Tagesarchiv: 19. Mai 2009

wortklauberei (39)

„Stück für Stück ins Homoglück“

Luja, sog i! Halleluja! Berlin hatte die letzten Jahre beständig ein unglückliches Händchen, was das Motto des CSD (Christopher-Street-Day) anging. Doch dieses Jahr wurden auch die allerletzten Hürden zum gnadenlosen Ausverkauf einer politischen Idee genommen. So einigte sich die Findungskommission, also ein Treffen, an dem jede(r) teilnehmen kann, auf den weitreichenden Aufruf „Stück für Stück ins Homoglück – Alle Rechte für alle!„. Luja, sog i!

Da sitzen wir Homosexuellen also nun auf rosa Wölkchen, von Glück beseelt bei der Himmelsnahrung „Manna“, betrachten die Welt von oben und stellen fest, es ist alles schön. Mag die Finanzkrise die Welt noch so erschüttern, mag der Klimawandel die schwulen und lesbischen Feierlichkeiten in drückende Hitze oder gewittrige Schauer zwängen, mag das Leben immer komplizierter werden, das Homoglück winkt von weitem. ‚Wenn, ja wenn nur die Gesetze endlich angeglichen sind.

Das Motto des diesjährigen CSD reiht sich ein in die freitäglichen Rosamunde-Pilcher-Fernsehabende der ARD, die nichts besseres bringen, als eine heile Welt. Einzige FürsprecherInnen werden sich wahrscheinlich unter den GlücksforscherInnen finden, die bis heute nicht sagen können, was Glück eigentlich ist. Glück kann es für jemanden sein, dass die eigenen Eltern überhaupt akzeptieren, dass man schwul ist. Glück kann es sein, dass der Sexualpartner nicht infiziert wurde, obwohl das Kondom platzte. Glück kann es sein, dass man nach drei Jahren Suche endlich einen Arbeitsplatz bekommen hat.

Glück kann es natürlich auch sein, dass man den Traumpartner gefunden hat, Weiterlesen

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biografisches schreiben und humor

bis jetzt waren viele der beiträge zum biografischen schreiben hier im blog, der versuch ernsthafte techniken der selbstvergewisserung aufzuzeigen. dabei wurde ein aspekt des lebens vollständig außer acht gelassen. humor und heiterkeit im alltag und im leben. beständig wird darauf hingewiesen, dass lachen sehr gesund sei. und schaut man sich um, wird viel gelacht. sind trotz aller widrigkeiten viele menschen zwischenzeitlich sehr fröhlich.

welche begebenheiten im leben sind hängengeblieben, die voller witz und situationskomik waren. aus der kindheit kennt man sie meist, da sie die grundlage mancher erzählungen bei familienfeierlichkeiten oder anderer zusammentreffen bilden. doch danach, welche scherze hat man sich als teenager erlaubt? wie war das in der schule. auch beim backen von plätzchen für eine schulweihnachtsfeier einmal einen hundekuchen mit glasur bestrichen und mandeln belegt, um ihn zwischen all den leckeren teilen zu verstecken?

oder vielleicht kannte man einen menschen, der immer wieder für witzige überraschungen im eigenen leben gesorgt hat. jemand, der keine hemmungen hatte, skurrilitäten auszusprechen und ganze gruppen zum lachen brachte. wie sieht es mit dem eigenen galgenhumor aus? war eine der grundlagen der eigenen beziehungen das gemeinsame lachen? alles fragen, deren beantwortung stichwortartig in der rückschau auf die eigene lebensgeschichte, der eigenen biografie notiert werden kann.

im anschluss kann man sich überlegen, ob man beim schreiben der eigenen biografie auch anekdoten einfügt. diese lockern meist das geschriebene auf und stehen nicht selten im zusammenhang mit der eigenen lebenseinstellung. der hundekuchen war gleichzeitig ein ausdruck gegen die allzu seligen weihnachtsfeierlichkeiten an der schule, die die grundkonflikte kaschierten. und man kann feststellen, wie oft im laufe der zeit doch gelacht wurde und das eigene leben nicht nur von dramatik bestimmt war.