Monatsarchiv: Mai 2009

biografisches schreiben und humor

bis jetzt waren viele der beiträge zum biografischen schreiben hier im blog, der versuch ernsthafte techniken der selbstvergewisserung aufzuzeigen. dabei wurde ein aspekt des lebens vollständig außer acht gelassen. humor und heiterkeit im alltag und im leben. beständig wird darauf hingewiesen, dass lachen sehr gesund sei. und schaut man sich um, wird viel gelacht. sind trotz aller widrigkeiten viele menschen zwischenzeitlich sehr fröhlich.

welche begebenheiten im leben sind hängengeblieben, die voller witz und situationskomik waren. aus der kindheit kennt man sie meist, da sie die grundlage mancher erzählungen bei familienfeierlichkeiten oder anderer zusammentreffen bilden. doch danach, welche scherze hat man sich als teenager erlaubt? wie war das in der schule. auch beim backen von plätzchen für eine schulweihnachtsfeier einmal einen hundekuchen mit glasur bestrichen und mandeln belegt, um ihn zwischen all den leckeren teilen zu verstecken?

oder vielleicht kannte man einen menschen, der immer wieder für witzige überraschungen im eigenen leben gesorgt hat. jemand, der keine hemmungen hatte, skurrilitäten auszusprechen und ganze gruppen zum lachen brachte. wie sieht es mit dem eigenen galgenhumor aus? war eine der grundlagen der eigenen beziehungen das gemeinsame lachen? alles fragen, deren beantwortung stichwortartig in der rückschau auf die eigene lebensgeschichte, der eigenen biografie notiert werden kann.

im anschluss kann man sich überlegen, ob man beim schreiben der eigenen biografie auch anekdoten einfügt. diese lockern meist das geschriebene auf und stehen nicht selten im zusammenhang mit der eigenen lebenseinstellung. der hundekuchen war gleichzeitig ein ausdruck gegen die allzu seligen weihnachtsfeierlichkeiten an der schule, die die grundkonflikte kaschierten. und man kann feststellen, wie oft im laufe der zeit doch gelacht wurde und das eigene leben nicht nur von dramatik bestimmt war.

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„raum zum schreiben“ von bonni goldberg – ein buchtipp

der vollständige titel des buchs gibt einen hinweis darauf, was leserInnen erwartet. „raum zum schreiben – creative writing in 200 genialen lektionen„. auch wenn die bezeichnung „genial“ eine sehr weitgehende ist, macht das buch lust auf schreiben. denn es bietet seite für seite eine schreibanregung.

jede anregung wird mit einem kurzen text eingeleitet. dabei werden wirklich die verschiedensten aspekte des schreiben beleuchtet. angefangen bei themen wie „zeit“, „altäre“, oder „autos“ bis zu „körperflüssigkeiten“ bietet das buch viele verschiedene unsortierte anregungen.

wem also die eigenen schreibideen ausgehen sollten und wer hier keine ansprechende im blog findet, dem kann das buch von bonni goldberg sicherlich weiterhelfen. es liest sich locker und vermittelt die begeisterung der autorin für das schreiben. nach den vorbereitenden betrachtungen zum jeweils gewählten schreibthema folgt in kurzen knappen sätzen die eigentliche schreibanregung oder -aufgabe. danach noch ein zitat, passend zum thema und die schreibanregung unterstreichend.

meine empfehlung, einfach durchblättern und sich die anregung rauspicken, die gerade am interessantesten erscheint. dann losschreiben und erst wieder aufhören, wenn sich alles gut anfühlt. das buch ist im autorenhaus verlag, 2004 in berlin erschienen. ISBN 3-932909-45-3

„die sandwirtschaft“ von uwe tellkamp – ein buchtipp

eigentlich gibt es nur ein universitäres institut in deutschland, das den versuch unternimmt, studierende zu schriftstellerInnen auszubilden. dabei handelt es sich um das deutsche literaturinstitut der universität leipzig (ich habe den studiengang hier schon einmal vorgestellt). und wie schon manche andere germanistik- oder schreibpädagogische studiengänge, lädt man sich gern einmal bekanntere schriftstellerInnen ein, um den studierenden etwas über das schreiben zu vermitteln.

die poetikvorlesungen in leipzig wurden vor einiger zeit von uwe tellkamp gehalten, der heute in aller munde wegen seine buches „der turm“ ist. nun wurden die vorlesungen, überlegungen und betrachtungen in dem band „die sandwirtschaft – anmerkungen zu schrift und zeit“ vereint und veröffentlicht. dabei handelt es sich um ein lose sammlung von verschiedenen betrachtungen.

ein teil widmet sich der geschichte und entwicklung der lyrik. uwe tellkamp geht der frage nach, ob lyrik eine aussterbende literaturgattung ist und ob man heute noch etwas schreiben kann, das nicht schon längst geschrieben ist. tellkamp gibt einblick in seine motivation zu schreiben (und regte mich dadurch an, hier über die unausweichlichkeit des schreibens nachzudenken). er betrachtet das werk diverser „klassiker“ der literatur und schreibt über „unbekanntere“ schriftstellerInnen.

eine durch und durch subjektive betrachtung, was dem buch aber keinen abbruch tut, da es einblicke in die gedankenwelt eines recht erfolgreichen schriftstellers gibt. man muss nicht tellkamps vorliebe für die großen epen und lyriker teilen, um ein gefühl dafür zu bekommen, was literatur alles ist und abbildet. das buch ist in der edition suhrkamp, frankfurt am main, 2009 als sonderdruck erschienen. ISBN 978-3-518-06999-8

selbstbefragung (15) – tod

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „tod„.

  • wie möchten sie sterben? notieren sich stichworte.
  • erscheint ihnen der tod als bedrohung? warum?
  • welchen für sie wichtigen menschen haben sie durch den tod verloren? erinnern sie sich daran.
  • sterben ist in unserer gesellschaft beinahe ein tabu. was denken sie dazu?
  • wie sollte ihre beerdigung aussehen? haben sie sich schon einmal gedanken dazu gemacht?
  • apropos gedanken, gibt es bei ihnen eine patientenverfügung? warum?
  • glauben sie an ein leben nach dem tod? erklären sie.
  • der „drohende“ tod kann ein ansporn dazu sein, jeden tag sehr bewusst zu leben und den eigenen interessen zu folgen. finden sie das auch? was tun sie dafür?
  • was halten sie davon, sich einfrieren zu lassen, um in 200 jahren wieder geweckt zu werden? wie sieht unsere welt dann aus?
  • können sie trauern?

schreibidee (122)

es gibt momente, in denen man das gefühl hat, alles um einen herum bewege sich, nur man selber kommt keinen deut voran, kann noch nicht einmal den kleinen finger heben. man fühlt sich wie paralysiert, wie gelähmt, kann nicht sprechen, doch gleichzeitig fühlt man sich hellwach und saugt alles in sich auf, dass um einen herum geschieht. diese situation soll anregung sein für die „paralyse-texte„.

dazu wird zuerst eine kleine körperliche übung in der schreibgruppe durchgeführt. man kennt das spiel, dass alle sich im raum bewegen und nebenher musik läuft. wenn die musik aussetzt verharrt man so lange in der position, bis die musik wieder einsetzt. genau dieses spiel wird gespielt und die teilnehmerInnen werden aufgefordert zu beobachten, was sie denken und wahrnehmen, während sie in ihrer position verharren. es gibt mehrere durchgänge des spiels und es können notizen zwischendurch gemacht werden. außerdem wird es momente geben, in denen lang in einer position zu verharren ist.

wenn das spiel beendet ist, werden alle aufgefordert, einen kurzen text von einer halben seite zum verharren zu schreiben. dann sollen sich die teilnehmerInnen vorstellen, sie seien vollständig gelähmt an ein bett gefesselt, sie könnten noch nicht einmal sprechen. dazu ist ein cluster zu erstellen und anschließend eine geschichte zu schreiben. diese kann länger werden, doch dabei sollten die eigenen erfahrungen mit dem spiel berücksichtigt werden.

und nun ist ein auslöser zu betrachten. es sollen paralysierende geschichten geschrieben werden. Weiterlesen

kreatives schreiben und entspannungsmethoden

wie entstehen ideen? wie entstehen schreibideen? schwer zu sagen, wahrscheinlich eine mischung aus assoziationen, zufällen, beobachtungen und erlebnissen, dann noch träume, neuronale verschaltungen und dergleichen mehr. die „produktion“ von schreibideen lässt sich durch formen der entspannung zusätzlich anregen.

entweder werden diese entspannungsübungen in die anleitung einer schreibgruppe eingebaut oder man selber hat sich eine entspannungsmethode angeeignet und setzt sie ein. dies kann in verschiedenen formen geschehen. zum einen setzt man die entspannung ein, um die gedanken im anschluss frei fließen zu lassen ohne zu viele gedanken an geschehnisse aus dem alltag zu verschwenden. oder man setzt die entspannung ein, um seine gedanken auf einen aspekt zu fokussieren.

so wie beim freewriting oder beim fokussierten freewriting der versuch unternommen wird, die assoziationen und gedanken nicht zu unterbrechen, sie nicht zu sehr zu lenken, sondern einen fluss beim schreiben entstehen zu lassen, so ähnlich kann man entspannungsübungen zur unterstützung einschalten. da bietet zum beispiel das autogene training oder auch tai-chi unterstützung, den kopf frei zu bekommen. ebenso wie sport diesen effekt haben kann. aber auch yoga, teilweise dem sport recht nahe ist ein solches mittel.

oder man fokussiert seine gedanken verstärkt auf eine sache. dies kommt dann der meditation nahe. hierfür gibt es viele varianten, sich in einen meditativen zustand zu versetzen. bei allen methoden ist nicht damit zu rechnen, dass sie bessere, geniale texte hervorrufen. sie dienen einzig dazu, neue ideen zu haben, von einer anderen richtung auf die entstehung eines textes zuzusteuern. sollte also einmal das gefühl vorherrschen, dass einem nichts einfalle, lege man eine kurze entspannung dazwischen, und es wird einem schon etwas einfallen. außerdem kann man im entspannten zustand den weg ins schreiben erleichtern.

schreibspiel (06) – wortspiele (01)

das wort, die grundlage von sätzen und geschichten, soll im mittelpunkt der schreibspiele stehen. dabei wird die bildung von anagrammen für ein spiel verwendet. anagramm bedeutet, ein wort zu nehmen, wie zum beispiel „butterbrotpapier“ und daraus neue wörter zu bilden. dabei können viele verschiedene spielvariationen angwandt werden.

  • einfachste variante ist es, möglichst viele verschiedene wörter zu bilden, also ein offenes anagramm zu bilden. das bedeutet, es können wörter mit drei, vier, fünf, usw. buchstaben aus „butterbrotpapier“ gebildet werden. nach einer vorgegebenen zeit wird gezählt, wer wieviele wörter gefunden hat.
  • es kann aber auch die variante gespielt werden, wer als erstes ein geschlossenes anagramm bilden kann. das bedeutet, wer als erstes aus exakt den vorhandenen buchstaben wieder ein neues wort bilden kann. dazu sollten aber die spielleiterInnen schon im vorfeld geklärt haben, ob ein geschlossenes anagramm überhaupt gebildet werden kann. diese variante kann erweitert werden, dass auch sätze gebildet werden dürfen.
  • außerdem kann festgelegt werden, dass spielregel ist, wer die meisten wörter mit fünf buchstaben in einer vorgegebenen zeit findet. oder die wörter mit vier buchstaben, die mit sechs buchstaben und so weiter.
  • oder man macht es zur aufgabe, dass aus „butterbrotpapier“ in einer festgelegten zeit viele wörter gebildet werden, aus denen dann ein satz geschrieben werden soll. wer den längsten oder aussagekräftigsten satz zustande bekommt, hätte in diesem moment gewonnen.
  • als weitere variante wäre vorstellbar wieder in einer vorgegebenen zeit, möglichst viele wörter zu bilden, die direkt im anschluss dafür verwendet werden müssen, eine geschichte zu schreiben. anschließend werden die geschichten vorgelesen und darüber von der gruppe abgestimmt, welches die beste ist. fortsetzung folgt…

wortklauberei (38)

„sei welt
  sei meister
  sei berlin“

juhuuu, ein wortspiel. und was für eines flimmert einem nach getaner arbeit auf den bildschirmen in der u-bahn entgegen. „sei begeistert“ möchte man rufen, auch wenn viele die aussage überhaupt nicht verstehen werden. aber sport wird seit eh und je der raum gegeben, den er nicht verdient hat. so auch in der werbung für die stadt berlin. immerhin soll der obige spruch ja nicht die berliner besänftigen, dass im august wahrscheinlich wieder das verkehrschaos über sie hereinbrechen wird, sondern die touristen davon überzeugen, dass sie nach berlin kommen.

doch weshalb ist dann berlin welt? bezieht sich das auf die multikulturalität der stadt? bezieht es sich auf anstehende meisterprüfungen in den verschiedenen handwerksberufen? und was bedeutet es „berlin zu sein“? eigentlich müsste der spruch „sei welt, sei meister, sei berlin“ noch erweitert werden um „sei leicht“ und vor allen dingen um „sei athlet“, erst dann erschließt sich, was der kleine spruch uns sagen wollen können dürfte.

man kann alles auch anders verstehen: „weltmeister berlin“, aber worin? bis jetzt in nichts, ist es doch eine aufforderung, die dort ausgestrahlt wird. also bemühen wir uns berlin zu sein, meister zu werden und irgendwie größenwahnsinnig welt zu sein. nur weil man hier so eine schrubbelige tourismusbörse und einen karneval der kulturen hat, kann man doch nicht der meinung sein, gleich die ganze welt zu sein. und auch wenn ein amerikanischer präsident einmal gerufen hat „ich bin ein berliner“, bedeutet dies noch lange nicht, dass alle präsidenten der welt so etwas rufen würden. also doch der berliner größenwahn in reinkultur als auffordernder spruch.

biografisches schreiben und tägliche rituale

der mensch sei ein gewohnheitstier ist eine behauptung, die nur so lange aufrecht zu erhalten ist, so lange er an arbeitszeiten und öffnungszeiten gebunden ist. einzig unveränderlich scheint vielen der schlafrhythmus. haben sie einmal ihren rhythmus gefunden, sollte er nicht zu oft verändert werden. und so stattet der mensch oft seinen tagesablauf mit ständig wiederkehrenden ritualen aus. diese behalten viele menschen auch nach ihrem arbeitsleben aufrecht, da sie dem tag eine struktur geben

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sollte ein blick auf den tagesablauf geworfen werden. denn so ein ablauf sagt viel zu den möglichkeiten im laufe des lebens aus. bietet das eigene leben zeit für muße? wie oft ermöglicht der eigene tagesablauf soziale kontakte zu anderen? sind diese sozialen kontakte überhaupt erwünscht oder hat man lieber seine ruhe? und wie wird die ruhe gestaltet? um dies alles zu erfassen, kann eine ganz schlichte übung durchgeführt werden. man notiert für jede halbe stunde eines tages, was man meist zu dieser zeit macht oder machte.

dann kann man zum beispiel notieren, ob zeiten für das essen sich täglich wiederholen, wieweit ein blick in bücher, tageszeitungen oder andere medien möglich sind, wann man zum schreiben kommt. der blick auf den eigenen tagesablauf kann dann noch unter einem anderen aspekt betrachtet werden: was hätte man denn gern geändert? wie sollte der ideale tagesablauf aussehen? und vor allen dingen, auf welche rituale möchte man auf keinen fall verzichten?

je mehr man ins detail geht, umso leichter lassen sich die eigenen rituale aufspüren. muss zum beispiel erst der hund rausgelassen werden, bevor man sich zum mittagessen setzt. und interessant scheint die frage, wie wichtig einem überhaupt struktur im leben ist? möchte man einen festen tagesablauf haben? wie würde es sich für einen anfühlen, wenn alles flexibler gehandhabt würde? wäre dies eine bedrohung oder eine befreiung? viele weitere aspekte können sich aus einem notierten tagesablauf ergeben.

web 2.0 und auswirkungen

das internet in seiner heutigen form, aber auch die vergangene entwicklung, regt immer wieder zu diskussionen an. hier schon öfter thematisiert, geht es vor allen dingen um die bedrohlichen aspekte einer informations- und kommunikationsfreiheit, die sowohl berufsgruppen und medien unter druck setzt als auch soziologische, pädagogische und psychologische effekte hat. in der letzten zeit sind zwei veröffentlichungen erschienen, die sich mit den effekten des internet auseinandersetzen.

zum einen geht es um die entwicklung des journalismus und der tageszeitungen in den nächsten jahren. wie verändert das internet die medienlandschaft? dazu äußerte sich letzten freitag das magazin der süddeutschen zeitung, indem es betrachtungen von a bis z anstellte. in der folge kann an verschiedenen orten im web über die veröffentlichten thesen diskutiert werden. zu finden sind alle weiteren informationen unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/liste/h/200919  .

zum anderen geht es um den umgang von kindern und jugendlichen mit dem web 2.0 unter sexualpädagogischen aspekten. jeder mensch der aufklärungsveranstaltungen in schulen macht, kann erleben, was kinder und jugendliche schon alles an sexualitäten und pornografie kennen, da sie es im internet gesehen haben. dagegen gehen ihre eltern meist davon aus, dass ihre kinder sich diese informationen noch nicht besorgt haben. hier sind die sexualpädagogik oder das elternhaus gefragt, um einen selbstbewussten umgang mit den neuen medien zu fördern. die bundeszentrale für gesundheitliche auklärung (bzga) hat gerade einen fachreader zu diesem thema veröffentlicht. er ist hier zu finden: http://forum.sexualaufklaerung.de/AktuelleAusgabeForum.php?mid=4 .

beide veröffentlichungen können einen diskurs anregen, der längst schon notwendig ist und neben dem internethype bis heute nur sehr ideologisch geführt wird.

schreibidee (121)

diese schreibanregung kann sowohl für kreatives als auch für biografisches schreiben verwendet werden. als vorlage dienen die bäume mit ihren jahresringen. wenn man einen stamm zersägt treten eng aneinander gereihte ringe auf. aus ihnen soll eine „jahresring-geschichte“ geschrieben werden.

einstieg in die schreibanregung ist ein blatt, auf das mindestens 10 aneinandergereihte ringe aufgezeichnet sind. in der mitte ist der „start“. hier kann ein stichwort oder ein satz eingetragen werden, die den teilnehmerInnen gerade einfallen. von dort aus wird in jeden ring nach außen immer ein weiterführender satz oder gedanke eingetragen. nun wird noch einmal solch ein blatt ausgeteilt. und dieses mal beginnt man mit einer satz oder gedanken am äußersten ring. und es wird nach innen zurückgedacht und geschrieben, bis in der mitte ein stichwort oder ein satz steht.

einen der beiden zettel nehmen anschließend die teilnehmerInnen der schreibgruppe als grundlage für eine geschichte. sie können nach gefühl wählen. sie können auch wählen, ob sie ihre geschichte „von innen nach außen“ oder von „außen nach innen“ erzählen wollen. aber sie sollten die reihenfolge der ringe beibehalten. und nun werden die geschichten gegenseitig vorgetragen und ein feedback gegeben. sollte noch weitere zeit zur verfügung stehen, Weiterlesen

nabelschau (15)

„sie wissen doch gar nicht, was ich von ihnen möchte“. vor einiger zeit wurde uns versprochen, dass es sie nicht mehr gibt, die komischen werbenden telefonanrufe, diesen verbalen spam, der einen immer wieder erreicht. es sollten gesetze gemacht werden, die sowohl den adressen- und datenhandel unterbinden, als auch die die verwendung sanktionieren sollten. doch weit gefehlt, es gibt sie immer noch.

da meldet sich einen institution, eine versicherung, ein meinungsforschungsinstitut oder ein strom- oder telefonkonzern und stellt sich zumindest vor. wenn man dann den kurzen, knappen satz sagt: „kein interesse“, wird dies nicht akzeptiert. dann wird meist die aussage „aber sie wissen doch gar nicht, weshalb ich sie anrufe“ nachgeschoben. in diesem moment steht man am scheideweg. früher konnte ich mich immer noch zu der freundlichkeit herablassen zu sagen: „ich ahne es. sie wollen mir etwas verkaufen.“ das war ein fehler, denn dann ergab sich meist ein empörtes „nein“.

denn die anrufer wollten nur etwas fragen. sie wollten fragen, bei welchem anbieter man sich denn befindet. sie wollten wissen, inwieweit man zufrieden mit dem aktuellen zustand sei, denn sie könnten ein viel besseres angebot machen. und schon waren sie dabei etwas verkaufen zu wollen. doch aus fehlern lernt man, also fing ich an zu sagen: „ich weiß, dass sie mir etwas verkaufen wollen. ich möchte aber nichts.“ daraufhin kam wieder das obligatorische „nein“, ich sagte nur noch „doch“ und legte auf.

jedoch auch diese form geht eigentlich noch zu weit. ich darf die kommunikation dann unterbinden, wenn ich lustig bin, denn ich bin der angerufene. so hat es den anderen zu genügen, wenn ich „kein interesse“ sage. jeder nachgeschobene satz ist eine aufdringlichkeit, die einstudiert ist und grenzen überschreitet. man könnte sich noch der diskussion hingeben „was haben sie an meinem nein eigentlich nicht verstanden?“. aber sinnvoller scheint es einfach, dass der verbale spam einfach verboten wird.

kreatives schreiben und unausweichlichkeit

je mehr literatur zu den schreibanlässen und zum schreibverhalten von schriftstellerInnen auftaucht, um so häufiger lässt sich feststellen, dass es im leben der menschen einen moment gibt, in dem sie gar nicht mehr anders können. das kreative schreiben kann in diesem zusammenhang für manche ein einstieg sein.

wichtig scheint, dass sich solch ein bedürfnis nicht planen lässt. eher das gegenteil ist der fall. manche menschen träumen davon einmal ein großer schriftsteller, eine große schriftstellerin werden zu wollen. doch sie stellen fest, dass sie nach vielen anstrengungen und bemühungen, büchern und schreibgruppen, den nächsten schritt zur bekanntheit nicht schaffen. und dann gibt es die anderen, die schon immer mal ganz gern geschrieben haben, aber selten ambitionen hatten, anderen ihre texte zu unterbreiten. sie haben für sich geschrieben, da es wieder und wieder ein inneres bedürfnis war.

irgendwann platzt der knoten. irgendwann sitzen sie an einem text, an gedichten oder an romanen und können nicht anders. viele freie minuten werden dann schreibend verbracht. sie empfinden das schreiben in diesem moment nicht als arbeit, sondern als befriedigung. es zieht sie mit, es gibt ihnen das, was sie schon lang für sich gesucht haben, aber nicht benennen konnten.

und das kreative schreiben kann solch ein auslöser sein, der den knoten platzen lässt. Weiterlesen

web 2.40 – entrepreneurship.de

parallel zu dem eben beschriebenen buch „kopf schlägt kapital“ gibt es die homepage der arbeitsgruppe um professor faltin an der freien universität in berlin. sie ist zu finden unter http://www.entrepreneurship.de . wenn man die seite aufruft, finden sich viele zusätzliche informationen zu den themen „gründung“ und „geschäftsideen“.

besonders interessant scheinen die vielen aufgezeichneten und abrufbaren vorträge und diskussionen mit menschen, die sich mit möglichkeiten der gründung eigener unternehmen auseinandergesetzt haben. sie sind vor allen dingen im blog zu finden. außerdem besteht das angebot, sich in einem „labor“ real über gründerideen zu informieren und beraten zu lassen. diese teilnahme benötigt eine vorherige anmeldung und die unterzeichnung einer verschwiegenheitserklärung. aber wer mit einer ausgereiften gründungsidee aufwarten kann, der kann sie dort anscheinend im laufe der zeit vorstellen.

außerdem sind auf der seite weiterführende texte zu finden, beispielhafte unternehmen und etliche links, die weiterhelfen können. zudem findet sich ein kleiner online-workshop, in dem professor faltin fragen zu seiner theorie der unternehmensgründung und zur praktischen umsetzung beantwortet. wer sich also überlegt, sich selbstständig zu machen, sollte einmal einen blick auf diese homepage werfen. hier findet man internet in seiner besten form des wissenstransfers, auch wenn die seite in der navigation ein wenig unübersichtlich ist.

„kopf schlägt kapital“ von günter faltin – ein buchtipp

wie lassen sich kreativität und die gründung eines unternehmens verbinden? laut günter faltin gehören sie generell zusammen. er ist professor an der fu berlin und setzt sich in diesem zusammenhang mit „entrepreneurship“ auseinenander. der begriff „entrepreneurship“ ist nicht ins deutsche übersetzbar, „unternehmensgründung“ wird ihm nicht gerecht. er wird jedoch in dem buch „kopf schlägt kapital – die ganz andere art, ein unternehmen zu gründen – von der lust ein entrepreneur zu sein“ ausführlich umschrieben.

das spannende an dem buch ist es, dass es in sich sehr logisch klingt. faltin vertritt die auffassung, dass es zur gründung eines betriebs nicht immense kredite und einen umfassenden businessplan braucht, sondern vor allen dingen eine „ausgereifte“ idee. er propagiert, dass man lieber viel zeit für die entwicklung einer guten idee verwenden sollte, anstatt bestehendes zu wiederholen und mit viel marketing auf den markt zu brettern.

deshalb vergleicht faltin gründerInnen eher mit künstlerInnen denn mit betriebswirtschaftlich orientierten managern. das bedeutet nicht, dass er betriebswirtschaftlichen gedanken widerspricht, er versucht nur, die betriebwirtschaft wieder etwas mehr in den hintergrund zu drängen. dabei wird nicht an kritik der business-wettbewerbe gespart, die vom staat und den ländern gefördert werden. dabei entwirft faltin ein gegenkonzept, das er selbst bei der „teekampagne“, dem inzwischen größten händler für darjeeling-tee, umgesetzt hat.

das buch bietet viele ideen, wie man an eine eigene selbstständigkeit in den verschiedensten bereichen herangehen kann. es gibt impulse und fordert zur kreativität auf. es entwickelt ein modulsystem, dass gründerInnen entlastet und anscheinend den arbeitsaufwand reduziert. eine spannende lektüre, auch für kreative berufe, wenn sie nicht ausschließlich dienstleister werden wollen.
das buch ist 2008 im carl hanser verlag in münchen erschienen. ISBN 978-3-446-41564-5

selbstbefragung (14) – harmonie

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „harmonie„.

  • wann hatten sie ihren letzten großen streit? warum?
  • können sie sich nach einem streit wieder versöhnen?
  • gehört zur versöhnung in ihrer partnerschaft, wenn sie in einer leben, immer sex und erotik? warum oder warum nicht?
  • was ist für sie harmonie? notieren sie stichworte?
  • sind sie harmoniesüchtig? was kann, auch wenn sie es nicht sind, süchtig daran machen?
  • versuchen sie, von vielen menschen gemocht zu werden? warum?
  • was tun sie dafür, damit harmonie entsteht?
  • welche farben harmonieren für sie am besten und wo finden sie diese farbkombination?
  • welcher mensch in ihrem leben harmoniert oder harmonierte mit ihnen am besten? nennen sie gründe.
  • können sie mit dishamonien in kunst und leben etwas anfangen? warum?

schreibidee (120)

kreative geschichten können in vielfältigen kombinationen, was die anzahl der protagonisten angeht, entstehen. doch dieses mal wird die zahl der handelnden oder auftauchenden personen vorgegeben. das ist den teilnehmerInnen am anfang der schreibgruppe aber nicht bekannt. denn in der folge sollen „personengeschichten“ werden.

eingestiegen wird mit der aufforderung, doch einmal drei sehr verschiedene protagonisten für eigene geschichten zu entwerfen. die personen sollen auf jeweils ungefähr einer seite beschrieben werden. dazu zählen natürlich alter, beruf aber auch eigenheiten der personen. für diese anregung wird genug zeit zur verfügung gestellt. nun werden die personen nicht den anderen teilnehmerInnen vorgestellt. nur ein teilnehmer wird ausgewählt, um eine seiner personen vorzustellen.

die eine person wird zum schreibanlass für alle genommen, eine geschichte zu dieser person zu beginnen. nachdem fünf minuten geschrieben sind, wird eine weiterer teilnehmer aufgefordert, einen protagonisten vorzustellen. jetzt sind alle schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, diese person in ihre geschichte mit aufzunehmen und einfließen zu lassen. wie dies geschieht, ist allen freigestellt. es wird weitergeschrieben. nach weiteren fünf minuten wird wieder eine person vorgestellt. auch diese person ist zu integrieren. und so kann es länger weitergehen, je nachdem wieviel zeit zur verfügung steht.

wenn die personengeschichte abgeschlossen ist, werden alle teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgefordert in fünf minuten freewriting über die erfahrung mit dieser schreibanregung zu reflektieren. im anschluss werden sowohl die entstandenen geschichten als auch die selbstreflexion vorgelesen. mit großer wahrscheinlichkeit wird es in der reflexion eine rolle spielen, wie oft sich die eigene geschichte durch das beständige hinzufügen neuer protagonistInnen gewandelt hat.

wortklauberei (37)

„bad bank“

es gibt zur zeit eine menge banken, die auf miesen krediten, wertlosen spekulationen und einer menge schulden sitzen. geschickt wie der finanzjongleur ist, sind deshalb pläne entstanden, die eine so genannte „bad bank“ initiieren wollen, in der all die negativen werte versammelt werden. dadurch soll der rest der bank gut dastehen und eine rettung möglich sein.

mehr milchmädchenrechnung ist kaum möglich oder besser formuliert, mehr kann man nicht faken. hier tritt zutage, dass die ganze finanzspekulation ein einziges ideengebäude ist, das auf wenig basiert. denn wenn man alles negative hin- und herschieben kann und dies anscheinend zu einer verbesserung des restes führt, dann scheint wert beliebig und somit auch die wertschöpfung.

aber beim ersten hören von dieser überlegung und den folgenden planungen, können einem viele ideen in den sinn kommen. wie wäre es mit einem „bad konto“. dies können alles kontoinhaber einrichten, die ihren dispo vollständig ausgeschöpft haben und denen eine sperrung ihres kontos droht. so wäre es möglich von heute auf morgen wieder auf plus-minus null zu kommen. damit lebt es sich doch gleich viel angenehmer. oder auch die vollständige löschung bei der schufa könnte so ein schritt sein. es wird eine „bad schufa“ gegründet, die all die offenbarungseide und kreditunwürdigkeiten versammelt. so steht die bevölkerung bei der schufa plötzlich wieder gut da und das spiel mit den leichtfertigen krediten kann von vorne beginnen.

ein wenig erinnert dies an „monopoly“ spielen, wo der erfolg immer davon abhängig war, wie großzügig der mitspieler, der die bank inne hatte war. so konnte bei manchen ein kredit nach dem anderen aufgenommen werden. wenn genug mitspieler verschuldet waren, annullierte man diese. das spiel konnte weitergehen. leider gab es aber auch die ereigniskarte „gehe ins gefängnis, begib dich direkt dort hin. gehe nicht über „los“, zieh keine 4000 mark ein.“ nun, auch das könnte für manche abläufe eine alternative sein.

11te lange buchnacht in der oranienstrasse

die vielen bücher, die geschrieben sind, wollen auch gelesen werden. da aber alle menschen unter der modeerscheinung „stress“ leiden, sich zwar immer mehr bücher kaufen, diese aber nicht unbedingt lesen, haben findige leute das vorlesen wieder entdeckt. so boomt der hörbuchverkauf, der es ermöglicht neben anderen tätigkeiten ganze epen zu konsumieren.

und für die, die erst kurz vor dem einschlafen nachts zum buch greifen, gerade mal zwei seiten schaffen um dann wegzuschlummern, bietet kreuzberg eine alternative. doch achtung, dazu ist das haus zu verlassen. am nächsten samstag, den 16ten mai findet eine buchnacht in der oranienstrasse statt. hier sind zwei fliegen mit einer klappe zu schlagen. nicht selber lesen zu müssen und texte kurz vor dem einschlafen goutieren zu können.

mehr informationen zum programm sind unter folgender adresse zu finden: http://www.lange-buchnacht.de .

web 2.0 und wirkung

man möchte es ja immer nicht so richtig glauben, aber das web 2.0 erleichtert den zugang zu informationen in enormer geschwindigkeit. es ist festzustellen, dass die suchmaschinen in der auswahl immer treffender werden. und dies wiederum hat mit kategorien, tags und blogs zu tun. es benötigt maximal ein paar tage, bis bei konkreten fragen, die einträge gefunden werden.

das verändert die informationskultur weiter. denn kommunikationswege verkürzen sich noch mehr. sowohl in diesem blog kann ich das feststellen als auch in einem blog an meiner arbeitsstelle. so kann die information direkt auf die zielgruppe zugeschnitten werden. das war zwar teilweise auch bei den klassischen html-homepages auch möglich, doch schwer für einzelne kurze posts und nachrichten. einzig eines ist notwendig, um in kurzer zeit erfolg in den notwendigen bereichen zu haben. man sollte nicht zu sparsam mit tags und kategorien umgehen. je treffender die jeweiligen stichworte platziert werden, um so treffender sind die suchergebnisse.

das fängt bei buchtipps und veranstaltungen an und geht bis zu „schreibideen“ oder kommentaren. sicherlich muss auch im laufe der zeit nachgeliefert werden, doch gleichzeitig werden erstaunlicherweise ein jahr alte einträge, die aber vom thema her viele interessieren, weiterhin leicht und schnell gefunden. hier im blog zeigt sich dies zum beispiel an dem post „lange texte vs. kurze texte“. anscheinend stellen sich viele menschen die frage nach der länge zu schreibender texte und landen bei der suche immer wieder hier.

dies sagt zwar nichts darüber aus, ob das geschriebene auch als hilfreich empfunden wird, dies kann wiederum nur durch die kommentarfunktion mitgeteilt werden, aber gefunden wird der text. natürlich kann man jetzt kleine nichtssagende artikel mit tags zuballern und dadurch hoffen, dass viele auf dem eigenen blog landen. doch sie werden nicht zurückkehren, wenn die information für sie nicht brauchbar scheint. also bringt reine strategie nichts, es sollte auch etwas mitgeteilt werden. aber die wirkung des web 2.0 bleibt eine erstaunliche.