web 2.0 und sexualität

die wogen schlagen hoch beim versuch, kinderpornografie im netz zu unterbinden. so wie die wogen eigentlich hoch schlagen sollten, wenn generell eingriffe von staatlicher seite im internet vorgenommen werden. erstaunlich scheint, dass der hebel im netz angesetzt wird, also an einem kommunikationsort und nicht, wie zu vermuten wäre, an der wurzel, nämlich beim kindesmissbrauch.

warum werden nicht automatisch strafverfahren gegen personen eingeleitet, die kinderpornografisches material ins netz stellen? sicher, teilweise können die verursacher überhaupt nicht ausgemacht werden. doch es scheint erstaunlich, dass so wenig ausgemacht werden kann. wie wäre es, die verjährungsfristen für sexuellen missbrauch überhaupt einmal zu erhöhen. oft benötigen menschen recht lang, bis sie sich mit ihrem erlebten missbrauch auseinandersetzen können? wie wäre es, die kleinfamilie nicht unbedingt ständig als nonplusultra der sozialen zusammenlebensweise zu propagieren, da sie der häufigste ort sexuellen missbrauchs ist? und wie wäre es, wenn unsere gesellschaft den wert eines menschen wieder als wertvoll verstünde, dann wäre die hemmschwelle, sich an einem menschen zu vergehen, etliches höher.

noch seltsamer scheint die vorgehensweise generell mit sexualität im netz. überall, wo menschen aufeinandertreffen, geht es um sexualität. das ist so, war schon immer so und wird auch in zukunft so sein. und es sind erwachsene menschen, die die pornografie abrufen. dies nicht in geringem maße und dies auch nicht nur bestimmte menschen. sehr viele menschen empfinden lust beim betrachten sexueller darstellungen. gleichzeitig sorgt aber eine manifeste doppelmoral dafür, dass die pornografie in der schmuddelecke zu bleiben hat. dadurch erst wird sie anfällig für jede form von rechtsbruch. würde man erotik und sexualität in einen unverkrampfteren kontext stellen, wäre der umgang mit ihr selbstbewusster und die objektwahl für die befriedigung eher im rahmen des alltäglichen zu finden.

ach so, und dann noch der jugendwahn, der inzwischen in allen bereichen des alltags eine rolle spielt. hier kann politik gegensteuern, auch indem sie das alter, das übrigens bald die mehrheit der gesellschaft ausmacht, anfängt wert zu schätzen. denn wer glaubt sexuelle interessen wären nicht von gesellschaftlichen entwicklungen beeinflusst, irrt. so könnte man sich darauf konzentrieren, das selbstbewusstsein von kindern und jugendlichen zu stärken, die kommunikation der kinder im internet zu begleiten, sexualität unverkrampfter anzugehen und darzustellen, also die schmuddelecke zu verlassen und somit von der kinderpornografie abzukoppeln und deren verbreitung, also die anbieter und produzenten konsequenter zu verfolgen. aber wer noch nicht einmal eine vernünftige sexualaufklärung an schulen oder zuhause hinbekommt, muss sich nicht wundern, wenn etliches aus dem ruder läuft. dann aber mit zensur zu reagieren, setzt nur an den effekten an, aber nicht an den ursachen.

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