Tagesarchiv: 6. Juni 2009

kreatives schreiben und comics

comics oder cartoons sind kleine bildergeschichten mit möglichst wenig text. die bilder sind meist gezeichnet oder gemalt und transportieren ausschnitthaft eine geschichte. sie leben von schlagfertigen sehr kurzen dialogen und überzeichneten charakteren. dabei kann es sich um superhelden, witzfiguren, tiere oder sprechende gegenstände handeln.

die bildergeschichten können als anregung für eigene geschichten und schreibübungen verwendet werden. so kann man sich einen comic vornehmen und versuchen, die handlung in eine kurzgeschichte oder erzählung zu verwandeln. ebenso kann man sich einen eigenen superhelden ausdenken, der besondere fähigkeiten besitzt und eine geschichte über ihn oder sie schreiben. man kann sich zudem die lebensgeschichte des helden ausdenken, denn es sollte eine begründung geben, sei sie noch so abstrus, woher denn die superkräfte kommen.

aber auch einzelne bilder eines comics können für einen ausführliche bildbeschreibung herangezogen werden. zum beispiel das übliche abschluss-wildschwein-essen bei asterix und obelix. man kann eine geschichte aus einem comic weiterführen, vielleicht auch nur den dialog dazu verfassen. man kann die comicsprache in prosatexte aufnehmen (krrraaawummmm), selbst cartoons können die grundlage für absurde geschichten werden.

oder es wird der spieß umgedreht und eine eigene kurzgeschichte, ein eigener text wird in einen comic verwandelt, in einen cartoon. so versuche man einmal, die schräge alltagsbegebenheit, die man in den letzten tagen erlebte, in eine abfolge von gezeichneten bildern zu bringen. diese bilder müssen erst einmal nicht toll gezeichnet sein, mancher cartoonist arbeitet mit strichmännchen oder collagetechniken. suchen sie zum beispiel werbefotos oder tierfotografien und legen sie den figuren worte in den mund.

es gibt sehr viele möglichkeiten die techniken der comics und cartoons für das eigene kreative schreiben zu verwenden. die daraus entstehenden schreibanregungen lassen sich auch in schreibgruppen anwenden. und sie können durch die kurzen knappen texte eventuell jugendliche leichter für das schreiben begeistern. das erfinden eines eigenen comics und superhelden ist ein lockerer einstieg ins kreative schreiben.

was zwei sich küssende männer heute noch auslösen können – irgendwie eine nabelschau

eigentlich freut es einen kleinen blogger, wenn er mit dem magazin der süddeutschen zeitung verlinkt wird. wäre der anlass nicht so traurig. das sz-magazin brachte vor zwei wochen in seiner geschichte das erste mal ein titelbild mit zwei sich küssenden älteren männern. im heft gab es ein interview mit den beiden seit 40 jahren zusammenlebenden schwulen. anscheinend waren die reaktionen von teilen der leserschaft so intolerant, dass das magazin manche dieser äußerungen auf seiner homepage zitiert und im gleichen atemzug positive reaktionen veröffentlicht, darunter auch diesen blog.

auch wenn es nur ein paar zitierte intolerante reaktionen sind, sie zeigen, wie es auch heute noch vielen homosexuellen und vor allen dingen schwulen geht. mal wieder diese aussage, es sei „eklig“ zwei männer zu sehen, die sich küssen. psychologisch betrachtet hat „ekel“ viel mit angst zu tun, nur wovor? davor, dass sich zwei menschen lieben? sehen wir lieber bilder, wie sich zwei menschen gegenseitig umbringen, übrigens auch oft männer? erst einmal ist doch ein mensch ein mensch und nur ein mensch. und der eine ist nicht mehr oder weniger wert als der andere. ein leser bemerkt sogar noch (stolz?), dass dies seit 37 jahren sein erster leserbrief sei. was lösen nur zwei sich küssende männer für tiefgreifende reaktionen aus?

die andere, auch oft gehörte reaktion zum beispiel bei schulaufklärungsveranstaltungen, lautet: muss man das denn auch noch zeigen? es würden ja schon so viele homosexuelle gezeigt. ja, man muss es so lange zeigen bis es nichts besonderes mehr ist. denn homosexualität kommt in den besten familien vor, ist eine lebensäußerung von menschen und muss sich nicht verstecken (obwohl viele lesbische und schwulen paare dies auf der straße immer noch tun). darum ist es dem sz-magazin auch hoch anzurechnen, dass es dieses titelbild druckte. denn die reaktionen sind ähnlich, wie in den 80ern, als der film „die konsequenz“ ausgestrahlt wurde, oder als in den 90ern in der „lindenstraße“ der erste kuss zwischen zwei männern gezeigt wurde. man kann ganze bücher mit den empörten reaktionen füllen.

jetzt fehlt nur noch ein „homosexuellen“-heft, nachdem das magazin schon regelmäßig „männer“- und „frauen“-hefte veröffentlicht. doch eigentlich sind wir ja männer, also mal ein schwules männer-heft. die macher können sich sicher sein, ihre telefone werden nicht mehr stillstehen. und es werden sich hauptsächlich empörte männer melden.
zu finden sind die reaktionen zum sz-magazin hier: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29546 und das post in diesem blog ist hier: https://schreibschrift.wordpress.com/2009/05/23/biografisches-schreiben-und-diskriminierung-2/  .