web 2.0 und benotungen

der bundesgerichtshof lässt benotungen der beruflichen leistungen von lehrerInnen zu. ähnliches wird ja gerade bei der bewertung von ärztInnen auf seiten der krankenkassen diskutiert, gegen die ich mich hier schon ausgesprochen habe. und doch scheint die benotung von lehrerInnen erst einmal berechtigt, sollte anders betrachtet werden.

denn es bildet sich in diesem zusammenhang eine gegenseitigkeit heraus, mit der nie jemand gerechnet hätte. erst das internet macht dies möglich. ein argument einer klagenden lehrerin ist, dass die benotungen ihre persönlichkeitsrechte verletze. dem ist nicht zu widersprechen. aber gleichzeitig muss gesagt werden, dass dies schülerInnen jeden tag passiert. durch die benotungen, die am ende der schullaufbahn sogar in zeugnisse gegossen werden subjektive urteile zum maßstab der zukunft gemacht.

so scheint es nur gerecht, dass lehrerInnen dieses verfahren einmal am eigenen leib spüren. denn die erziehungswissenschaften bemühen sich oft genug, die notengebung als objektive verfahren der bewertung der lernfortschritte zu verkaufen. das können sie aber nie sein. es fließen immer subjektive aspekte des lehrpersonals ein. selbst die mathematikklausur spiegelt in ihrer zusammenstellung die persönlichen vorstellungen vom notwendigen wissensniveau der lehrerInnen wider.

vielleicht regt dieses urteil dazu an, noten vollständig abzuschaffen. was ich aber nicht glaube. das vertrauen darauf maßstäbe finden zu können, die junge menschen vergleichbar machen, ist zu groß. dazu müsste aber der großteil der pädagogik und der ausbildungsmitarbeiter bereit sein ihre lernerfolgskontrollen vollständig zu hinterfragen, ja sogar das ausbildungssystem, wie es bei uns existiert. so lang dies nicht geschieht, scheint die benotung von lehrerInnen im web 2.0 eher als logische konsequenz einer verfahrenen bewertungsschlacht. zeigt sich dadurch doch auch, dass schülerInnen ebenso glauben, über ein notensystem die kompetenzen einer anderen person erfassen zu können.

Eine Antwort zu “web 2.0 und benotungen

  1. Die Lehrerbenotung mag in Ordnung sein, aber die Bewertungskategorien finde nichtssagend bis schlecht (Bsp. cool und witzig, KLassenklima usw.).
    Kritisch finde ich auch, wenn SchülerInnen über die Kategorie „Benotungen“ werten, obwohl sie keine Ahnung haben, wie sich die Benotung zusammensetzt. Selbst wenn ich als Lehrer bekannt gebe, wie die Benotung der Arbeit zu Stande kommt bzw. wie sie sich ergibt, verstehen die SchülerInnen noch nicht die tatsächliche Bewertung. Das ist ein Gebiet in dem LehrerInnen in ihrem Studium ausgebildet wurden. Sowas ist den SchülerInnen nicht immer erklärbar zu machen. Sie haben oftmals keine Einsicht, dass so allerhand in der Antwort stehen könnte und beißen sich an Worten fest, beginnen zu diskutieren, sind oftmals wenig einsichtig.
    Auch komisch finde ich, wenn ich über meine Unterrichtsmethodik beurteilt werde. Den SchülerInnen ist gar nicht klar, welche Methode welchen Nutzen hatte und – das ist ja nunmal guter Unterricht – wenn man Methoden anwendet, die Schülerinnen gar nicht bemerken und ihren Lernprozess als Eigenprozess erleben und nicht als pure Belehrung.
    Nur ein Beispiel bzgl. Bewertungskategorie:
    Vor Kurzem wurde ich von SchülerINnen hinsichtlich meiner verwendeten Medien beurteilt. Die Rückmeldung war 4,2. Es wurde behauptet, ich würde nicht mit Medien arbeiten. Dabei haben die SchülerInnen nicht erkannt, dass eine Kiste von 30 sortieren Büchern zur Thematik, Konstruktionsmaterial, Poster und Folien täglich von mir angeboten. Das sind alles Medien.

    Ich will es an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Ich stelle nur in Frage ob alle SchülerInnen die Bewertungen überhaupt umsetzen können bzw. den Transfer finden können.
    Meine Persönlichkeit fühle ich dabei nicht angegriffen oder zu sehr öffentlich. Ich kann die Bewertungen nur teilweise überhaupt nicht ernst nehmen. SchülerInnen die einen nicht ausstehen können geben durchweg die Note 5 – das würde ich von mir als Lehrkraft jedoch nicht behaupten, dass ich sowas den SchülerInnen gegenüber bringe. Die subjektive Bewertung schwingt immer mit, das ist klar, und auch der sogenannte Pygmalion-Effekt aber nicht in dem Übermass.

    Lehrerbenotung ja, aber dann doch mit professionelleren Fragen. Das müßte machbar sein.
    Für mich als Lehrkraft ist es eine teilweise interesssante und hilfreiche Rückmeldung aber auch nur zu ca. 50 % der Rückmeldungen.

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