Tagesarchiv: 23. Mai 2009

biografisches schreiben und diskriminierung (2)

eine wunderbare, da sich beständig verbessernde lebenssituation schildert ein interview im magazin der süddeutschen zeitung vom letzten freitag. dabei handelt es sich um ein gepräch mit einem schwulen paar, das über 40 jahre ein paar ist und nun vor zehn jahren heiraten durfte. auch wenn es seltsam ist, dass schwule paare viel häufiger in den medien auftauchen seitdem sie sich verpartnern dürfen und man dahinter schon wieder diskriminierung vermuten könnte (vielleicht aber auch eine verbesserung des gesellschaftlichen klimas).

doch das interview widerspricht eindeutig dieser vermutung. denn zur freude der leserInnen sind die beiden kritische beobachter einer gesellschaftlichen entwicklung. sie schildern was sie alles ertragen mussten, bis sie ihre ihr liebe überhaupt so leben konnten, wie sie wollten. sie beschreiben, wie schwer es fiel, sich öffentlich zu küssen und das wort „schwul“ auszusprechen. das ist sicherlich die erschütterndste erfahrung nach jahrzehntelanger diskriminierung. die schwierigkeit, sich an die verbesserte lebenssituation zu gewöhnen. viele schwule, die die beobachtungen und verurteilungen durch den § 175 noch erlebt haben oder die beobachtung durch die stasi im osten, brauchen eine menge zeit, um im alter die freiheiten zu nutzen, die ihnen zustehen.

und es gibt ein happyend, auch wenn man dabei den kontakt zur eigenen familie verloren hat. das schmerzt aber wird durch das gemeinsame glück der beziehung gemildert. zu lesen ist das interview unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29355

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biografisches schreiben und diskriminierung (1)

gesellschaften, auch so genannte „demokratische“ (hoch lebe das grundgesetz) sind oft alles andere als tolerant. das bedeutet, dass es aufgabe von grundgesetzen und verfassungsgerichten ist, minderheiten zur seite zu springen und sie zu schützen, gerade wenn es darum geht, dass erst einmal alle menschen gleichberechtigt behandelt werden. man muss zugestehen, dass deutschland in diesem zusammenhang, auch als folge der 68er, manche verbesserung erfahren hat.

doch etliche bewohner dieses landes haben im laufe ihrer biografie oder lebensgeschichte, erfahren, was es bedeutet zu einer minderheit zu gehören. sie sind im laufe ihres lebens oft genug diskriminiert worden, soll heißen, sie wurden beschimpft, verleumdet, ungerecht behandelt und vieles mehr bis zu tätlichen übergriffen. die betrifft und betraf so genannte „gastarbeiter“, migrantInnen, frauen (die gar keine minderheit darstellen), behinderte, schwule, lesben, alte menschen (die bald auch keine minderheit mehr darstellen) und teilweise kinder und jugendliche.

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