Tagesarchiv: 20. Mai 2009

schreibpädagogik und unsicherheit

wie geht man mit teilnehmerInnen um, die das erste mal in ihrem leben eine schreibgruppe besuchen? natürlich genauso wie mit anderen teilnehmerInnen, die schon häufiger schreibgruppen aufgesucht haben. und doch hat man darauf zu achten, inwieweit neue in der gruppe aufgenommen werden. das unterscheidet sich nicht von der anleitung anderer gruppen.

erster ansprechpartner für alle ist die gruppenleitung. dies bedeutet, allen teilnehmerInnen gleichviel aufmerksamkeit entgegenzubringen. auch wenn man zum beispiel aus vorherigen schon manche kennt, sollte man ihnen nicht viel mehr aufmerksamkeit schenken, als anderen, da sich sonst menschen, die das erste mal an einer schreibgruppe teilnehmen, zurückgesetzt fühlen. sie bekommen das gefühl, in einen zusammenhang geraten zu sein, der sich schon lang kennt und keinen zugang offeriert.

es ist damit zu rechnen, dass sich dadurch alte bekannte zurückgesetzt fühlen, hier ist eine balance zu halten. am besten gleicht man diese verschiedenen interessen und empfindungen dadurch aus, dass man am anfang die gruppenregeln formuliert, die jedem und jeder die gleichen chancen einräumt, die eigenen texte und geschichten vorzustellen, die im laufe der übungen entstanden sind und auch allen dieselbe ausführlichkeit beim feedback garantiert.

man nehme also möglichst wenig bezug auf frühere gruppen, das kann man außerhalb der eigentlichen treffen machen, wenn es zum beispiel zum privaten besuch einer kneipe im anschluss geht. doch auch hier sollte man darauf achten, möglichst alle einzubeziehen, wenn diese ein interesse daran signalisieren. denn die rolle der leitung verliert man in diesen momenten immer noch nicht, so sehr man sich auch müht.
oft kann aber in gruppen damit gerechnet werden, dass die anderen teilnehmerInnen sich neuen bereitwillig widmen, da sie das gefühl, neu in einer gruppe zu sein, etwas das erste mal zu machen, gut kennen.

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schreibidee (123)

das herz hat viele funktionen. es ist der motor unseres körpers und läuft oft jahrzehnte fehlerfrei. es reagiert auf eindrücke aus der umwelt und je nach bedrohungsfaktor beschleunigt es seinen schlag. das herz gibt den takt der blutzirkulation an. das herz setzt um, was wir erleben. ein guter anlass, es als schreibanregung zu nutzen und „herzgeschichten“ zu schreiben.

als einstieg in die schreibanregung ein visueller eindruck dienen. wenn es möglich ist, können ein gemaltes gleichförmiges und eine fotografie eines menschlichen herzens an die wand projiziert werden. die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden aufgefordert assoziationen zu den abbildungen zu notieren. anschließend ist ein fünfminütiges freewriting zum thema herz zu schreiben. aus beiden vorarbeiten wird eine kurze herzgeschichte verfasst.
nachdem die geschichten ohne feedback kurz gegenseitig vorgelesen wurden können verschiedene schreibanregungen gegeben werden, die sich am verhalten des herzens orientieren. so kann dazu aufgefordert werden jeweils cluster zu erstellen zu drei verschiedenen aspekten: „das herz schlägt bis zum hals“, „herzstillstand“ und „gebrochenes herz“. die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden dann aufgefordert, ein cluster für sich auszuwählen und eine geschichte dazu zu schreiben.

oder man widmet sich dem zusammenspiel von herz und blut. für was würden die teilnehmerInnen ihr „herzblut“ geben? diese leidenschaft ist in ein gedicht mit herzmetaphern zu packen. aber es besteht auch die möglichkeit „herzkammernflimmern“ zur grundlage einer weiteren geschichte zu machen. im vorfeld wird die medizinische beschreibung der störung vorgetragen. dann werden assoziationen zu den begriffen „herz“, „kammer“ und „flimmern“ notiert. anschließend werden diese in einer geschichte zusammengeführt.

zum schluss werden die aus allen anregungen entstandenen geschichten vorgetragen und ein feedback gegeben. aus allen geschichten kann eine sammlung, vielleicht mit dem titel „herzenslust“ entstehen. vorher werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, auf ein blatt ein herz zu malen, das ihnen gerade in den sinn kommt und das gerade erlebte widerspiegelt.