Tagesarchiv: 4. Juni 2009

web 2.40 – schadstoffregister des umweltbundesamtes

vor 25 jahren träumte man in der ökobewegung davon, dass man endlich einmal erfahre, was die großen betriebe alles so in die luft, ins wasser und in den boden entlassen. es war schwer, an brauchbare daten zu kommen. man konnte zum beispiel nur sehen, dass ein kleiner fluss, wenn er an der papierfabrik vorbeigeflossen war, jeden wochentag eine andere farbe erhielt und sich schlagartig eintrübte. die behörden sahen dies als ein notwendiges übel wirtschaftlichen erfolgs. oder man fuhr an leuna vorbei und konnte aus den schornsteinen aufsteigenden qualm in den knalligsten farben beobachten.

inzwischen werden schadstoffproduktion und verbringung gemeldet und registriert. sicherlich nicht alles, aber wer es nicht tut, kriegt probleme, sehr viel mehr als früher. das vom umweltbundesamt geführte schadstoffregister steht nun allen bürgern im internet zur verfügung. dies ist nicht unbedingt eine konsequenz deutscher politik, wohl aber eine konsequenz europäischer. und immerhin ist das umweltbundesamt die erste europäische behörde, die der entscheidung folgt.

ein schöner erfolg, auch wenn er über 25 jahre gedauert hat. und natürlich sollte ein gewisses misstrauen gegenüber gemachten oder auch nicht gemachten angaben, nicht aufgegeben werden. nur dieses misstrauen führte im laufe der jahre dazu, dass überhaupt umweltschutz nicht mehr ignoriert werden kann und dass die ökonomischen folgen einer verschmutzten umwelt inzwischen in viele rechnungen eingehen.

zu finden ist das register unter http://www.prtr.bund.de . es kann nach ortsname, postleitzahl oder in einer deutschlandkarte gesucht werden. eine einfach zu bedienende oberfläche macht die wahl recht leicht und gibt vielfältige informationen. das freut den öko.

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nabelschau (16)

der aufdringliche nachbar. der alltag ist voller kleiner begebenheiten, die von großer schlagfertigkeit und seltsamen verhaltensweisen zeugen. und manches mal könnte man vor lachen auf dem boden liegen.

neulich beim discounter bei dem versuch einen einkaufswagen aus der kette zu lösen, wurde überschwenglich eine frau, bepackt mit einkaufstaschen, von ihrem nachbarn begrüsst, wie dem lauten gespräch zu entnehmen war. er wollte smalltalk führen, sie wollte schnell weg. doch es fiel ihr schwer die flucht zu ergreifen und so redete er sie fest, während diverse kunden versuchten, an ihnen vorbei an einen einkaufswagen zu kommen.

endlich im geschäft, diverses aus den regalen genommen, kam es zu einem zweiten gespräch des vormaligen nachbarn. er traf eine weitere nachbarin, mutter mit kleinem sohn, nicht älter als sechs jahre. auch hier wieder der versuch des mannes, einen smalltalk zu beginnen. wie das erwachsene so tun, erkundigte er sich erst nach dem werten befinden. dann kam die überflüssige frage, da allein die anwesenheit im discounter schon die antwort gab: „so, sind sie einkaufen mit ihrem sohn?“.

als keine ausführliche reaktion zustande kam, der nächste versuch, mehr ins gespräch zu kommen. „hat er denn schon eine freundin?“ auch eine frage, die erwachsenen gern über die lippen kommen. die mutter, sichtich genervt: „den interessieren keine mädchen. der steht nur auf jungs.“. eine pause entstand und mit unsicherer stimme meinte der mann nur noch „aha!“ und damit war das gespräch beendet. diese episode verdiente das label „antworten die entwaffnen können!“ und meinereiner schob schnell seinen einkaufswagen weiter kurz vor dem platzen vor innerlichem lachkrampf. ein wenig in den discounter gehen und der tag bekommt schon ein freundliches gesicht.

schreibidee (127)

trotz finanzkrise wird weiterhin gern eingekauft. ob nun ganze autokonzerne, immobilienfirmen oder alltägliches und notwendiges. vieles davon schafft sich der mensch auf pump an, doch die deutschen haben auch eine ganze menge auf der hohen kante. und so sammeln sich schnell eine menge kassenbons oder kreditkartenabrechnungen an. diese sind die grundlage für die schreibanregung zu „kassenbon-geschichten„.

dazu werden entweder die teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgefordert zum nächsten treffen kassenbons mitzubringen oder die leiterInnen bringen selber welche aus dem eigenen fundus mit. diese bons werden verlost. das schöne an heutigen kassenbons ist es, dass sie sehr genau aufführen, was gekauft wurde. verwendbar sind bons vom discounter, aus dem buchladen, dem schwedischen möbelhaus, dem kaufhaus oder dem heimwerkermarkt.

um die produkte soll nun eine geschichte gestrickt werden. hierzu kann im vorfeld entweder ein cluster erstellt werden oder andere assoziationstechniken werden verwendet. die teilnehmerInnen können sich ein produkt auswählen oder versuchen alle produkte in einer geschichte unterzubringen. es kann die lebensgeschichte der produkte grundlage sein, der name des produkts eine rolle spielen, eine familie beim einkauf beobachtet werden oder zum beispiel die dramatische geschichte um die 600 gramm champignons beim date mit dem geliebten beschrieben werden. danach werden die kassenbons und die geschichte vorgelesen.

im anschluss daran kann noch über das leben an kassen eine geschichte geschrieben werden. der klassiker, das kind, das unbedingt noch süssigkeiten möchte. oder es geht um den effekt, dass immer die schlange an der kasse am längsten braucht, an die man sich anstellt. ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass das bezahlen mit kreditkarten immer viel länger braucht, als das zahlen mit bargeld? was denken kassiererInnen über ihre kunden? was haben die menschen im einkaufswagen? was ist mit der rentnerin, die sich täglich ihre drei piccolöchen kauft? diese geschichten werden auch gegenseitig vorgelesen.