schreibpädagogik und assoziationstechniken

häufig äußern menschen, die bisher selten zum stift gegriffen und eigene geschichten niedergeschrieben haben, dass sie gar nicht wissen worüber sie schreiben sollen. die einfachste variante besteht darin, darüber zu schreiben, was man im laufe des tages erlebt hat. doch manchmal erscheint einem der eigene alltag in der rückschau doch eher durchschnittlich und nicht würdig anderen mitgeteilt zu werden. also sucht man nach weiteren anhaltspunkten.

sollte für einen selber nicht gerade ein wort oder begriff wie „blutwurst“ oder „städtebau“ im raum stehen, den man aufgreifen möchte und zu dem einem eine geschichte einfällt, benötigt es anderer hilfsmittel, um zu einer schreibidee zu gelangen. die schreibpädagogik bündelt eine menge assoziationsmöglichkeiten und -techniken, die die ideenfindung vorantreiben können.

nehmen wir nur einen ganz einfachen begriff, wie zum beispiel „haus“. probieren sie mal in einer gruppe oder für sich selber zu verschiedenen zeiten, zehn worte zu notieren, die ihnen zu dem begriff einfallen. schnell fällt auf, dass es einen unendlichen pool an assoziationen gibt, der in jedem menschen schlummert. und es zeigt sich, dass der pool bei jedem menschen, zu jeder uhrzeit und in jeder stimmung ein anderer ist. selten gleichen sich die assoziationen von zwei menschen. so kann einem zu „haus“ zum beispiel „heizung“, „dach“, „schnecke“, aber auch „explosion“, „blockwart“ oder „lotterie“ einfallen.

die schreibpädagogik macht sich diese vielfalt der gedankenverknüpfungen zu nutze, indem sie mit hilfe verschiedener techniken, die menschen auffordert ihren ideen nachzugehen. aus dem wust von assoziationen ist dann einfach die auszuwählen, die man selber gerade am interessantesten findet. denn es ist damit zu rechnen, dass die am meisten mit emotionen besetzte begrifflichkeit eine gute möglichkeit ist, schreiblust zu befeuern und hervorzurufen.

das scheint einer der wichtigsten aspekte der schreibpädagogik zu sein, die lernenden oder schreibenden in die verantwortung zu nehmen, selbst zu entscheiden, was man in seinen texten thematisieren möchte. auch hier weicht die schreibpädagogik von der klassischen pädagogik ab. denn im vordergrund steht nicht unbedingt ein lern- und lehrziel, sondern eine hilfe zur ideenfindung. möglichst wenige vorgaben geben einen freiraum, der eigenen schreiblust folgen zu können. abgesehen davon, sind die emotional am stärksten besetzten themen meist auch die spannendsten geschichten.

jedoch kann es auch nach anwendung von assoziationstechniken wie cluster, 30-wort-assoziation, mindmap oder freewriting, immer noch nicht entscheidbar sein, über was man schreiben möchte. hier hilft ein zweiter versuch weiter. also aus den assoziationen das auswählen, das einen am meisten beschäftigt und eine zweite assoziationstechnik anwenden. selten kommt es vor, dass schreibende gar kein ziel finden. und selbst dann kann es noch hilfreich sein, einfach drauflos zu schreiben. denn während des schreibens produziert der kopf meist weitere ideen. oder wie viele schriftstellerInnen berichten: „ich weiß nie beim schreiben, wo mich die geschichte hinführt.“ in allen menschen schlummert eine unbändige fantasie. lernziel ist es in der schreibpädagogik also, die gedanken loszulassen und mut zur fantasie zu entwickeln. aber letztendlich auch für sich selber eine entscheidung treffen zu können, was einen am meisten beschäftigt. das bedeutet, sich selber besser kennenzulernen.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s