Tagesarchiv: 23. Januar 2010

schreibidee (162)

im alltag erlebt man im öffentlichen raum oft kurze ausschnitte aus einer längeren handlung. man schnappt einen gesprächsfetzen auf, man sieht eine handlung oder man erlebt eine reaktion. die hintergründe sind einem unbekannt, doch oft genug fängt man gleichzeitig an, darüber zu spekulieren, was diesem ereignis vorangegangen sein könnte. ähnliches soll in dieser schreibidee geschehen, nur nicht aufgrund von alltagserlebnissen, sondern mit hilfe von bildern. es werden „was-geschah-vorher-geschichten“ geschrieben.

den teilnehmerInnen der schreibgruppe wird eine auswahl sehr verschiedener bilder zur verfügung gestellt. alle wählen sich jeweils zwei bilder aus. davon sollte eines ein stilleben sein und das andere das abbild einer handlung. zu beiden bildern schreibt man nun die vorgeschichte auf ungefähr eine seite.

die bilder werden nun an die jeweiligen nachbarInnen in der schreibgruppe weitergegeben. diese schreiben ihre eigene vorgeschichte zu den bildern. im anschluss werden die bilder mit ihren zwei vorgeschichten vorgestellt. dies bietet einen schönen vergleich der fantasien der teilnehmerInnen.

nun wählen sich alle abermals ein neues bild aus. dabei gibt es keine vorgaben. es ist eine längere „was-geschah-vorher-geschichte“ zu schreiben. im anschluss wird das bild mit der vorgeschichte wieder an nachbarInnen weitergegeben. doch dieses mal schreiben alle die vorgeschichte zur vorgeschichte. das bedeutet, sie lesen sich den text ihrer kollegInnen durch und überlegen sich, was denn eine gewisse zeit vorher noch geschehen sein könne. dabei muss kein bezug mehr auf das bild genommen werden. dieser schritt kann noch einmal in der schreibgruppe vorgenommen werden, um im anschluss die langen geschichten bis zu dem bild vorzutragen. und plötzlich hat man kleine erzählungen, deren schluss eine fotografie darstellt.

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schreibidee (161)

wenn man seine aussage, die man in einem gespräch oder in einer diskussion getroffen hat, noch ein wenig untermalen und unterstreichen möchte, dann kommt ein „zitat“ aus dem allgemein bekannten „zitatenschatz“ ganz gut. gern eingeleitet wird solch eine sinnspruch oder aphorismus mit sätzen wie, „meine großmutter pflegte immer zu sagen: …“. so erinnern sich sicherlich viele an kleine lebensweisheiten, die ihnen mit auf den weg gegeben wurden. da diese weisheiten nicht selten eine metaphorische sprache sprechen, sollen sie in der schreibidee mal beim wort genommen werden und dadurch „zitatenschatz-texte“ entstehen.

der schreibgruppe wurde im vorfeld eine hausaufgabe gegeben. alle sollten sich entweder sprüche und weisheiten, die ihnen im laufe der zeit bis zum nächsten gruppentreffen begegnen, notieren oder aussagen notieren, die sie von anverwandten und bekannten immer hören mussten. so zum beispiel die klassiker von „die zeit heilt alle wunden“, wenn man verletzt wurde, oder einen spruch, den jeder langschläfer kennt „morgenstund hat gold im mund“ und dergleichen mehr. diese sprüche werden zusammengetragen. als anleiterInnen der gruppe können sie noch einige beispiele zitatenschätzen hinzufügen.

die nächste aufgabe besteht darin, selber zwei drei sprüche mit ähnlichen aussagen zu erfinden. so können dabei zum beispiel sprüche entstehen, wie „wer einen fisch an land bringt, sollte sich nicht über dessen schnappatmung wundern“ oder „wenn einem der kragen platzt könnte auch das hemd zu eng gewesen sein“. die sprüche werden in schreibgruppe kurz vorgestellt.

doch nun wendet man sich wieder den klassikern zu und alle teilnehmerInnen wählen sich jeweils einen aus. dieser soll nun wörtlich genommen und eine geschichte daraus formuliert werden. wenn man also „die zeit heilt alle wunden“ wählt, dann sollte die geschichte von der „zeit“ als wesen handeln, das vielleicht als arzt auf dem land lebt und sich vor allen dingen verletzten seelen widmet, um diese mit einem ganz speziellen pflaster zu heilen. diese geschichten werden anschließen vorgelesen.