Tagesarchiv: 2. Juli 2009

schreibpädagogik und motivierung

in der pädagogik gibt es viele techniken, menschen, meist jugendliche, zu motivieren, sich mit dingen auseinanderzusetzen, mit denen man sich eventuell nie auseinandersetzen wollte. so herrscht im kopf von pädagogInnen eine vorstellung, was notwendiger- und sinnvollerweise gelernt werden sollte. natürlich haben dies auch schreibpädagogInnen im hinterkopf, wenn sie eine schreibgruppe oder -werkstatt vorbereiten.

bei der anleitung von gruppen gerät man dann ins schlingern, wenn die gruppe, sich den motivierungsversuchen verweigert. so gibt es zum beispiel eine schreibübung oder schreibidee, die man selber für besonders interessant und wichtig erachtet, doch die gruppe bestätigt die haltung nicht. nicht selten kann in diesen momenten erlebt werden, dass anleiterInnen von gruppen sehr bestimmend werden. teilweise signalisieren sie sogar der gruppe, dass sie sich durch die unmotiviertheit persönlich angegriffen fühlen.

jeder mensch kennt diese reaktionen sicherlich aus der schule. wenn die lehrerInnen zu einem thema kommen, dass sie selbst sehr fasziniert und die schulklasse kein interesse daran hat. ich erinnere mich an einen deutschunterricht zu bertolt brecht. wir fanden ihn recht uninteressant, aber unser lehrer war begeistert und vor allen dingen anschließend gekränkt.

schöner ist es sicherlich, wenn sich in schreibgruppen die eigene begeisterung vermitteln lässt und gemeinsam entdeckungen gemacht werden. doch sollte dies nicht der fall sein, ist es hilfreich, wenn man sich als anleiterIn zurücknehmen kann und der gruppe eine gewisse entscheidungsfreiheit gibt. es mag enttäuschend sein, dass sich begeisterung nicht motivierend einsetzen lässt, aber die gruppen basieren meist auf einer freiwilligen teilnahme und es geht nicht um die vermittlung eines grundkanons, sondern um die freude am schreiben. natürlich hat man viel energie für die vorbereitung verwendet, aber an anderer stelle kann sie sicherlich wieder geschätzt werden. es empfiehlt sich also gelassenheit und ein verzicht auf allzu viele motivationstechniken.

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biografisches schreiben und fertigkeiten

früher war die welt noch klar strukturiert und meist in ordnung. männer mussten ihre hemden nicht selber bügeln. entweder wurde dies von personal, von der wäscherei oder von der hausfrau erledigt. frauen konnten kochen und männer höchstens grillen. dafür schnitt der mann den braten oder das geflügel auf und die frau hielt den haushalt in ordnung.

heute hat sich das verschoben, verändert und zum glück gemischt. so haben sich in den letzten jahrzehnten viele männer fertigkeiten angeeignet, die einst von frauen erledigt wurden. im gegenzug dazu haben sich frauen in vielen bereichen emanzipiert und lassen sich bestimmte lebensbereiche nicht mehr vorenthalten. dies erleichtert in vielen zusammenhängen entweder das zusammenleben oder das single-dasein.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sollte auch ein blick auf all das geworfen werden, was im alltag bewältigt und selbstständig ausgeführt werden kann. hier geht es nicht um die hobbys, wie zum beispiel „ich kann angeln“, sondern eher um die haushaltstätigkeiten und praktische fertigkeiten. sie können vieles erleichtern oder auch eine gewisse unabhängigkeit im späteren leben geschaffen haben. wer zum beispiel einen garten bewirtschaften, einkochen und mahlzeiten zubereiten kann, benötigt kaum hilfe bei der selbstversorgung.

außerdem zeigt die auflistung der diversen fertigkeiten, dass sich gerade wieder vieles auf dem rückzug befindet. das hotel „mama“, das teils auch staatlich verordnet wird, da keine unterstützung für den auszug gewährleistet wird, führt auch zu einer zunehmenden unselbstständigkeit. es war nach den fünziger jahren für viele ein ziel, selbstständiger zu sein. wieweit hat das die eigene biografie beeinflusst? fällt es einem in der folge schwer, sich hilfe zu suchen? am besten man erstellt einmal eine liste, wieviele haushaltstätigkeiten und wieviele anforderungen des alltags allein bewältigt werden können. und dann kann man sich beim biografischen schreiben vielleicht fragen, welche man eigentlich noch erlernen möchte. hemden bügeln kann man in diesem zusammenhang vielleicht als überflüssig betrachten 😆