wortklauberei (48)

„dienstleistungsbereitschaft“

oft genug wurde beschrieben und beschrieen, dass die deutschen lande eine dienstleistungswüste seien, das müsse sich ändern. so bemühen sich alle ein eingefrorenes lächeln aufzusetzen, sei der wunsch noch so abstrus oder das verhalten der kunden noch so unverschämt. es wird auf teufel komm raus gelächelt. das kann dann auch anstrengend werden. kaum steht man in einem laden oder sitzt im zug, schon wird man nach den wünschen gefragt, bespielt und unterhalten. das geht so weit, dass man glaubt, sich nur noch in einer welt voller animateurInnen zu bewegen, und man habe sich in einen großen club mediterranee verlaufen.

doch den unternehmensberaterInnen und wirtschaftsankurblerInnen ist dies lang noch nicht genug. so veranstaltete eine kleine provinzzeitung den wettbewerb zur „dienstleistungsbereitschaft“ des örtlichen einzelhandels. dazu konnten die leserInnen abstimmen, ob sie sich gut beraten und bedient fühlten. sind sie also bereit dienst am kunden zu leisten? was eine verkleisterung der eigentlichen interessen. die einen wollen verkaufen und die anderen kaufen. dazu bedarf es eigentlich keines grinsens und lächelns, sondern einfach nur eine angebots und einer umfassenden klaren kommunikation. doch so geht das heute nicht mehr. anscheinend nähern wir uns einem mix aus japanischen und us-amerikanischen handelsgepflogenheiten an. da ist zum einen das dienen, dass sich in einer tiefen verbeugung oder auch in einer form der unterwürfigkeit gegenüber den kaufwilligen äußert. und da ist zum anderen dieses klebrige wir-sind-so-gut-drauf- und eine-große-familie-gehabe, dass den eindruck einer verbrüderung hinterlässt, obwohl man nur sein geld in ware tauschen möchte.

und auf diesem mist wächst die kategorie der „dienstleistungsbereitschaft“, die den dienenden alles abverlangt (nicht ohne grund sind die psychosomatischen erkrankungen bei ewig grinsenden berufen stark verbreitet) und die kunden zu kleinkindern degradiert, die auch noch unterhalten werden müssen. doch es gefällt anscheinend und wird begrüsst. dann scheint das wort doch treffend. lasst uns alle snoozelen 😛

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