schreibpädagogik und mut zur fantasie

ob herr der ringe, harry potter oder grimms märchen, all diese geschichten strotzen vor fantasie. da können dinge sprechen, die es bis dahin nicht konnten, da haben gegenstände energien, verursachen wirkungen und folgen, die einem nicht in den sinn kämen und da tauchen wesen auf, die irgendwo eine winzige menschliche komponente haben, aber doch andere wesen sind. würde man einzelne aspekte dieser geschichten herausgreifen und in den alltag einbringen, würden einen die anderen für verrückt erklären: „mein kater hat heute mit mir gesprochen“ (der gestiefelte kater). „ich habe ein bonbon gegessen, dass eiterpickel in meinem gesicht entstehen ließ“ (ein produkt der wesleys).

doch beim mut zu fantasie geht es genau darum. gegen alle widerstände der vernunft und des anstandes etwas denken, das eigentlich nicht gedacht werden sollte. sich gedanklich in welten begeben, die unglaubwürdig sind. bekannt ist zum beispiel das schlaraffenland, das auf der vorstellung der erfüllung beinahe aller wünsche basiert. grundlage ist wahrscheinlich das paradies. und der mensch glaubt immer noch, dass er daraus verstoßen wurde. so hat er sich zu disziplinieren, auch gedanklich, um irgendwann wieder den zutritt zum paradies zu erlangen.

doch das paradies, zumindest in der vorstellung, existiert weiter im menschen. also muss man nur worte für das paradies finden, wesen, die einem schon immer begegnen sollten benennen und vielleicht eine spannende begebenheit neben der wunscherfüllung platzieren. man kann das. die gefahr besteht eigentlich nur darin, dass man das fantasierte mit der realität verwechselt und dann irgendwann wieder auf den harten boden der tatsachen knallt. gedankenflüchtlinge, tagträumerInnen, fantasten sind die bezeichnungen der welt für menschen, die sich in ihrem mut zur fantasie nicht beirren lassen.

die schreibpädagogik bietet eine grundlage, die eigene fantasie wieder aufblühen zu lassen. zum einen fördern die assoziationstechniken die beständige weiterentwicklung von ideen und das vorantreiben von verknüpfungen. irgendwann rutscht dann absurdes und unrealistisches dazwischen, werden ideen miteinander verknüpft, die eigentlich nicht zusammen gehören. in diesem moment sollte nicht aufgehört, sondern weitergegangen werden. das kann man dadurch beschleunigen, dass man dazu auffordert, dinge reden zu lassen. oder die schreibenden menschen werden gebeten ein märchen zu erfinden. sie sollen wesen erfinden, denen sie einen namen und einen charakter geben. so wie es „second life“ im internet ermöglichte, sein leben noch einmal ganz anders zu leben, so ermöglicht es auch die schreibpädagogik, sich schriftlich in eine andere welt zu begeben. so lang man wieder zurückkommt, besteht überhaupt keine gefahr, etwas wichtiges aus den augen zu verlieren.

der mut zur fantasie sollte unterstützt werden. auch hierzu bietet die schreibpädagogik beste voraussetzungen. dadurch, dass sie erst einmal viele konventionen des schreibens verlässt, gibt sie raum für andere sprache, für absurde metaphern, für wortschöpfungen und für zukunftsvisionen. erstaunlich ist es, dass wir fantastisches, ver-rückte wortspiele und paradiesische propaganda in der werbung akzeptieren, beinahe ernst nehmen und auch wollen. aber im sonstigen leben, haben diese dinge möglichst nichts zu suchen.

die schreibpädagogik kann zum beispiel das genre des science fiction aufgreifen, eine zukunft entwerfen lassen, die aller vernunft widerspricht. aber sie kann auch die dunklen seiten der fantasie zum sprechen bringen: monster, killer und geister können schriftlich zum leben erweckt werden. wichtig erscheint bei solchen versuchen, der realität ein stück irrationalität hinzu zu fügen, dass das feedback zum beispiel in schreibgruppen, nicht die ideen bewertet, sondern nur die wirkung des geschriebenen. fantasie lässt sich schwer in gute und schlechte einteilen. fantasie darf erst einmal alles. nur die umsetzung des fantasierten, sollte andere bewegen, wenn ich mit meinen vorstellungen weitere menschen erreichen möchte. hier setzt das feedback an.

und sollte es schwer fallen, seiner fantasie freien lauf zu lassen, dann kann man sich vorher manchen fantastischen film aus der traumfabrik hollywood ansehen oder einen der tschechischen märchenfilme. manchmal sind es nur kleine ideen, wie zum beispiel ganz spezielle blumen, oder pan tau, die die fantasie eines kindes anregen können. kinder sind im gebrauch ihrer wünsche und träume unbefangener als erwachsene. die schreibpädagogik sollte deshalb das kindlich-spielerische, zumindest für eine gewisse zeit in die vorstellung der schreibenden zurückholen. sie kann absurde wörter erfinden lassen, lexika-einträge für gebräuchliche begriffe, die nichts mehr mit der realität zu tun haben oder einfach nur den größten traum aller schreibenden wirklichkeit werden lassen.

wovon träumen sie? legen sie doch einfach mal los. sie werden schon sehen, nicht nur der lottogewinn ist ein lohnenswerter traum. auch die sprechenden fussel in ihrem bauchnabel können etwas ganz neues in ihr leben bringen 😀

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