digitale kommunikation – eine zwiespältige angelegenheit

die möglichkeiten miteinander zu kommunizieren haben durch die digitalisierung der umwelt zugenommen. abseits der alten formen der snailmail, des telefonierens und des faxens sind inzwischen noch der chat, die sms, das twittern und letztendlich auch das bloggen, sowie das voipen und die online-konferenz hinzugekommen.

auffällig bei den neueren kommunikationsarten ist die erwartung, sich kurz zu fassen. würden im chat längere ausführungen getippt, säße der andere vor seinem computer und würde däumchen drehen oder sogar den chat verlassen, da er mit keiner antwort mehr rechnet. twitter und sms beschränken die länge der nachricht schon von der verwendeten zeichenzahl her. wenn man dann doch viel mitzuteilen hat, wird eher zur mail oder eben doch wieder zum telefonieren, nur über das internet, also dem voipen gegriffen. oder es wird eine sms nach der anderen versendet. nicht ohne grund bieten inzwischen fernsehsender 5000 sms für ca. 15 euro an. das bedeutet, man versendet pro tag ungefähr 160 sms. letztendlich wachsen einem dann die finger am handy fest.

erst einmal ließe sich die kommunikation auf den nenner „in der kürze liegt die würze“ bringen, doch langfristig betrachtet, werden dabei gedankengänge in häppchen zerhackt und es wird schwer werden eine überlegung am stück zu übermitteln. dazu kommt, dass sich selten jemand in ein ruhiges kämmerlein zurückzieht, um von dort aus per sms oder twitter zu kommunizieren. beim bloggen kann das schon anders aussehen, ebenso beim kommentieren eines posts. doch auch hier wird man schnell von anderen darauf aufmerksam gemacht, dass man sich doch kürzer fassen solle, da sonst die texte oder anmerkungen nicht gelesen würden. oft genug läuft auch das bloggen neben anderen tätigkeiten her.

das bedeutet letztendlich aber, dass die kommunikation in vielen zusammenhängen nicht die volle aufmerksamkeit bekommen kann. erst einmal muss das dem austausch von gedanken und der erzählung von ereignisse keinen abbruch tun. hat man doch früher oft genug neben dem telefonieren gebügelt, geschirr gespült oder auch schnell etwas in den computer getippt. schwierig wird es erst dann, wenn nachgedacht werden muss, während des gesprächs. das denken von zwei gedanken gleichzeitig ist schier unmöglich. beim telefonieren war es dann üblich, dass man die anderen tätigkeiten sein ließ, sich irgendwo hinsetzte und in ruhe weitersprach.

die heutigen kommunikationsformen bieten aber kaum diese ausweichmöglichkeit oder alternative. ich kann eine sms oder eine nachricht über twitter nicht einfach verlängern. eine konsequenz könnte es sein, dass sich die soziale interaktion auf häppchen reduziert und somit selten den smalltalk-modus verlassen kann. es wird digital verstärkt geplappert. und es sinkt die aufmerksamkeit für die worte des anderen. gleichzeitig bieten aber die digitalen formen eine unglaubliche geschwindigkeit in der kommunikation und die erreichbarkeit vieler menschen gleichzeitig. mails kann ich dann noch texte, bilder, filme oder musik anhängen, was aus briefen schon päckchen oder pakete machen würde.

immer mehr menschen äußern, dass sie diese art der kommunikation nicht für sehr befriedigend halten. dazu kommt sicherlich, dass neben den häppchen, die digitalisierung nicht in absoluter echtzeit stattfindet. es ist die übertragung dazwischengeschaltet. auf der einen seite suggeriert die technik, dass ich in direktem kontakt zu jemandem stehe, auf der anderen seite ahne ich, dass im hintergrund viel stattfindet, das ich nicht durchschaue und nicht einschätzen kann. man sehe sich nur den ausführlichen header einer mail an und fragt sich, was da eigentlich alles hin und her gesendet wird, bevor ich den text lesen kann. das macht viele menschen der digitalen kommunikation gegenüber misstrauisch. es wird immer schwerer überprüfbar, ob das, was ich lese auch wirklich von der person kommt, die ich mir gerade vorstelle. den brief konnte ich noch an der handschrift erkennen, beim telefongespräch war es die stimme.

wahrscheinlich ist man heute aufgefordert, auf der klaviatur der kommunikationsmöglichkeiten immer die passende technik für den jeweiligen anlass zu wählen. das fordert mich auf, beständig zusätzliche entscheidungen zu treffen, die einen unter druck setzen können. doch es wird ungern zugegeben, dass digitalisierte kommunikationen einen sowohl anstrengt als auch unzufrieden zurücklässt. bekommt man doch in diesen momenten schnell das gefühl mit den aktuellen entwicklungen nicht mithalten zu können. ein wenig mehr gelassenheit könnte da hilfreich sein. die wichtigen nachrichten und informationen werden einen schon erreichen, zur not dann noch einmal mit snailmail.

Eine Antwort zu “digitale kommunikation – eine zwiespältige angelegenheit

  1. Also, ich finde, die vielen neuen Möglichkeiten wiegen die Nachteile bei weitem auf! gerade das Bloggen bietet doch Länge nach Belieben. Ob ich damit Leser anlocke, werde ich merken, die Länge passt sich dann schon an. Aber die Möglichkeit, mich mit vielen Lesern direkt über meine Texte austauschen zu können, macht mir viel weniger Stress als im Kämmerlein darüber zu grübeln, ob mein Verleger irgendwann einmal den Text gut findet. Ebenso sind die Anregungen die ich über andere Blogs oder auch SMS erhalte eine solche Bereicherung, dass sie mir eher Energie geben als mich unter Druck zu setzen.

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