Tagesarchiv: 30. Juli 2009

schreibpädagogik und schreibbuffet

schreibanregungen in einer schreibgruppe sind häufig in inhaltliche kontexte, in pädagogische konzepte oder in persönliche interessen der leiterInnen und teilnehmerInnen eingepasst. meist arbeiten alle teilnehmerInnen von schreibgruppen an identischen aufgaben und schreibideen. es geht auch um den vergleich der geschaffenen geschichten in den feedbackrunden und um die gemeinsamen entwicklungsschritte. diese vorgehensweisen machen viel sinn und haben sich bewährt.

doch im laufe von schreibgruppen oder schon im vorfeld, entwickeln viele teilnehmerInnen vorlieben für textsorten, für schreibanregungen oder für schreibsituationen. allen gerecht zu werden, ist ein mühsames unterfangen und lässt sich selten bewerkstelligen. hier bietet sich die möglichkeit, einmal ein „schreibbuffet“ einzurichten. sich orientierend an einem umfassenden essenbuffet, kann hier alles nebeneinander stehen: kalte gerichte neben warmen speisen, suppen, häppchen, süßes und auch salate. das dressing kann gewählt werden, die beilage zum gericht und vielleicht sogar die einlagen in die suppe.

ähnlich kann man ein schreibbuffet vorbereiten. es werden einfach diverse schreibanregungen und -ideen gesammelt zur verfügung gestellt. die teilnehmerInnen von schreibgruppen können für sich auswählen, was ihnen zu diesem zeitpunkt am meisten spaß machen würde. einziges beachtenswertes element bei einem vielfältigen schreibangebot sollte die ungefähr gleich lang zur verfügung stehende zeit sein. ansonsten sollte man sich nicht beschränken. es kann lyrik verfasst werden, geschichten oder dialoge. als anregungen können diverse medien, orte oder texte dienen. es sollten verschiedene schreibtechniken möglich sein. vielleicht lassen sich die anregungen ein wenig gegliedert in verschiedenen räumen organisieren. dadurch müssen sich die teilnehmerInnen nicht mit allen anregungen auseinandersetzen. hierfür sollte jedoch auch auf alle fälle genug zeit eingeplant werden. je größer das angebot, um so länger benötigen viele für die orientierung.

Werbeanzeigen

kreatives schreiben und heldInnen

der heldenepos ist eine alte form des schreibens, beziehungsweise eigentlich erzählens. den helden umgibt meist ein hauch von tragik, aber auch übermenschliche kraft oder leidensfähigkeit. der held ist kein einfacher protagonist, er ist die person, an der sich alles kristallisiert, meist die gesamte geschichte aufgehängt ist. heute sind sowohl helden als auch heldinnen denkbar. mit dem verschwinden mancher patriarchalen strukturen, verschwand auch der ausschließlich starke und meist siegende held.

doch das hat dem bild der heldInnen keinen abbruch getan. die aktuellen comics und actionfilme basieren auf der vorstellung von heldInnen, die in eine situation geschubst werden, die sie selbst nie gewählt hätten. oft setzen sie erst dann ihre wahren kräfte frei, von denen sie vorher selber noch nicht wussten. sie wachsen über sie hinaus. natürlich ein heilsversprechen, das so selten menschen bewerkstelligen können. deshalb verpuffen im realen leben heldInnen meist schnell, denn wer möchte schon perfekt sein.

möchte man aber einmal eine geschichte eines perfekten, tragischen und doch so mitfühlenden menschen schreiben, dann wähle man die figur von held und heldin, dann schreibe man kleine und große epen, die sich nicht um reale situationen kümmern. wer nicht weiß, wie dies umgesetzt werden kann, schaue sich manchen hollywood-blockbuster an und orientiere sich an den hauptfiguren.

schon beim entwurf der protagonistInnen frage man sich, welche details zur person und zu ihren eigenschaften, erst im laufe der geschichte zu tage treten sollten. hier sollte man sich keine grenzen setzen. wie bei „x-men“ lassen sich selbst der körper und die sinne verändern. das wunderbare an heldenepen ist es, dass kein leser, keine leserin nachfragt, ob dies denn so sein kann. es wird akzeptiert, dass die realität anders aussieht. selbst das märchen mit seinem häufig moralischeren anspruch steckt in einem engeren korsett.