das internet konnte sich wegen der lebensbedingungen so weit entwickeln

der diskurs über das ausufernde internet, das den menschen aus der hand gleitet, das sie süchtig macht und das kaum mehr zu beherrschen ist, verkennt die entwicklung des netzes. eigentlich geht das web, vor allen dingen auch das web 2.0 den konsequenten gang einer entwicklung, die viele technologien hinter sich haben.

man sehe sich nur die inzwischen zu „windparks“ vereinten windräder an, die eine technologie aufgreifen, die vor jahrhunderten schon die windmühlen nutzten. damals wurde die gewonnene energie zum mahlen des korns genommen, heute zur eindämmung des klimawandels. oder wer hätte vor etlichen jahrzehnten geglaubt, dass das fahrradfahren wieder boomen würde, wo doch der pkw das maß aller dinge war? technologien boomen immer dann, wenn sie gesellschaftlich gebraucht werden, sich in die herrschenden lebensbedingungen perfekt einpassen und einen (wenn auch teilweise fraglichen) effekt haben. der effekt muss sich für den menschen lohnen.

es ist also nicht das internet, das uns in seinen bann schlägt und in vielen zusammenhängen schon als selbstagierendes wesen beschrieben wird, das unser denken verändert. es sind wir, die wir uns verändert haben, eine technologie aufgreifen und ihr aus einem bedürfnis heraus sehr viel raum in unserem leben geben. man kann dies als gut oder schlecht empfinden, man kann die technologie positiv oder negativ nutzen, aber man kann sie schwerlich verteufeln, denn dann hat man aus den augen verloren, dass es eine technologie ist.

so kann ein auto zur fahrt zum treffen des freundeskreises verwendet werden und die eigene soziale einbettung verbessern helfen, einem flexibilität bei der fortbewegung dorthin verschaffen, wie es die bahn zum beispiel (und heutzutage im besonderen) nicht schafft. ein auto kann aber auch zum transport von waffen in kriegsgebiete verwendet werden, und nichts anderes verursachen, als die ausweitung der kampfeshandlungen und den nachschub an tötungsgeräten, die das gegenteil von sozialer einbettung bewirken.

in gleichem maße bietet die computertechnologie, deren vernetzung und somit die digitale revolution nichts anderes, als die möglichkeit, vereinzelten menschen die basis für kontakte und für informationsbeschaffung zu stellen. vereinzelt sind die menschen aber nicht durch das web, vereinzelt sind sie durch den kapitalistischen druck der globalisierung und der neoliberalisierung. als es möglich wurde solidarisches verhalten aufzubrechen und die verantwortung für das lebensglück wieder dem einzelnen zuzuschanzen, fand sich der mensch in einer zwickmühle. zum einen trug er die verantwortung für seine gesamte entwicklung und die solidargemeinschaft, die ihm in notlagen unter die arme griff, existierte kaum mehr. also richtete er sein leben ganz nach den anforderungen an ihn aus. er machte sich flexibler, ortsungebundener, billiger und ein leben lang lernend, um zu genügen. gleichzeitig sollte er aber möglichst viele menschen erreichen können und für viele erreichbar sein, um seine tätigkeiten koordinieren zu können und „just in time“ zu produzieren.

da wurde eine technologie aufgegriffen, die all diese prozesse vereinfacht. erst mit dem fax, dann mit dem schnurlosen telefon, in der folge dem handy, dann die mail und nun die kommunikationsformen, die handy, mail und zeitgleich informationsbeschaffung miteinander verschränken. die arbeit kann in vielen bereichen, in denen kein schweres gerät notwendig ist, von allen orten der welt aus ausgeübt werden. das schafft neue formen der wertschöpfung, aber vor allen dingen, die verschränkung von privatem und freizeit. die arbeitszeitstrukturen lösen sich auf, flexibilität bedeutet, keine klar strukturierten pausen mehr einzulegen. es wird eben „just in time“ produziert. der mensch würde auf die barrikaden gehen oder zumindest psychisch unter den folgen leiden, wenn er durch seine flexibilisierung gar keine soziale einbettung mehr erfahren würde. also nutzt er die technologie auch wieder ein individueller eigenverantwortung, um überhaupt noch kontakt zu anderen menschen aufnehmen zu können.

da verwundert es nicht, dass das internet so boomt. und erst jetzt beginnt der diskurs richtig, ob wir so überhaupt leben wollen. doch in der zwischenzeit ist der mehrwert, den die technologie des web schafft, schon längst abgeschöpft. aber auch das ist keine neue entwicklung. erst kamen die spinnmaschinen und die montanindustrie und dann überlegten sich die abhängigen arbeitskräfte, ob sie diese form der arbeit überhaupt wollten und wie sie sie einfluss nehmen können. um so spannender wird es werden, wie wir in zukunft einfluss auf die verwendung der technologie nehmen. mit verteufelung überlassen wir sie weiter anderen und beteiligen uns nicht an der weiteren gesellschaftlichen entwicklung.

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