Tagesarchiv: 29. Juli 2009

biografisches schreiben und auseinandersetzungen

wie schon die letzte schreibidee thematisierte, gehört zum zusammenleben der menschen auch das streiten. es hat meist damit zu tun, dass die bedürfnisse und erwartungen zweier aufeinandertreffender menschen verschiedene sind und sich erst einmal die gegensätze gegenüber stehen. das hat damit zu tun, dass man sich noch so gut kennen kann, jedoch nie hunderprozentig wissen kann, was die partnerInnen oder andere menschen denken und fühlen. der streit ist dabei oft eine form der annäherung, kann aber auch zur endgültigen distanzierung führen, da sich lebenskonzepte voneinander entfernt haben.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte haben solche auseinandersetzungen ein großes gewicht, auch wenn sie gern unter den teppich gekehrt werden. wer schreibt schon gern über seine beziehungskrisen oder aus streits resultierende unversöhnliche feindschaften. so ist ein blick beim verfassen der eigenen biografie auf die erlebten streitigkeiten unumgänglich. wie weit man sie dann öffentlich macht, ist eine andere frage.

aber sich selber sollte man fragen, wie weit einen diese auseinandersetzungen verändert haben oder wieweit man sich, der / die andere im vorfeld verändert hat. Weiterlesen

schreibidee (143)

wenn der mensch beziehungen eingeht, dann glaubt er am anfang meist, dies wäre jetzt die schon so lang gesuchte harmonie, die ohne jede auseinandersetzung im vollständigen einvernehmen beider existiert. es dauert oft nicht lang und es zeigt sich, dass streit ein teil von beziehungen ist. so wie vor kurzem „hilde“ sich den koffer von anderen reisenden die treppe auf dem bahnhof rauftragen ließ und ihr gatte sie anschließend am treppenabsatz suchte, während sie schon im zug saß. alle mitfahrenden konnten anschließend an der streitigkeit teilhaben, die zu keiner lösung führte. so soll die schreibanregung sich dieses mal um „beziehungsstreitgeschichten“ drehen.

als einstieg können sicherlich die eigenen erfahrungen aller teilnehmerInen der schreibgruppe herangezogen werden. als erstes sind zwei kurze streitgespräche von je einer seite zu notieren. zum einen ein streit, der ergebnislos verlief, zum anderen einer, der zu einer lösung führte. beide gespräch können auf eigenen erfahrungen basieren, müssen es aber nicht. anschließend werden die gespräche in der gruppe vorgelesen.

nun finden sich immer zwei teilnehmerInnen zusammen, um im wechsel am dialog eines beziehungsstreits zu schreiben. der streit kann sich im laufe des schreibens entwickeln oder es kann direkt in den konflikt eingestiegen werden, ein grund wird von außen nicht vorgegeben. als anregung kann im vorfeld der streit um das gekochte ei von loriot entweder vorgelesen werden oder als film gezeigt werden. die streitdialoge werden im anschluss zusammen vorgelesen.

zum schluss sollen nun alle teilnehmerInnen eine längere „beziehungsstreitgeschichte“ verfassen. diese muss nicht ausschließlich ein dialog sein, es können auch die gedanken und berfürchtungen der streitenden wiedergegeben werden. auch der ausgang, ob konstruktiv oder destruktiv wird nicht vorgegeben. die geschichten werden anschließend in der schreibgruppe vorgelesen.

web 2.0 und lesen – ein zeitschriftentipp

die aktuelle ausgabe der zeitschrift „geo“ (august 2009) widmet sich in dem artikel „die revolution des lesens“ von johanna romberg der entwicklung des lesens im zusammenhang mit der entwicklung der modernen medien.

die auseinandersetzung um den einfluss des internets auf das lese- und schreibverhalten vieler menschen findet schon seit jahren statt. da stehen sich meist unversöhnlich die wahrer des bildungsbürgerlichen ideals den propagandisten einer digitalen revolution gegenüber. beide gruppen haben mit ihren positionen teilweise recht. ja, es verändert sich etwas, sowohl das schreiben als auch das lesen betreffend.

bis heute nicht geklärt ist, ob sich das schreiben und lesen aufgrund der neuen medien verändert oder aufgrund der neuen anforderungen bei bildung und im arbeitsleben wegen des einsatzes der neuen medien. das medium an sich kann nicht unbedingt einen einfluss haben, sondern die vertreterInnen, die die verwendung der medien steuern.

der artikel von frau romberg regt sicherlich den diskurs über die veränderungen an. vor allen dingen deshalb, weil er erfrischend unaufgeregt daherkommt. so zeigt sie auf, dass es schon immer veränderungen in der aneignung und weitergabe von wissen gegeben hat. was sollte also so bedrohlich an einer weiteren veränderung sein? ob diese entwicklung „gut“ oder „schlecht“ sein wird, kann kein mensch vorhersehen. sie wird anders sein. darum einfach lesen und weiterdiskutieren und vielleicht die entwicklung beeinflussen. http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_magazin/61305.html