Tagesarchiv: 27. Januar 2010

das internet konnte sich wegen der lebensbedingungen so weit entwickeln

der diskurs über das ausufernde internet, das den menschen aus der hand gleitet, das sie süchtig macht und das kaum mehr zu beherrschen ist, verkennt die entwicklung des netzes. eigentlich geht das web, vor allen dingen auch das web 2.0 den konsequenten gang einer entwicklung, die viele technologien hinter sich haben.

man sehe sich nur die inzwischen zu „windparks“ vereinten windräder an, die eine technologie aufgreifen, die vor jahrhunderten schon die windmühlen nutzten. damals wurde die gewonnene energie zum mahlen des korns genommen, heute zur eindämmung des klimawandels. oder wer hätte vor etlichen jahrzehnten geglaubt, dass das fahrradfahren wieder boomen würde, wo doch der pkw das maß aller dinge war? technologien boomen immer dann, wenn sie gesellschaftlich gebraucht werden, sich in die herrschenden lebensbedingungen perfekt einpassen und einen (wenn auch teilweise fraglichen) effekt haben. der effekt muss sich für den menschen lohnen.

es ist also nicht das internet, das uns in seinen bann schlägt und in vielen zusammenhängen schon als selbstagierendes wesen beschrieben wird, das unser denken verändert. es sind wir, die wir uns verändert haben, eine technologie aufgreifen und ihr aus einem bedürfnis heraus sehr viel raum in unserem leben geben. man kann dies als gut oder schlecht empfinden, man kann die technologie positiv oder negativ nutzen, aber man kann sie schwerlich verteufeln, denn dann hat man aus den augen verloren, dass es eine technologie ist.

so kann ein auto zur fahrt zum treffen des freundeskreises verwendet werden und die eigene soziale einbettung verbessern helfen, einem flexibilität bei der fortbewegung dorthin verschaffen, wie es die bahn zum beispiel (und heutzutage im besonderen) nicht schafft. ein auto kann aber auch zum transport von waffen in kriegsgebiete verwendet werden, Weiterlesen

am rande (02)

powerpoint und mit dessen hilfe erstellte präsentationen haben schon längst den ort der ernsthaften arbeit oder die hallen der wissenschaft verlassen. schon seit ein paar jahren gibt es so genanntes „powerpoint-karaoke“, bei dem zufällig im netz ausgewählte präsentationen in einer performance durch menschen vorgetragen werden. das interessante daran ist das zusammenspiel eines menschen mit einer präsentation, die ihm im vorfeld vollkommen unbekannt ist. hier sind witz und spontanität gefragt, zwei eigenschaften, die bei normalen präsentationen nicht selten vollständig fehlen.

am meisten kommen noch bekannte motivationstrainer in ihrer perfomance dem powerpoint-karaoke nahe. doch auch sie glauben an die knackigen botschaften des von ihnen präsentierten und versuchen durch schauspielerische leistungen dem ganzen noch nachdruck zu verleihen. solche, in der kapitalistischen welt verbreiteten präsentationen mit ihren präsentierern, die auch im netz als filme abzurufen sind, greift armin chodzinski auf, bringt sie abermals auf die bühne und zeigt dem zuschauer die zumutung, die mit den botschaften, den darstellern und der präsentation rübergebracht wird. denn es geht nicht allein um die präsentation. die präsentation passt hervorragend in ein gefüge der kapitalistischen mehrwertschöpfung, die die einzelne arbeitskraft auf linie bringen muss, damit ihre effizienz und ihr potenzial vollen einsatz für die „sache“ bringen.

so widmet sich chodzinski in seinen arbeiten und performances, der aufdeckung gesellschaftlicher bedingungen. einen kleinen ausschnitt gibt seine homepage unter: http://www.chodzinski.com/ . und besonders hübsch ist die performance, die all den werbe- und motivationstrainings raum gibt, die einem so absurd erscheinen aber ernst gemeint sind. sie finden sich in diesem film: http://www.vimeo.com/7270314 .