Tagesarchiv: 24. Juni 2009

web 2.0 und benotungen

der bundesgerichtshof lässt benotungen der beruflichen leistungen von lehrerInnen zu. ähnliches wird ja gerade bei der bewertung von ärztInnen auf seiten der krankenkassen diskutiert, gegen die ich mich hier schon ausgesprochen habe. und doch scheint die benotung von lehrerInnen erst einmal berechtigt, sollte anders betrachtet werden.

denn es bildet sich in diesem zusammenhang eine gegenseitigkeit heraus, mit der nie jemand gerechnet hätte. erst das internet macht dies möglich. ein argument einer klagenden lehrerin ist, dass die benotungen ihre persönlichkeitsrechte verletze. dem ist nicht zu widersprechen. aber gleichzeitig muss gesagt werden, dass dies schülerInnen jeden tag passiert. durch die benotungen, die am ende der schullaufbahn sogar in zeugnisse gegossen werden subjektive urteile zum maßstab der zukunft gemacht.

so scheint es nur gerecht, dass lehrerInnen dieses verfahren einmal am eigenen leib spüren. denn die erziehungswissenschaften bemühen sich oft genug, die notengebung als objektive verfahren der bewertung der lernfortschritte zu verkaufen. das können sie aber nie sein. es fließen immer subjektive aspekte des lehrpersonals ein. selbst die mathematikklausur spiegelt in ihrer zusammenstellung die persönlichen vorstellungen vom notwendigen wissensniveau der lehrerInnen wider.

vielleicht regt dieses urteil dazu an, noten vollständig abzuschaffen. was ich aber nicht glaube. das vertrauen darauf maßstäbe finden zu können, die junge menschen vergleichbar machen, ist zu groß. dazu müsste aber der großteil der pädagogik und der ausbildungsmitarbeiter bereit sein ihre lernerfolgskontrollen vollständig zu hinterfragen, ja sogar das ausbildungssystem, wie es bei uns existiert. so lang dies nicht geschieht, scheint die benotung von lehrerInnen im web 2.0 eher als logische konsequenz einer verfahrenen bewertungsschlacht. zeigt sich dadurch doch auch, dass schülerInnen ebenso glauben, über ein notensystem die kompetenzen einer anderen person erfassen zu können.

schreibidee (133)

täglich sterben menschen auf der welt am hunger, soll heißen, sie haben über längere zeit nicht genug zu essen, um am leben zu bleiben. das nimmt die welt so hin. beim einkauf im discounter mit den übervollen regalen geht den wenigsten durch den kopf, dass andere vor keinem regal stehen, noch nicht einmal ein schälchen reis zum essen haben. deshalb widmet sich die schreibanregung dieses mal den krassen lebensumständen: es sollen „geschichten der armut“ geschrieben werden.

dazu wird zu beginn der schreibgruppe ein gedankenspiel durchgespielt. was würde man tun, wenn man den job und das regelmäßige einkommen verlieren würde? dazu wird kurz eine seite lang geschrieben. nun wird gedanklich ein schritt weiter gegangen: was würde man tun, wenn man keine wohnung mehr hätte? was würde man tun, wenn die infrastruktur des landes zusammenbricht und was würde man tun, wenn einem täglich wasser und nahrung fehlen? zu all diesen gedanken ist jeweils eine seite zu schreiben.

die vier einseitigen texte lesen sich die teilnehmerInnen der schreibgruppe noch einmal für sich in ruhe durch und sollten dann eine geschichte verfassen, die von menschen handelt, denen das grundsätzlichste zum leben fehlt. wie diese thematik in die geschichte einfließt, bleibt den teilnehmerInnen überlassen. anschließend werden die geschichten vorgelesen.

sollte noch zeit vorhanden sein, dann kann eine zweite geschichte verfasst werden, die lösungsansätze anbietet, um allen menschen das überleben zu sichern. es geht nicht darum politische lösungen zu formulieren (sie können aber in die geschichte einfließen), sondern darum eine kreative form für die thematik zu finden. die geschichten werden anschließend in der gruppe vorgelesen.