Tagesarchiv: 13. August 2009

schreibidee (147)

da sich berlin gerade darauf vorbereitet, dass eine ganze menge menschen hier rennen, werfen und andere körperliche anstrengungen ausüben, erscheint mir eine schreibanregung mit sportlichem flair als angemessen. darum wird es dieses mal um ausdauersportarten gehen, die eines gemeinsam haben: neben der körperlichen anstrengung haben die sportlerInnen viel zeit. es sollen „ausdauersporttexte“ verfasst werden.

denn, was denkt ein marathonläufer, während er so dahintrabt? oder, was betrachten radfahrerinnen bei ganzen rundfahrten? wie gehen triathleten für gedanken durch den kopf? hier können die sportarten eine art klammer der geschichten bilden, also als rahmen einer erlebten geschichte dienen, aber auch reflexive anstrengungen einleiten oder landschaftsbeobachtungen beinhalten.

der einstieg kann ein sehr beweglicher sein, wenn alle teilnehmerInnen der schreibgruppe ein fahrrad besitzen. denn dann könnte eine kleine radtour unternommen werden und alle teilnehmerInnen werden zur selbstbeobachtung aufgefordert. was denken sie während die tour stattfindet, was geht ihnen durch den kopf? es sollte möglichst wenig gesprochen werden und aus eigener erfahrung wird viel zeit damit verwendet werden, nicht auf die vor einem fahrenden aufzufahren. und doch regt körperliche bewegung so manche gedanken an.

ist dies nicht möglich kann natürlich auch erst einmal gesammelt werden, was es für ausdauersportarten gibt, es können cluster dazu erstellt werden und es kann gesammelt werden, welche sportart, welche beobachtungen zulässt. es kann ein kurzer text dazu verfasst werden, wie sportlerInnen mit ihrem inneren schweinehund diskutieren. es kann überlegt werden, welche gedanken zum aufgeben beim wettbewerb führen.

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„ruhm“ von daniel kehlmann – ein buchtipp

kurzgeschichten haben den großen vorteil, dass sie sich schneller lesen lassen als romane und eine unterbrechung des lesens nach einer geschichte, keinen einfluss auf das gesamtverständnis des buches hat. dem ist nicht ganz so in dem buch „ruhm“ von daniel kehlmann, denn es handelt sich um einen „roman in neun geschichten„.

jede geschichte kann ohne schwierigkeiten für sich allein stehen. doch bei genauem lesen fällt auf, dass die geschichten miteinander verknüpft sind. teilweise nur am rande, teilweise durch perspektivwechsel und teilweise durch zeitliche verschiebungen. dabei drehen sich viele geschichten um die schwierigkeiten der menschen, miteinander zu kommunizieren. das buch handelt von missverständnissen, von sprachbarrieren oder von schwierigkeiten auf einer lesetour.

meist beginnen die geschichten mit einer recht profanen angelegenheit, wie es die kurzgeschichte mag, um dann einem höhepunkt zuzusteuern, der an witz und absurdität selten zu wünschen übrig lässt. wenn man sich dann das gesamtnetzwerk der verwobenheit der protagonisten am schluss betrachtet, dann fragt man sich schon, wie eigentlich so viel geredet werden kann, ohne dass es den gewünschten effekt hat. wieviel doch wiederum vom zufall oder von persönlichen stimmungen abhängig ist, ob kommuniziertes zum erfolg führt. und eines lässt sich auch festhalten, die modernen kommunikationsmittel und -formen kommen nicht unbedingt gut dabei weg.

also ein kurzweiliges buch mit gesellschaftlichem tiefgang und humor. es wurde vom rowohlt-verlag in reinbek bei hamburg 2009 veröffentlicht. ISBN 978-3-498-03543-3