Tagesarchiv: 23. Juli 2009

nabelschau (20)

der rasenmäherfetisch. ein abstecher in die provinz, die heimat, kann mal wieder zeigen, wo die vor- und nachteile des kleinstädtischen lebens liegen. vorteil ist sicherlich, dass man mal wieder ausführlich den sternenhimmel betrachten kann, es um einen herum geballt kreucht und fleucht und die nächte einfach kühler sind im hochsommer.

ein nachteil besteht darin, dass die provinz langsam überaltert und im wohngebiet immer weniger kinder und junge familien leben, dafür um so mehr rentnerInnen. und davon ist wiederum vielen ganz schön langweilig. das würden sie sicherlich abstreiten, ja sie bestehen darauf morgens um 6.30 uhr aufzustehen, da sie dies schon immer so gemacht haben. ebenso bestehen sie darauf, ein mal die woche, den gesamten bürgersteig mit dem straßenrand zu fegen.

besonders langweilig ist es anscheinend den männern in diesen regionen. das führt dazu, dass sie ihr gärtlein umgraben, eventuell hütten darauf stellen, in der wohnung alle reparaturarbeiten selber übernehmen und sich ab und zu in der kneipe treffen. doch vor allen dingen in frühjahr, sommer und herbst mähen sie den rasen und die wiese, soweit vorhanden.

da sitzt man nun in der abendsonne, ein buch zu hand und bereit, die seele ein wenig baumeln zu lassen, beginnt es auf der rechten seite gehörig zu röhren. es wurde zum rasenmäher gegriffen, nicht zu den inzwischen leisen, elektrischen, Weiterlesen

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schreibidee (141)

wie gerade im letzten post schon angerissen, ist das altern ein natürlicher prozess, der den menschen jedoch auf sich selbst zurückwirft. es ist ein prozess, der zwar mit ein paar tricks hinausgezögert werden aber nicht verhindert werden kann. dies kann zu verzweiflung führen aber auch in gelassenheit unter dem label „erfolgreich altern“ verarbeitet werden. jeder mensch beschäftigt sich mit diesem prozess, weswegen dieses mal die schreibanregung zu „geschichten des alterns“ gegeben wird.

der begriff „altern“ wird meist im zusammenhang mit dem mittleren bis hohen alter verwendet, doch das ist irreführend. auch ein säugling altert beständig. darum werden als einstieg, die teilnehmerInnen der schreibgruppe dazu aufgefordert, prozesse des alterns kurz (ca. eine viertel seite) zu umschreiben. dazu kann das erste gesprochene wort, der besuch in der kita, die pubertät, das gefühl nicht mehr alles so leicht zu schaffen wie als junger mensch oder auch das rentnerdasein zählen. von allen sind jeweils fünf kurzbeschreibungen zu erstellen. diese werden in der schreibgruppe vorgestellt.

anschließend greift man sich einen prozess der gesamten palette heraus und erstellt dazu ein cluster, um anschließend eine „geschichte des alterns“ zu schreiben. die geschichten werden in der gruppe vorgelesen und sind der einstieg zum zweiten teil der schreibanregung. dabei geht es nun wirklich um das hohe alter. alle teilnehmerInnen sollten sich notieren, wie sie sich ihr hohes alter im idealfall und im schlimmsten fall vorstellen. für jede kurze beschreibung steht eine seite zur verfügung.

im anschluss sind diese betrachtungen in eine geschichte des eigenen alterns zu packen. diese geschichte kann einen kleinen aspekt des alltags betreffen oder eine kleine begebenheit. es sollte sich auf alle fälle um eine geschichte im hohen alter handeln und protagonistInnen sind die teilnehmerInnen der schreibgruppe selbst. die geschichten werden sich gegenseitig vorgelesen.

biografisches schreiben und altern des lebenspartners

in letzter zeit ging es häufiger durch die presse, dass walter jens einhergehend mit demenz altert. damit öffentlich auseinandergesetzt haben sich sein sohn und seine frau. beide auseinandersetzungen sind auch ein zeichen dafür, wie schwer es einem fällt, zu beobachten, wie ein einem nahestehender mensch altert und sich verändert. man kann diesen prozess ab einem bestimmten punkt nicht mehr beeinflussen und es wird nicht selten ohnmacht gefühlt. es fällt schwer zu akzeptieren, was da vor sich geht.

beim schreiben der eigenen lebensgeschichte kann man sowohl seinen eigenen alterungsprozess beobachten, vor allen dingen aber auch, da das betrachten der eigenen entwicklung einem gar nicht so schnell und verändernd vorkommt, den alterungsprozess von lebenspartnerInnen. von „außen“ fällt einem oft viel stärker auf, wie sehr sich ein mensch verändert. man bekommt vor augen geführt, wie es wahrscheinlich einem selber geht oder gehen wird. die zeit wird für manches, das man unbedingt noch machen wollte, knapp.

wie geht man damit um. kann man den natürlichen entwicklungen ihren lauf lassen oder bäumt man sich dagegen auf? will man nicht wahrhaben, dass die partnerInnen einem lebensende entgegenstreben oder begleitet man sich gegenseitig in dieser entwicklung? früher starben die menschen früher, viele krankheitsbilder traten überhaupt nicht auf. heute werden menschen bei uns sehr alt, doch dies geht oft genug damit einher, dass einer von beiden zu einem pflegefall werden kann oder aufgrund von krankheiten unterstützung benötigt. wie geht man damit um? oder wie erlebt man es, unterstützung vom partner zu benötigen, wie erlebt man diese unterstützung?

das biografische schreiben bietet die chance, in dem moment, in dem man und der partner altert, dies ausführlicher zu reflektieren. vielleicht auch nur, um einen ruhigeren, akzeptierenden umgang damit zu finden.