Tagesarchiv: 5. Februar 2010

schreibaufgabe (30)

sie kommunizieren neben ihren einsamen schreibphasen gern mit menschen, sie beobachten menschen gern bei der kommunikation? dann dürfte diese schreibaufgabe etwas für sie sein. wer häufig kommuniziert, der kennt sie, die „absurden dialoge“, die einen mit dem gefühl, nur aneinander vorbeigeredet zu haben, zurücklassen. spezialist in der darstellung dieser dialoge war loriot. er hat sie auf den punkt gebracht, wenn zum beispiel herr müller-lüdenscheidt das gummientchen in der badewanne versenkt.

dabei begegnen sich also zwei menschen, die aufeinander zugehen möchten, die sich auseinandersetzen möchten, und verstehen sich doch falsch. oft liegt der grund darin, dass sie zu sehr mit sich oder einem gedanken beschäftigt sind, um die aussage des anderen vollständig wahrzunehmen. auflösen lässt sich ein absurder dialog meist nur, wenn einer die herrschaft des gesprächs übernimmt und noch einmal deutlich zusammenfasst, was er sagen wollte. doch in dieser schreibaufgabe soll der dialog nicht aufgelöst werden.

und wie loriot schon aufzeigte, häufig finden absurde dialoge in beziehungen statt. hier kommen dann oft noch die großen gefühle ins spiel, die manchen nebensatz oder flappsige bemerkung schnell zu einem fiasko werden lassen. allein ein satz wie „das ist mir zu langweilig“ kann schnell als großangriff auf das gemeinsame verstanden werden. „ach, du findest es langweilig mit mir…“. und schon reihen sich die missverständnisse aneinander. aber reizen sie die möglichkeiten des absurden dialogs ruhig aus. lassen sie einen laubfrosch einer kettensäge begegnen und beide aus ihrem leben erzählen, ohne sich gegenseitig zu zu hören. um am schluss auseinander zu gehen und festzustellen, „schön, dass wir darüber geredet haben, aber ich habe überhaupt nicht verstanden was er mir sagen wollte.“.

übrigens kann man solche dialoge besonders gut zu zweit schreiben, und sollten sie ein paar sein, noch besser 😛

Werbeanzeigen

schreibpädagogik und mut zur fantasie

ob herr der ringe, harry potter oder grimms märchen, all diese geschichten strotzen vor fantasie. da können dinge sprechen, die es bis dahin nicht konnten, da haben gegenstände energien, verursachen wirkungen und folgen, die einem nicht in den sinn kämen und da tauchen wesen auf, die irgendwo eine winzige menschliche komponente haben, aber doch andere wesen sind. würde man einzelne aspekte dieser geschichten herausgreifen und in den alltag einbringen, würden einen die anderen für verrückt erklären: „mein kater hat heute mit mir gesprochen“ (der gestiefelte kater). „ich habe ein bonbon gegessen, dass eiterpickel in meinem gesicht entstehen ließ“ (ein produkt der wesleys).

doch beim mut zu fantasie geht es genau darum. gegen alle widerstände der vernunft und des anstandes etwas denken, das eigentlich nicht gedacht werden sollte. sich gedanklich in welten begeben, die unglaubwürdig sind. bekannt ist zum beispiel das schlaraffenland, das auf der vorstellung der erfüllung beinahe aller wünsche basiert. grundlage ist wahrscheinlich das paradies. und der mensch glaubt immer noch, dass er daraus verstoßen wurde. so hat er sich zu disziplinieren, auch gedanklich, um irgendwann wieder den zutritt zum paradies zu erlangen.

doch das paradies, zumindest in der vorstellung, existiert weiter im menschen. also muss man nur worte für das paradies finden, wesen, die einem schon immer begegnen sollten benennen und vielleicht eine spannende begebenheit neben der wunscherfüllung platzieren. man kann das. die gefahr besteht eigentlich nur darin, dass man das fantasierte mit der realität verwechselt und dann irgendwann wieder auf den harten boden der tatsachen knallt. gedankenflüchtlinge, tagträumerInnen, fantasten sind die bezeichnungen der welt für menschen, die sich in ihrem mut zur fantasie nicht beirren lassen.

die schreibpädagogik bietet eine grundlage, die eigene fantasie wieder aufblühen zu lassen. Weiterlesen