nabelschau (22)

qual der wahl. der wahlkampf ist eröffnet und er scheut sich nicht, soweit dies ein wahlkampf kann, sehr inhaltslos daherzukommen. es wird eher auf platitüden gesetzt, obwohl man momentan anderes erwarten sollte. es wäre zu vermuten, dass nach all den finanzdebakeln und verfassungskorrekturen, ein wenig die nerven bloß liegen und mal wieder politisch gestritten wird.

doch anscheinend hat man in diesem land den diskurs um wirkliche gesellschaftliche prozesse und entwicklungen verlernt. man echauffiert sich über dienstwagen, wirbt mit oberweiten und hinterteilen, ja, man verspricht konstantes, bewahrendes. doch was wäre zu bewahren? die einzige veränderung, die angesprochen wird, ist der abbau der arbeitslosigkeit. dabei stellt sich heraus, dass die unterschiede zwischen den parteien vor allen dingen ein zahlenspiel sind.

da bietet die spd vollbeschäftigung in geraumer zeit, die cdu will sich doch nur auf mehrere millionen festlegen und die grünen zählen eine million abbaubarer arbeitslosigkeiten. man könnte das spiel eröffnen: „wer bietet mehr?“ (oder weniger). in die eine richtung ließe sich die steigerung vorstellen, vollbeschäftigung bis zum 75sten Lebensjahr, fehlen uns doch sowieso Arbeitnehmer in den nächsten Jahren und verlängert sich die Beschäftigungsdauer von Jahr zu Jahr.

oder aber die linke wird ihrem namen noch einmal gerecht und verspricht anstatt der schaffung von arbeitsplätzen endlich die weltrevolution. doch auch damit ist nicht zu rechnen. dann müsste man sich nicht in zahlenspielen ergehen, deren begründung bis heute überall ausbleibt. warum sollten ausgerechnet 6 millionen, oder drei oder eine million neue arbeitsplätze entstehen. worauf basieren diese schätzungen? wie rechnet man so etwas aus?

das traurige an diesem wahlkampf ist aber, dass sich die politik in ihrer politischen form dadurch gerade selber abschafft. erinnert man sich noch an den wahlkampf um die amerikanische präsidentschaft, um die danach eingeführte wende des politischen agierens und handelns. wie wäre es einmal mit der äußerung, dass sich bei uns eine ganze menge ändern müsse (hoppala, dabei wurde gerade gestern gemeldet, die rezession sei vorbei) abseits von zahlenspielen? und wie wäre es einmal mit einer differenzierten analyse des gesellschaftlichen zustands? es bleibt zu hoffen, dass wir einmal zu einem diskurs zurückfinden.

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Eine Antwort zu “nabelschau (22)

  1. …. wie wäre es einmal mit einem positiven Gedanken zu unserem Land? … nur einem einzigen, vielleicht würde der schon eine Wende zum Guten für alle bewirken …

    Was könnte die Politik wirklich tun, um Arbeitsplätze zu schaffen, um Renten zu sichern, um die Natur zu schützen. Ich glaube nicht, dass unsere Politiker in Berlin etwas nicht tun würden, wenn es so sehr einfach wäre. Vorschriften, Gesetze, neue Regeln … ist es das, was Veränderung bewirken würde? Ist es das, was das Land braucht?

    Ich denke, da muss jeder einzelne von uns das Seine dazu tun. Und ganz ehrlich das einzige, was mir im Moment einfällt, was ich tun könnte, der überaus negativen Stimmung so wenig wie möglich Raum einzuräumen.

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