verändert die digitale revolution unser denken?

ja!

nur, was ist so schlimm daran? in letzter zeit kommen diskussionen auf, die aufgeteilt werden können in kulturpessimistische haltungen und technikglorifizierende. dazwischen gibt es wenige äußerungen. die digitale revolution beeinflusst uns. und wie schon im ersten beitrag zu diesem thema aufgezeigt, unterscheiden sich die veränderungen nicht sehr von den veränderungen nach der erfindung des buchdrucks. um noch einmal kurz bezug darauf zu nehmen: auch die verbreitung der bücher und die folge, dass immer mehr menschen lesen konnten, hat sicherlich das denken der menschen verändert.

unser gehirn hat viele kapazitäten und einen großen spielraum. wie wäre es sonst bei einem schlaganfall möglich, dass andere regionen des gehirns aufgaben der geschädigten bereiche übernehme können? das gehirn schein variabler und flexibler als der „mensch“ oder zumindest seine theoretischen gedankengebäude. also ist es für das menschliche gehirn auch möglich, sich den technischen neuerungen, oder besser geschrieben den möglichkeiten, die die technischen neuerungen eröffnen, anzupassen und diese sich nutzbar zu machen.

in diesen momenten werden mit sicherheit neue bereiche des gehirns verschaltet. das fängt schon mit den bewegungen an. das lernen des 10-finger-schreibsystems ist nichts anderes, als sein gehirn auf neue abläufe zu trainieren, die einmal gelernt, schwer wieder verlernt werden können. diskutiert werden die veränderungen durch die digitale revolution meist nur als defizite. so lesen wir nicht mehr in büchern, und das lesen in büchern wird gleichzeitig als die intellektuell hochwertige beschäftigung beschrieben. so können wir nur noch schwer kopfrechnen, da dies vom taschenrechner abgenommen wird. in manchen äußerungen erscheint der mensch durch die digitale revolution hohl und leer zu werden.

die andere seite fordert den menschen auf, sich den computern und ihren funktionsweisen besser anzupassen, um sie voll ausschöpfen zu können. da werden programme geschrieben, die schwer zu bedienen sind, da sie ein mathematisch logisches denken erfordern, da sie auffordern die gedankengänge der programmiererInnen nachzuvollziehen. der erfolg von apple basiert aber auch auf der bedienungsfreundlichkeit, soll heißen produkte herzustellen, die eher den bedürfnissen der menschen folgen, anstatt den menschen aufzufordern den produkten zu folgen. und selbst diese intuitiver zu bedienenden produkte, verändern unser denken, da sie ganz neue abläufe vermitteln. wir müssen nicht selber zu computern werden, um die digitalisierung für uns zu nutzen.

leider werden die veränderungen des denkens meist evolutiv diskutiert. das heisst, der mensch kann nicht mehr entscheiden, welche kulturtechnik er wie stark nutzen möchte, sondern, sein gehirn ist im laufe der nächsten generationen so auf computer geeicht, dass es kein zurück mehr gibt. hier wird außer acht gelassen welche bandbreite das gehirn des menschen bietet. nicht ohne grund propagiert man inzwischen das lernen auch noch im hohen alter. es ist möglich. wir können auch im hohen alter noch neue verknüpfungen im gehirn herstellen, uns ein anderes denken „erlernen“. es benötigt etwas mehr zeit, aber es ist machbar. wir müssen nicht durch evolutionäre entwicklungen gehen, um anders zu denken.

wir müssen uns nur überlegen, wie wir in zukunft das andere denken gestalten wollen. computer ermöglichen uns einzelnen menschen plötzlich tätigkeiten, die früher nur die jeweiligen berufsgruppen ausüben konnten. wir können filme drehen, sie schneiden, mit musik unterlegen, untertitel hinzufügen, die musik selber komponieren, die bilder bearbeiten, animationen einfügen, animationen erstellen, die filme im internet veröffentlichen, diskussionen darüber moderieren, schriftlich diskurse auf einer eigens dafür eingerichteten homepage veröffentlichen… wir können also vieles mit einem einzigen gerät bewerkstelligen für das früher dutzende geräte notwendig waren, kenntnisse in allen professionen voraussetzung waren und größere summen für die verwirklichung notwendig wurden.

man kann den computer also auch als schweizer taschenmesser der kreativität verstehen, das es jedem ermöglicht die dinge zu nutzen, die er gerade braucht und die ihm spaß machen. und dadurch eignen wir uns viele neue fähigkeiten an, von denen wir früher gedacht hätten, dass wir sie nie lernen werden, geschweige denn können. man kann den computer und das internet also auch als erweiterung unserer möglichkeiten begreifen. natürlich wird dadurch unser denken verändert und beständig beeinflusst. kritischer zu sehen ist, ob wir alles, was als entwicklung gepredigt wird, mitmachen müssen. warum muss ich mit einem handy über gps meinen genauen standort wissen und diesen anderen bekannten am besten über twitter mitteilen? was sollen die anderen mit dieser information anfangen, wenn sie mich nicht gerade suchen? na ja, höchstens ich befinde mich gerade unerwarteter weise auf dem mount everest und möchte damit meine bekannten erstaunen. nicht jede folge der digitalen revolution muss eine großartige sein. oder möchte jemand sagen, die bild-zeitung wäre eine grandiose errungenschaft des buchdrucks?

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