Texten zu sitzen und sich zu fragen, was wollte die AutorIn mir damit sagen?

Damit es nicht dazu kommt, bietet das Buch bei der Beschreibung der Problemzonen für die Leser die Möglichkeit, die eigenen Schwierigkeiten zu entdecken, und erste Tipps beim eigenen Schreiben anzuwenden. Neben dem Aufzeigen von ersten Schritten zu besseren Texten finden sich auch zu jeder Problemzone kurze Hinweise auf die Karrierefaktoren, die durch veränderte Vorgehensweisen erreicht werden können.

Die Aufdeckung der Komplikationen beim Schreiben führt direkt auf den zweiten Teil des Buches zu, das eigene Schreiben fitter zu machen. Hier werden konkrete Schreibtechniken und Herangehensweisen aus der Schreibpädagogik und dem Kreativen Schreiben vorgestellt, die es jedem und jeder erleichtern, einen für andere interessanten und gehaltvollen Text zu formulieren. Dabei handelt es sich um Anregungen zur Selbstreflexion des eigenen Schreibens, um Assoziationstechniken, Techniken überhaupt in den Schreibprozess einzusteigen und um viele andere Techniken einen Text lesbar zu gestalten. Zudem werden beinahe alle Faktoren, die beim Schreiben eine Rolle spielen können (Störungen, Schreibort, körperliche Verfassung, Sitzhaltung und vieles mehr) aufgegriffen und nützliche Hinweise dazu gegeben. Insgesamt ist der zweite Teil aufgebaut wie ein sportliches Trainingsprogramm, das in zehn Schritten absolviert werden kann, um konsequent sein eigenes Schreiben zu verändern. Die einzelnen „Trainingseinheiten“ sind gespickt mit Übungen und Anregungen. Alle Übungen sind in relativ kurzer Zeit zu absolvieren und durchzuführen. Das Buch unterstützt einen dabei, sich am Schluss einen „Schreibtrainingsplan“ für die eigenen Texte zusammenstellen zu können.

Ulrike Scheuermann hat mit diesem Buch einen Ratgeber verfasst, der eine große Hilfe im beruflichen Schreiben darstellen kann. Auch wenn es Leserinnen und Leser am Anfang anmuten mag, wie wenn dies doch alles ein recht zeitaufwendiges Verfahren sei, ist nicht zu unterschätzen, wie viel Zeit, Energie und Kraft man in der Folge einspart und dabei auch noch bessere Texte produziert.

Sehr angenehm fällt beim Lesen des Buches der flüssige Stil, die kurze prägnante Sprache und der durchdachte Aufbau auf. Es fällt leicht, den Ratschlägen und Anweisungen zu folgen. Dabei verliert das Buch die menschlichen und psychologischen Aspekte des Schreibens und der Arbeitswelt nicht aus den Augen. Denn Schreiben ist nicht nur eine Arbeitstechnik, sondern immer auch eine sinnliche Erfahrung, die bei jedem Menschen zu Reaktionen führt. Die große Angst vieler Menschen vor dem leeren Blatt oder dem weißen Bildschirm kann durch das Buch genommen werden. Allein schon durch die Einleitung der Autorin, die darin auch von ihren eigenen Schwierigkeiten und Ängsten beim Verfassen des Buches berichtet. Doch das Buch spricht für sich. Einziges Manko, die manchmal zu stark akzentuierte Anlehnung an die Sprache des Leistungssports. Doch diese relativiert sich schnell, wenn auf die verschiedenen Aspekte der kreativen Möglichkeiten eingegangen wird.

Fazit: Ein hilfreicher Ratgeber für alle, die ihre Schreibprozesse im Job verbessern und verändern möchten. Es ist aber auch für jeden anderen Schreibenden lesenswert und unterstützend. Karriere machen zu wollen ist nicht die Grundvoraussetzung, um zu diesem Buch zu greifen, eher der Wunsch einen unverkrampfteren Umgang mit dem Schreiben zu erlangen. Dabei ist es auch denkbar, nur einzelne Kapitel für den eigenen Schreibprozess zu nutzen und zu lesen.
Christof Zirkel

Ulrike Scheuermann: Wer reden kann macht Eindruck. Wer schreiben kann, macht Karriere. – Das Schreibfitnessprogramm für mehr Erfolg im Job. Wien: Linde Verlag, 262 Seiten, ISBN 978-3-7093-0240-8

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