Monatsarchiv: Juli 2009

schnickschnack (78)

wo wir dann schon einmal bei den außergewöhnlichen präsentationen von männern und ihren körpern, vor allen dingen ihrem besten stück sind, kann man auch gleich die nächste fotografieausstellung in berlin erwähnen. dabei handelt es sich um die arbeit eines künstlerpaares, das an keinem kitschigen accessoir für seine aufnahmen spart.

im „c/o berlin“ werden zur zeit die fotografien von „pierre et gilles“ ausgestellt. die bilder der beiden, sowohl von bekannten persönlichkeiten als auch von szenen kann man nicht anders, als mit „fluffig aufgepufft“ beschreiben. es handelt sich dabei um inszenierungen der perfekten art, die anscheinend einen unglaublichen vorlauf benötigen, um die atmosphäre einer kunstwelt zu schaffen.

dabei wird weder an farben, noch an dekoration oder ausleuchtung gespart. so entstehen pathetische, dramatische und erotische fotografien, die mancher als „kitsch“ bezeichnen könnte. doch sie sind schon so überzeichnet, dass man eher von fotografischen gemälden, denn von dokumentierenden fotografien sprechen sollte. auch diese ausstellung bietet viel stoff, um die eigene fantasie für das eigene schreiben anregen zu lassen. mehr informationen finden sich hier: http://www.co-berlin.info/co-neu/web/Aktuell/start.php .

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schnickschnack (77)

fotografien bieten ein großes potential, zum schreiben zu finden. bilder können beschrieben werden, können assoziationen hervorrufen und den einstieg ins kreative schreiben fördern. darum heute mal wieder der hinweis auf zwei fotoausstellungen in berlin, die gegensätzlicher kaum sein könnten.

bei der einen ausstellung handelt es sich um die werkschau einer fotografin, die sich eigentlich zufällig dem handwerk angenähert hat und im laufe der letzten jahrzehnte den blickwinkel in deutschland stark beeinflusste. ich erinnere mich an das buch „männer“, das mitte der 80er jahre für aufsehen sorgte, da der nackte männliche körper aus einer neuen perspektive aufgenommen wurde.

herlinde koelbl sorgte aber auch mit ihrer dokumentation über politikerInnen, die sie über jahre begleitete und interviewte, darunter joschka fischer und angela merkel, für einen neuen blick auf die protagonisten der macht.

viele ihrer fotografien sind im dokumentarischen schwarzweiß gehalten und sie hat einen eigenen sehr persönlichen stil entwickelt. das kann nun alles im martin-gropius-bau in einer werkschau anlässlich des runden geburtstags der fotografin betrachtet werden. mehr infos finden sich hier: http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/11_gropiusbau/mgb_04_programm/mgb_04_aktuelle_ausstellungen/mgb_04_ProgrammlisteDetailSeite_1_11395.php . schwerlich kann ein link länger sein 😉

schreibpädagogik und schreibbuffet

schreibanregungen in einer schreibgruppe sind häufig in inhaltliche kontexte, in pädagogische konzepte oder in persönliche interessen der leiterInnen und teilnehmerInnen eingepasst. meist arbeiten alle teilnehmerInnen von schreibgruppen an identischen aufgaben und schreibideen. es geht auch um den vergleich der geschaffenen geschichten in den feedbackrunden und um die gemeinsamen entwicklungsschritte. diese vorgehensweisen machen viel sinn und haben sich bewährt.

doch im laufe von schreibgruppen oder schon im vorfeld, entwickeln viele teilnehmerInnen vorlieben für textsorten, für schreibanregungen oder für schreibsituationen. allen gerecht zu werden, ist ein mühsames unterfangen und lässt sich selten bewerkstelligen. hier bietet sich die möglichkeit, einmal ein „schreibbuffet“ einzurichten. sich orientierend an einem umfassenden essenbuffet, kann hier alles nebeneinander stehen: kalte gerichte neben warmen speisen, suppen, häppchen, süßes und auch salate. das dressing kann gewählt werden, die beilage zum gericht und vielleicht sogar die einlagen in die suppe.

ähnlich kann man ein schreibbuffet vorbereiten. es werden einfach diverse schreibanregungen und -ideen gesammelt zur verfügung gestellt. die teilnehmerInnen von schreibgruppen können für sich auswählen, was ihnen zu diesem zeitpunkt am meisten spaß machen würde. einziges beachtenswertes element bei einem vielfältigen schreibangebot sollte die ungefähr gleich lang zur verfügung stehende zeit sein. ansonsten sollte man sich nicht beschränken. es kann lyrik verfasst werden, geschichten oder dialoge. als anregungen können diverse medien, orte oder texte dienen. es sollten verschiedene schreibtechniken möglich sein. vielleicht lassen sich die anregungen ein wenig gegliedert in verschiedenen räumen organisieren. dadurch müssen sich die teilnehmerInnen nicht mit allen anregungen auseinandersetzen. hierfür sollte jedoch auch auf alle fälle genug zeit eingeplant werden. je größer das angebot, um so länger benötigen viele für die orientierung.

kreatives schreiben und heldInnen

der heldenepos ist eine alte form des schreibens, beziehungsweise eigentlich erzählens. den helden umgibt meist ein hauch von tragik, aber auch übermenschliche kraft oder leidensfähigkeit. der held ist kein einfacher protagonist, er ist die person, an der sich alles kristallisiert, meist die gesamte geschichte aufgehängt ist. heute sind sowohl helden als auch heldinnen denkbar. mit dem verschwinden mancher patriarchalen strukturen, verschwand auch der ausschließlich starke und meist siegende held.

doch das hat dem bild der heldInnen keinen abbruch getan. die aktuellen comics und actionfilme basieren auf der vorstellung von heldInnen, die in eine situation geschubst werden, die sie selbst nie gewählt hätten. oft setzen sie erst dann ihre wahren kräfte frei, von denen sie vorher selber noch nicht wussten. sie wachsen über sie hinaus. natürlich ein heilsversprechen, das so selten menschen bewerkstelligen können. deshalb verpuffen im realen leben heldInnen meist schnell, denn wer möchte schon perfekt sein.

möchte man aber einmal eine geschichte eines perfekten, tragischen und doch so mitfühlenden menschen schreiben, dann wähle man die figur von held und heldin, dann schreibe man kleine und große epen, die sich nicht um reale situationen kümmern. wer nicht weiß, wie dies umgesetzt werden kann, schaue sich manchen hollywood-blockbuster an und orientiere sich an den hauptfiguren.

schon beim entwurf der protagonistInnen frage man sich, welche details zur person und zu ihren eigenschaften, erst im laufe der geschichte zu tage treten sollten. hier sollte man sich keine grenzen setzen. wie bei „x-men“ lassen sich selbst der körper und die sinne verändern. das wunderbare an heldenepen ist es, dass kein leser, keine leserin nachfragt, ob dies denn so sein kann. es wird akzeptiert, dass die realität anders aussieht. selbst das märchen mit seinem häufig moralischeren anspruch steckt in einem engeren korsett.

biografisches schreiben und auseinandersetzungen

wie schon die letzte schreibidee thematisierte, gehört zum zusammenleben der menschen auch das streiten. es hat meist damit zu tun, dass die bedürfnisse und erwartungen zweier aufeinandertreffender menschen verschiedene sind und sich erst einmal die gegensätze gegenüber stehen. das hat damit zu tun, dass man sich noch so gut kennen kann, jedoch nie hunderprozentig wissen kann, was die partnerInnen oder andere menschen denken und fühlen. der streit ist dabei oft eine form der annäherung, kann aber auch zur endgültigen distanzierung führen, da sich lebenskonzepte voneinander entfernt haben.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte haben solche auseinandersetzungen ein großes gewicht, auch wenn sie gern unter den teppich gekehrt werden. wer schreibt schon gern über seine beziehungskrisen oder aus streits resultierende unversöhnliche feindschaften. so ist ein blick beim verfassen der eigenen biografie auf die erlebten streitigkeiten unumgänglich. wie weit man sie dann öffentlich macht, ist eine andere frage.

aber sich selber sollte man fragen, wie weit einen diese auseinandersetzungen verändert haben oder wieweit man sich, der / die andere im vorfeld verändert hat. Weiterlesen

schreibidee (143)

wenn der mensch beziehungen eingeht, dann glaubt er am anfang meist, dies wäre jetzt die schon so lang gesuchte harmonie, die ohne jede auseinandersetzung im vollständigen einvernehmen beider existiert. es dauert oft nicht lang und es zeigt sich, dass streit ein teil von beziehungen ist. so wie vor kurzem „hilde“ sich den koffer von anderen reisenden die treppe auf dem bahnhof rauftragen ließ und ihr gatte sie anschließend am treppenabsatz suchte, während sie schon im zug saß. alle mitfahrenden konnten anschließend an der streitigkeit teilhaben, die zu keiner lösung führte. so soll die schreibanregung sich dieses mal um „beziehungsstreitgeschichten“ drehen.

als einstieg können sicherlich die eigenen erfahrungen aller teilnehmerInen der schreibgruppe herangezogen werden. als erstes sind zwei kurze streitgespräche von je einer seite zu notieren. zum einen ein streit, der ergebnislos verlief, zum anderen einer, der zu einer lösung führte. beide gespräch können auf eigenen erfahrungen basieren, müssen es aber nicht. anschließend werden die gespräche in der gruppe vorgelesen.

nun finden sich immer zwei teilnehmerInnen zusammen, um im wechsel am dialog eines beziehungsstreits zu schreiben. der streit kann sich im laufe des schreibens entwickeln oder es kann direkt in den konflikt eingestiegen werden, ein grund wird von außen nicht vorgegeben. als anregung kann im vorfeld der streit um das gekochte ei von loriot entweder vorgelesen werden oder als film gezeigt werden. die streitdialoge werden im anschluss zusammen vorgelesen.

zum schluss sollen nun alle teilnehmerInnen eine längere „beziehungsstreitgeschichte“ verfassen. diese muss nicht ausschließlich ein dialog sein, es können auch die gedanken und berfürchtungen der streitenden wiedergegeben werden. auch der ausgang, ob konstruktiv oder destruktiv wird nicht vorgegeben. die geschichten werden anschließend in der schreibgruppe vorgelesen.

web 2.0 und lesen – ein zeitschriftentipp

die aktuelle ausgabe der zeitschrift „geo“ (august 2009) widmet sich in dem artikel „die revolution des lesens“ von johanna romberg der entwicklung des lesens im zusammenhang mit der entwicklung der modernen medien.

die auseinandersetzung um den einfluss des internets auf das lese- und schreibverhalten vieler menschen findet schon seit jahren statt. da stehen sich meist unversöhnlich die wahrer des bildungsbürgerlichen ideals den propagandisten einer digitalen revolution gegenüber. beide gruppen haben mit ihren positionen teilweise recht. ja, es verändert sich etwas, sowohl das schreiben als auch das lesen betreffend.

bis heute nicht geklärt ist, ob sich das schreiben und lesen aufgrund der neuen medien verändert oder aufgrund der neuen anforderungen bei bildung und im arbeitsleben wegen des einsatzes der neuen medien. das medium an sich kann nicht unbedingt einen einfluss haben, sondern die vertreterInnen, die die verwendung der medien steuern.

der artikel von frau romberg regt sicherlich den diskurs über die veränderungen an. vor allen dingen deshalb, weil er erfrischend unaufgeregt daherkommt. so zeigt sie auf, dass es schon immer veränderungen in der aneignung und weitergabe von wissen gegeben hat. was sollte also so bedrohlich an einer weiteren veränderung sein? ob diese entwicklung „gut“ oder „schlecht“ sein wird, kann kein mensch vorhersehen. sie wird anders sein. darum einfach lesen und weiterdiskutieren und vielleicht die entwicklung beeinflussen. http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_magazin/61305.html

selbstbefragung (25) – bildung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „bildung„.

  • halten sie sich für gebildet? begründen sie.
  • was gehört für sie zu einer allgemeinbildung?
  • was möchten sie in ihrem lleben noch lernen? nennen sie fünf beispiele.
  • halten sie ihre schulzeit für eine sinnvolle lernzeit? warum?
  • von welchem menschen haben sie bis jetzt am meisten gelernt?
  • muss man soziale kompetenz auch lernen? warum?
  • wie wichtig finden sie den diskurs über bildungsinhalte?
  • was müsste bei ihnen gelernt werden, das bis jetzt nicht gelehrt wird?
  • was haben sie sich selbst beigebracht?
  • welcher gebildeten person würden sie gern einmal begegnen?

schreibidee (142)

soziales zusammenleben besteht darin, dass sich menschen begegnen. im vorfeld weiß der einzelne selten, wie der kontakt verläuft, man kann begegnungen nicht vorhersehen. und doch hält das aufeinandertreffen von zwei menschen viele überraschungen parat. man weiß selten, wenn man einen menschen neu kennenlernt, was dieser in einem auslöst. deshalb soll die schreibanregung dieses mal den „begegnungsgeschichten“ gewidmet sein. lassen wir manche aufeinander treffen.

einstieg soll die überlegung sein, wem man in seinem leben gern einmal begegnen möchte. es soll von den teilnehmerInnen eine kleine liste erstellt werden, wen sie treffen möchten, mit ein paar stichworten, warum. anschließend wird ausgewählt, zu welcher person man etwas schreiben möchte. nun wird ein zweiseitiger dialog mit beschreibungen des aufeinandertreffens geschrieben.

wenn der dialog fertig ist, widmen sich alle, der begegnung mit sich selbst. entweder nimmt man den vorher geschriebenen text und nimmt einen perspektivwechsel vor, schreibt also über die begegnung aus der sich des anderen. doch man kann sich auch eine andere person wählen, die einem selbst begegnet. auch hierzu werden wieder zwei seiten geschrieben. es bleibt offen, ob ein dialog oder nur eine beschreibung der begegnung verfasst wird. beide bisher entstandenen texte sind in der gruppe vorzulesen.

danach sind noch einmal alle schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, eine liste zu erstellen. dieses mal sollte notiert werden, welche menschen sich treffen sollten, obwohl dies wegen der entfernung oder lebenszeit schwer möglich sein wird. auch hier sind kurze begründungen aufzuschreiben. anschließend wird ausgewählt, welche begegnung man beschreiben möchte. dies kann ein längerer text werden, es sollte genug zeit zur verfügung stehen. die texte werden in der schreibgruppe vorgetragen und im feedback erklärt, welche begegnung man am spannendsten findet.

schreibpädagogik und handschriften

etliche schreibanregungen in schreibgruppen basieren darauf, dass texte und assoziationen ausgetauscht werden. da gleichzeitig viele schreibideen davon leben, die zeit für das verfassen der texte und assoziationen zu beschränken, wird häufig schnell geschrieben. teilnehmerInnen haben oft das gefühl, sie müssten sich beeilen, um ihre gedanken auf papier zu bringen, da sonst die zur verfügung stehende zeit abgelaufen ist.

die konsequenzen aus diesen abläufen ist aber oft genug, dass eine handschrift verwendet wird, die kryptisches gekrakel darstellt und von den anderen gruppenteilnehmerInnen nicht entschlüsselt werden kann. deshalb muss schon zu beginn der schreibanregung, auch wenn das konzept eigentlich ein anderes ist, bekannt gegeben werden, dass die texte weitergegeben werden, also bitte leserlich zu schreiben sei. die folge davon ist, dass es kaum möglich ist, schreibanregungen mit einem überraschungseffekt zu konzipieren, die die ganze gruppe einbeziehen.

noch eine weitere folge hat die bitte um leserlichkeit: etliche teilnehmerInnen sehen sich dadurch zusätzlich unter druck gesetzt. sie beschäftigen sich mehr mit der leserlichkeit ihrer handschrift denn mit der schreibanregung. sie haben das gefühl, dass ihnen die zeit davon läuft, nur weil sie ordentlicher schreiben müssen, und sie fühlen sich in ihrem schreibfluss behindert. das lässt sich nicht vollständig verhindern, doch es können zeitliche spielräume eingebaut werden.

so können schreibanregungen zweigeteilt werden Weiterlesen

herr kauder und das kindeswohl – ein kommentar

hier schon öfter thematisiert, die alltägliche diskriminierung von homosexuellen hat mal wieder unterstützung aus höchsten kreisen bekommen. auch wenn dies eventuell nur wahlkampfgeplänkel ist, ist es eine unverschämtheit, was schwulen und lesbischen paaren vom franktionsvorsitzenden der cdu unterstellt wird. so äußerte er, als eine studie belegte, dass kinder die bei homosexuellen paaren aufwachsen keine nachteile haben (allein die forschungsfrage ist eigentlich eine frechheit), „es geht bei dem vorschlag allein um die selbstverwirklichung von lesben und schwulen und nicht um das wohl des kindes“ (sz von heute s.1). bei dem vorschlag handelt es sich um die idee, das gleiche adoptionsrecht für homosexuelle paare anzuwenden, wie für heterosexuelle paare.

laut herrn kauder gebe es auch andere wissenschaftliche erkenntnisse. die möge er bitte einmal benennen, dann kann man sich weiter darüber auseinandersetzen. unsereinem wären diese nicht bekannt. eher das gegenteil: schon vor über zwanzig jahren wurde eine ähnliche studie in den usa durchgeführt und kam zum gleichen ergebnis, also in einer zeit, als homosexualität noch viel umstrittener war. aber darum geht es überhaupt nicht, es geht um die unterstellung, dass der adoptierende homosexuelle per se ein egozentrischer ist, im gegensatz zum adoptierenden heterosexuellen, der nichts anderes als das kindeswohl im blick habe und wahrscheinlich aufgrund seiner sexuellen orientierung prädestiniert ist, kinder aufzuziehen.

nun könnte man den spieß natürlich umdrehen und einmal fragen, wie es passieren kann, wenn der heterosexuelle mensch so um das kindeswohl bemüht ist, dass es zu komasaufenden jugendlichen, zu amokläufen und zu vernachlässigten kindern kommt? wie geht es an, dass in schulen gemobbt wird? könnte es sein, dass diese kinder und jugendlichen dem schlechten einfluss von homosexuellen ausgesetzt sind? ja, die logische konsequenz wäre eine homosexuelle bewegung, die nichts anderes zum ziel hat, als die gesellschaft zu zersetzen. was ein glück, dass sich inzwischen etliche schwule und lesben in der cdu tummeln, lange wird es mit der partei also nicht mehr gutgehen :mrgreen:

wortklauberei (48)

„dienstleistungsbereitschaft“

oft genug wurde beschrieben und beschrieen, dass die deutschen lande eine dienstleistungswüste seien, das müsse sich ändern. so bemühen sich alle ein eingefrorenes lächeln aufzusetzen, sei der wunsch noch so abstrus oder das verhalten der kunden noch so unverschämt. es wird auf teufel komm raus gelächelt. das kann dann auch anstrengend werden. kaum steht man in einem laden oder sitzt im zug, schon wird man nach den wünschen gefragt, bespielt und unterhalten. das geht so weit, dass man glaubt, sich nur noch in einer welt voller animateurInnen zu bewegen, und man habe sich in einen großen club mediterranee verlaufen.

doch den unternehmensberaterInnen und wirtschaftsankurblerInnen ist dies lang noch nicht genug. so veranstaltete eine kleine provinzzeitung den wettbewerb zur „dienstleistungsbereitschaft“ des örtlichen einzelhandels. dazu konnten die leserInnen abstimmen, ob sie sich gut beraten und bedient fühlten. sind sie also bereit dienst am kunden zu leisten? was eine verkleisterung der eigentlichen interessen. die einen wollen verkaufen und die anderen kaufen. dazu bedarf es eigentlich keines grinsens und lächelns, sondern einfach nur eine angebots und einer umfassenden klaren kommunikation. doch so geht das heute nicht mehr. anscheinend nähern wir uns einem mix aus japanischen und us-amerikanischen handelsgepflogenheiten an. da ist zum einen das dienen, dass sich in einer tiefen verbeugung oder auch in einer form der unterwürfigkeit gegenüber den kaufwilligen äußert. und da ist zum anderen dieses klebrige wir-sind-so-gut-drauf- und eine-große-familie-gehabe, dass den eindruck einer verbrüderung hinterlässt, obwohl man nur sein geld in ware tauschen möchte.

und auf diesem mist wächst die kategorie der „dienstleistungsbereitschaft“, die den dienenden alles abverlangt (nicht ohne grund sind die psychosomatischen erkrankungen bei ewig grinsenden berufen stark verbreitet) und die kunden zu kleinkindern degradiert, die auch noch unterhalten werden müssen. doch es gefällt anscheinend und wird begrüsst. dann scheint das wort doch treffend. lasst uns alle snoozelen 😛

kreatives schreiben und pausen

das gegenteil der schreibblockade ist der nicht enden wollende schreibfluss. manches literarische werk ist angeblich ohne unterlass in tag-und-nacht-schreibexzessen entstanden. viele schreibende träumen von diesem glücksgriff, der sich nicht vorankündigt, sondern geschieht. einmal angefangen, der kreativität freien lauf zu lassen, sollte sie weitersprudeln und nie wieder versiegen.

abgesehen davon, dass genau diese erwartung leicht eine schreibblockade verursachen kann, bleibt es sinnvoll, beim schreiben pausen einzulegen. so wie bei anderen dingen auch, ist pausenloses agieren nicht unbedingt qualitätsfördernd. irgendwann lassen einfach die kräfte nach. die idee muss deshalb nicht verschwinden, man kann mit stichworten den weiteren verlauf des geschriebenen skizzieren. aber man sollte ebenso, wie die eigenen ideen auch die reaktion des körpers ernst nehmen.

denn erschöpfung birgt in sich die gefahr, dass gedanken sich im kreis drehen, dass die außenwelt vollständig ausgeblendet wird und dass die entwicklung neuer ideen zum erliegen kommt. es fehlt einfach der input des durchatmens, des beobachtens und die möglichkeit des umdenkens über den verlauf des textes.

so scheint es hilfreich, entweder ein gespür für die reaktionen des eigenen körpers zu bekommen oder sich feste zeitabschnitte zu verordnen, in die ausführliche pausen integriert. oft ergeben sich die pausen schon automatisch, wenn der alltag noch geregelt und gestaltet werden muss. ob es der einkauf zwischendurch oder die grundreinigung der wohnung ist, es sind tätigkeiten, die den kopf ein wenig entlasten. natürlich kann man sich auch sagen, jetzt fließt es gerade so gut, ich mach einfach weiter. doch auch dann wird man vor der überarbeitung pausen entstehen lassen. es geht auch nicht darum, die begeisterung ob des schreibens zu bremsen. es geht einzig darum durch eine vollkommene erschöpfung die kreativität stück für stück auszubremsen.

wortklauberei und sprache – ein magazintipp

das sz-magazin von heute widmet sich ausschließlich der deutschen sprache. dabei werden sowohl die veränderungen und die unzulänglichkeit der sprache thematisiert, als auch die schwierigkeiten für fremdsprachlerInnen, deutsch zu verstehen. daneben gibt es texte von ehemaligen analphabeten, die gerade lesen und schreiben gelernt haben, ebenso wie die beschreibung der schwierigkeiten einer schlussredaktion, die texte korrektur zu lesen hat.
ein insgesamt runder blick auf die entwicklung unserer sprache und deren möglichkeiten. zu finden ist das ganze unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/liste/h/200930 .

nabelschau (20)

der rasenmäherfetisch. ein abstecher in die provinz, die heimat, kann mal wieder zeigen, wo die vor- und nachteile des kleinstädtischen lebens liegen. vorteil ist sicherlich, dass man mal wieder ausführlich den sternenhimmel betrachten kann, es um einen herum geballt kreucht und fleucht und die nächte einfach kühler sind im hochsommer.

ein nachteil besteht darin, dass die provinz langsam überaltert und im wohngebiet immer weniger kinder und junge familien leben, dafür um so mehr rentnerInnen. und davon ist wiederum vielen ganz schön langweilig. das würden sie sicherlich abstreiten, ja sie bestehen darauf morgens um 6.30 uhr aufzustehen, da sie dies schon immer so gemacht haben. ebenso bestehen sie darauf, ein mal die woche, den gesamten bürgersteig mit dem straßenrand zu fegen.

besonders langweilig ist es anscheinend den männern in diesen regionen. das führt dazu, dass sie ihr gärtlein umgraben, eventuell hütten darauf stellen, in der wohnung alle reparaturarbeiten selber übernehmen und sich ab und zu in der kneipe treffen. doch vor allen dingen in frühjahr, sommer und herbst mähen sie den rasen und die wiese, soweit vorhanden.

da sitzt man nun in der abendsonne, ein buch zu hand und bereit, die seele ein wenig baumeln zu lassen, beginnt es auf der rechten seite gehörig zu röhren. es wurde zum rasenmäher gegriffen, nicht zu den inzwischen leisen, elektrischen, Weiterlesen

schreibidee (141)

wie gerade im letzten post schon angerissen, ist das altern ein natürlicher prozess, der den menschen jedoch auf sich selbst zurückwirft. es ist ein prozess, der zwar mit ein paar tricks hinausgezögert werden aber nicht verhindert werden kann. dies kann zu verzweiflung führen aber auch in gelassenheit unter dem label „erfolgreich altern“ verarbeitet werden. jeder mensch beschäftigt sich mit diesem prozess, weswegen dieses mal die schreibanregung zu „geschichten des alterns“ gegeben wird.

der begriff „altern“ wird meist im zusammenhang mit dem mittleren bis hohen alter verwendet, doch das ist irreführend. auch ein säugling altert beständig. darum werden als einstieg, die teilnehmerInnen der schreibgruppe dazu aufgefordert, prozesse des alterns kurz (ca. eine viertel seite) zu umschreiben. dazu kann das erste gesprochene wort, der besuch in der kita, die pubertät, das gefühl nicht mehr alles so leicht zu schaffen wie als junger mensch oder auch das rentnerdasein zählen. von allen sind jeweils fünf kurzbeschreibungen zu erstellen. diese werden in der schreibgruppe vorgestellt.

anschließend greift man sich einen prozess der gesamten palette heraus und erstellt dazu ein cluster, um anschließend eine „geschichte des alterns“ zu schreiben. die geschichten werden in der gruppe vorgelesen und sind der einstieg zum zweiten teil der schreibanregung. dabei geht es nun wirklich um das hohe alter. alle teilnehmerInnen sollten sich notieren, wie sie sich ihr hohes alter im idealfall und im schlimmsten fall vorstellen. für jede kurze beschreibung steht eine seite zur verfügung.

im anschluss sind diese betrachtungen in eine geschichte des eigenen alterns zu packen. diese geschichte kann einen kleinen aspekt des alltags betreffen oder eine kleine begebenheit. es sollte sich auf alle fälle um eine geschichte im hohen alter handeln und protagonistInnen sind die teilnehmerInnen der schreibgruppe selbst. die geschichten werden sich gegenseitig vorgelesen.

biografisches schreiben und altern des lebenspartners

in letzter zeit ging es häufiger durch die presse, dass walter jens einhergehend mit demenz altert. damit öffentlich auseinandergesetzt haben sich sein sohn und seine frau. beide auseinandersetzungen sind auch ein zeichen dafür, wie schwer es einem fällt, zu beobachten, wie ein einem nahestehender mensch altert und sich verändert. man kann diesen prozess ab einem bestimmten punkt nicht mehr beeinflussen und es wird nicht selten ohnmacht gefühlt. es fällt schwer zu akzeptieren, was da vor sich geht.

beim schreiben der eigenen lebensgeschichte kann man sowohl seinen eigenen alterungsprozess beobachten, vor allen dingen aber auch, da das betrachten der eigenen entwicklung einem gar nicht so schnell und verändernd vorkommt, den alterungsprozess von lebenspartnerInnen. von „außen“ fällt einem oft viel stärker auf, wie sehr sich ein mensch verändert. man bekommt vor augen geführt, wie es wahrscheinlich einem selber geht oder gehen wird. die zeit wird für manches, das man unbedingt noch machen wollte, knapp.

wie geht man damit um. kann man den natürlichen entwicklungen ihren lauf lassen oder bäumt man sich dagegen auf? will man nicht wahrhaben, dass die partnerInnen einem lebensende entgegenstreben oder begleitet man sich gegenseitig in dieser entwicklung? früher starben die menschen früher, viele krankheitsbilder traten überhaupt nicht auf. heute werden menschen bei uns sehr alt, doch dies geht oft genug damit einher, dass einer von beiden zu einem pflegefall werden kann oder aufgrund von krankheiten unterstützung benötigt. wie geht man damit um? oder wie erlebt man es, unterstützung vom partner zu benötigen, wie erlebt man diese unterstützung?

das biografische schreiben bietet die chance, in dem moment, in dem man und der partner altert, dies ausführlicher zu reflektieren. vielleicht auch nur, um einen ruhigeren, akzeptierenden umgang damit zu finden.

kreatives schreiben und elite

schreiben und im speziellen kreatives schreiben transportiert oft die vorstellung, etwas außergewöhnliches, gesellschaftlichen entwicklungen konträres zu vollbringen. auf der einen seite belächelt als volkshochschulspaß, wird ab und zu von den schreibenden die position eingenommen, sich dem mainstream der flachen digitalen kommunikation zu entziehen.

das kann beim verfassen von texten und in schreibgruppen zu einer elitären haltung führen. nach dem motto: „wir widerstehen den verführungen des computerzeitalters und besinnen uns der alten werte“. dies ist eine bildungsbürgerliche haltung, die bemüht ist, sich den gesellschaftlichen entwicklungen zu widersetzen und dem „schöngeistigen“ zu verschreiben.

erst einmal handelt es sich natürlich um eine berechtigte kritik am schnelllebigen und vergänglichen der neuen medien. wer weiß, ob nicht im laufe der zeit alle archive des digitalen schreibens verschwinden und gelöscht werden. doch nicht selten mischt sich in diese haltung eine form der überlegenheit gegenüber den tippenden und an elektronischen geräten formulierenden. es macht sich der gedanke eines „wahren“ schreibens breit. diese auseinandersetzung gab es schon bei der einführung der schreibmaschine. dabei ist wort erst einmal wort. ob es nun von hand, per schreibmaschine oder am laptop niedergeschrieben wurde.

das schreiben am computer sagt nichts über die entstandenen texte aus. aber das schreiben von hand wird weiterhin von manchen als einzig annehmbare form des schreibens verstanden. die schreibende elite setzt sich noch an ihren schreibtisch, greift zum stift (oder noch besser zum federhalter) und notiert mühsam gedanken und texte auf ein weißes blatt papier. es wird mit ästhetik (auch der sprache) und mit der historie des schreibens argumentiert, die die elite des schreibens vom rest des undurchdachten tippens trennen. dabei treten die beweggründe des formulierens in den hintergrund, und eher kulturpolitische interessen in den vordergrund. dies hat beim kreativen schreiben nichts verloren. einziger anhaltspunkt sollte das eigene wohlfühlen bei der umsetzung des gedankenflusses sein. wie das dann aussieht, bleibt allen schreibenden selbst überlassen.

schreibidee (140)

ob im fernsehen oder in büchern, weiterhin gern genossen werden märchen. märchen zeichnen sich vor allen dingen durch einen moment der realitätsferne aus, der nicht selten in ein happyend mündet. es tauchen fantasiefiguren auf, tiere, die sprechen können und menschliche züge tragen, kleine wunder geschehen und eine gewisse tragik oder grausamkeit erhöhen die spannung. um der zeit rechnung zu tragen, dient dieses mal die schreibanregung dem verfassen „moderner märchen„.

beim modernen märchen benötigt man ebenso wie beim klassischen, antagonisten. diese werden als erstes in der schreibgruppe festgelegt. da die welt des märchens eine einfache ist, sollte ein din a4 blatt in in vier gleichgroße flächen unterteilt werden. den vier flächen werden eigenschaften zugeschrieben: „gut“, „böse“, „ehrlich“, „hinterlistig“. man kann sich natürlich auch andere gegensätzliche eigenschaften überlegen. die teilnehmerInnen tragen nun für jede eigenschaft eine figur oder eine person ein. dazu wird eine kurze beschreibung in die flächen notiert. es können auch mehrere blätter ausgefüllt werden, um später das interessanteste auszuwöhlen.

nun wird der plot der geschichte festgelegt. um welche grundproblematik soll es gehen? meist handeln märchen von liebe, moral, gut und böse. um die grundstruktur des märchens festzulegen, wird auf einer halben seite ein kurzer abriss gegeben. wenn der notiert ist, fehlen noch die kleinen wunder, zaubereien oder außergewöhnlichkeiten. dazu werden mehrere vorschläge stichwortartig notiert. es sollten mindestens zehn möglichkeiten sein, die in ein märchen passen. so kann die tram zum beispiel ihre gleise verlassen, der mixer kann zaubertränke bereiten oder die musikanlage sendet botschaften. hier gibt es keine beschränkungen.

alle drei vorbereitenden arbeiten werden nun zusammengefasst. das märchen sollte in der heutigen zeit spielen, darf aber die einfache struktur klassischer märchen beibehalten: „es war einmal…“. anschließend findet sich die schreibgruppe zu einer märchenstunde zusammen. sollten die geschichten jugendfrei sein (was man auch bei klassischen märchen ein wenig in frage stellen kann), können dazu auch kinder eingeladen werden. die dürfen dann abstimmen, welches märchen ihnen am besten gefallen hat.

selbstbefragung (24) – natur

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „natur„.

  • würden sie sich als naturverbunden bezeichnen? begründen sie.
  • wie oft halten sie sich in einer woche in der natur auf?
  • unsere natur ist meist eine kultivierte. kennen sie den unterschied zur wildnis?
  • kennen sie mehr als zehn vogelarten und wilde pflanzenarten? zählen sie auf.
  • wie fühlen sie sich, wenn sie einmal in der natur sind?
  • wie groß ist ihr anteil an der zerstörung der natur?
  • wer erscheint ihnen seriöser: industrieverbände oder umweltverbände? begründen sie.
  • glauben sie, dass vieles in der natur des menschen liegt? wenn ja, warum verliert der mensch dann häufiger den kontakt zur natur? wenn nein, worauf basiert dann vieles?
  • wie wird ihrer meinung nach in 30 jahren die natur aussehen? notieren sie stichworte.
  • was halten sie von dem naturprinzip „der am besten angepasste überlebt“?