Tagesarchiv: 2. Februar 2010

schreibaufgabe (27)

sowohl das schreiben als auch das internet sind möglichkeiten, sich anderen mitzuteilen und zu erklären. doch der versuch andere für sich einzunehmen, das interesse bei anderen an einem selber zu wecken, ohne zu viel von sich preiszugeben ist eine beständige gratwanderung. also bietet sich die möglichkeit in andeutungen zu sprechen, zu schreiben oder darzustellen an. ich nehme eine andere rolle ein, um von mir zu berichten.

die folgende schreibaufgabe greift den „rollenwechsel“ auf und macht ihn an dingen fest. beschreiben sie sich über anderes. das mag jetzt verwirrend klingen und lässt sich leichter in fragen formulieren: wenn sie eine seife wären, was wären sie für eine seife? wenn sie ein tier wären, was wären sie für ein tier? wenn sie ein gemüse wären, was wären sie für ein gemüse? oder wenn sie ein autoteil wären, was wären sie für ein autoteil?

aufgabe ist es auf einer seite (also, was sie unter einer seite verstehen) eine beschreibung eines dings zu verfassen, die gleichzeitig sie mitbeschreibt. das überlässt den leserInnen die freiheit der deutung und ihnen das versteckspiel hinter dem ding. wenn sie zum beispiel ein tiger mit besonders breiten streifen wären, ist es an den leserInnen, sich zu fragen, was sie damit wohl sagen wollten. doch sie wissen für sich, warum die streifen so breit sind. wer das interesse bei den anderen noch ein wenig steigern möchte, kann einfach mehrere beschreibungen formulieren, die ein gesamtbild abgeben. so könnte man sich ganze essensgerichte, einen zirkus oder eine besenkammer vorstellen, deren bestandteile und akteure alle sie sind. überraschen sie uns mit sich. und achten sie darauf nicht zu viel von sich preiszugeben, ist ja nur ein spiel.

was bietet die schreibpädagogik?

erst einmal ein weites feld. um der schreibpädagogik näher zu kommen, ist es notwendig zu fomulieren, was sie nicht bietet. die schreibpädagogik ist keine „rechtschreibpädagogik“. erst in den letzten schritten geht es auch um die korrektur der texte und geschichten, die entstanden sind. aber es geht nicht um rolle des klassischen diktats oder aufsatzes aus dem schulunterricht, deren augenmerk meist auf der korrekten ausdrucksweise und rechtschreibung liegen. die schreibpädagogik ist eher ein spielplatz der möglichkeiten. die schreibpädagogik ist auch keine „sprachwissenschaft“, die bemüht ist, den wendungen und formulierungen des aktuellen sprachgebrauchs vollständig auf den grund zu gehen. dies kann geschehen bei der betrachtung, wie ein text wirkt, welche assoziationen er auslöst und wenn ein feedback in einer schreibgruppe zu tage fördert, dass das was die zuhörerInnen erfassen sich stark von dem unterscheidet, was die autorInnen ausdrücken wollten. doch ziel der schreibpädagogik ist nicht die umfassende sprachanalyse. die schreibpädagogik ist auch kein „schreibmotivationsprogramm“. wenn jemand nicht schreiben möchte, ist das nicht schlimm und muss nicht auf teufelkommraus gefördert werden. die schreibpädagogik greift eher die lust der einzelnen auf. und die schreibpädagogik dient nicht ausschließlich einem ziel, wie zum beispiel einen tollen wissenschaftlichen text zu verfassen oder korrekte, aussagekräftige geschäftsbriefe zu formulieren. die schreibpädagogik versucht wahrscheinlich eine grundlage für viele schriftliche ausdrucksformen zu legen. wohin dann die einzelnen tendieren ist der schreibpädagogik erst einmal egal. doch was bietet sie nun? Weiterlesen