Tagesarchiv: 11. Juli 2009

biografisches schreiben und reisen

urlaubszeit, es geht auf reisen. man verlässt das gewohnte, das sichere und begibt sich in eine region, an einen ort, die bis dahin unbekannt sind. und wenn einer eine reise tut, dann kann er etwas erzählen. so kennt sicherlich jeder mensch ereignisse, die im laufe des lebens haften geblieben sind. denn reisen können vieles bewirken bis zu veränderungen, die das ganz leben verändern.

beim schreiben der eigenen biografie sollte man sich die eigenen reisen ins gedächtnis rufen. welcher trip hat einen verändert, hat die notwendige erholung gegeben um erfrischt neues in angriff zu nehmen? welcher urlaub war ein fiasko, das einen auf sich selbst zurückgeworfen hat? gab es besuche in regionen, die einen so fesselten, dass man immer wieder dorthin auswich, ja einen eventuell auswandern oder umziehen ließ.

abseits davon sollte man einen blick darauf werfen, wie sehr reisen das eigene verhalten in einem ganz anderen licht erscheinen lässt. wieweit erlaubt man sich dinge, die man sonst nie zu machen wagte? kann man einmal die ganzen anforderungen und sozialen zwänge hinter sich lassen. das leben pur erleben, wie man es im alltag kaum möglich ist? und wenn dies alles möglich ist, wie ging man damit um, was ließ sich in den alltag herüberretten?

natürlich kann es auch sein, dass reisen eher bedrohlich und unbequem erscheint, so dass man bemüht ist, die gewohnheiten mit in die andere region zu nehmen. dafür steht zum beispiel, dass sich in vielen urlaubsregionen manches restaurant an den touristen orientiert und ihre essgewohnheiten bedient. es gibt die möglichkeit auf einem kreuzfahrtschiff oder hotel, das gefühl zu haben, die eigene stadt nie verlassen zu haben. es gibt animationen, damit man nicht zur ruhe kommt und sich in schweren gedanken verirrt. das kann als vor- oder nachteil empfunden werden. beim schreiben der eigenen lebensgeschichte können jedenfalls manche reisen eine große rolle spielen. und sollte dies nicht der fall sein, gibt es vielleicht ein ziel, das man schon immer gern besuchen wollte. vielleicht wird einem dies auch nur durch die betrachtung der biografie bewusst und man kann den wunsch noch nachholen. anregend ist der blickwinkel allemal.

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kreatives schreiben und nachtleben

berlin hat einen vorteil: es gibt so gut wie keine sperrstunde. oder anders formuliert, in berlin sind die nächte für gewöhnlich lang. das hat sich zwar in den letzten jahren ein wenig verändert und so manche bezirke wirken früher verschlafen als noch vor ein paar jahren. aber wer möchte, kann sich immer noch die ganze nacht amüsierend um die ohren schlagen. wenn man dann am frühen morgen einen blick in diverse bars und kneipen wirft, dann kann man sich des eindrucks nicht erwehren, dass sich ein ganz anderes bild der menschen ergibt, als tagsüber und am späten abend.

diese momente des sonnenaufgangs und der ersten morgenstunden sind getragen von einer gelassenheit, die sonst selten in der hektischen großstadt zu finden sind. diese zeit bietet sich an, menschen in ihrem verhalten und ihren sehnsüchten zu beobachten. wer so lang unterwegs ist, sucht den schönen abschluss für den abend und muss meist nicht mehr gesitteten sozialen gepflogenheiten nachkommen. es scheint, als lösten sich die strengen regeln des zusammenlebens auf. dies nicht in einer negativ aggressiven richtung sondern eher in einer schönen wir-sind-zufrieden-atmosphäre.

und plötzlich bekommt man ein gefühl davon, wie menschen auch zusammenleben könnten, wenn sie die möglichkeit hätten beständig ihren eigenen bedürfnissen nachgehen zu können. darum zeigen sich in den nächten die menschen von einer ganz anderen seite, einer verletzlicheren, offneren. bei der suche nach protagonisten und geschichten gibt es deshalb einen ganz neuen blickwinkel, der manche neue schreibidee produzieren kann. einzige krux, man muss durchhalten, sitzen bleiben oder den wecker am frühen morgen klingeln lassen, um eine milieustudie durchführen zu können. berlin ist um diese zeit auch fertig, man kann eine stadt in solchen momenten ganz entblöst erleben. also ab ins nachtleben.