Tagesarchiv: 7. Februar 2010

schreibaufgabe (32)

wir leben in einer zeit der hochgeschwindigkeit. nicht nur unsere fortbewegung beschleunigt sich (obwohl die eisrinnen und -kanäle auf den bürgersteigen berlins und die daraus resultierenden knochenbrüche gerade eine andere sprache sprechen), sondern auch unsere kommunikation. dem möchte diese schreibaufgabe rechnung tragen. es geht nicht darum einen text schneller zu verfassen, aufzunehmen oder vorzutragen. es geht darum, dass die story, der text an sich beschleunigt ist.

so wäre eine hochgeschwindigkeitsgeschichte zu verfassen, die die leserInnen schwindelig macht. dies kann durch die aneinanderreihung von ereignissen geschehen, durch eine experimentelle sprache, durch die aufforderung bei der lektüre des textes viel mitdenken und selbst ergründen zu müssen oder vielleicht durch einen rasanten dialog geschehen. machen sie sich beim schreiben und die anderen beim lesen atemlos. vergleicht man diese schreibaufgabe mit anderen techniken, dann sollte die geschichte an filme erinnern, bei denen man anschließend aus dem kino kommt und denkt einen parforceritt durch ein ereignis gemacht zu haben. der film erreicht dies zum beispiel durch schnelle, harte schnitte oder eine folgende, unruhige kamera. versuchen sie ähnliches für das schreiben zu finden.

und wenn sie dann erschöpft vor ihrem schreibgerät sitzen, dann können sie sich überlegen, wie man einen entschleunigten text gestalten könnte oder wie hochdruck in die literatur kommen kann. vielleicht lässt sich auch ein kontrast zwischen all diesen extremen in einer geschichte herstellen. die leserInnen werden es ihnen danken 😮

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schreibpädagogik und schreibmotivation

warum schreibt der mensch überhaupt? was bewegt einen dazu, zum stift oder zur tastatur zu greifen und etwas niederzuschreiben? kulturgeschichtlich hat dies sicherlich mit der zunahme der komplexizität zu tun, soll heißen, es wurde notwendig, daten für längere zeit zu speichern, also festzuhalten. irgendwann wurde es zu schwierig, diese daten mündlich zu überliefern, zu erzählen. so wurden zählsysteme, aber auch formen der notiz entworfen. es war eine lange entwicklung von bildern, zeichen, kerben und steinen zu buchstaben, texten und büchern.

doch warum schreibt heute noch ein mensch abseits des beruflichen aufnehmens von daten? warum kommunizieren wir nicht ausschließlich mündlich miteinander? das schreiben ist doch meist zeitaufwendiger und benötigt mehr werkzeuge. wahrscheinlich hat es mit der möglichkeit etwas dauerhaft festzuhalten zu tun. der gedanke, der nachwelt etwas von den eigenen ideen und überlegungen zu hinterlassen ist ein sehr menschlicher. unsere gesellschaftsform und vor allen dingen unser lernen basiert auf traditionen und gesellschaftlicher vermitteltheit. wir müssen in unserer persönlichen entwicklung nicht mehr alle entwicklungsschritte der menschheit nachvollziehen. ich muss als kind nicht mehr lernen, dass ich erst das feuer, dann das rad, dann die viehzucht entwickeln muss, um zu einem sozialen miteinander zu kommen. ich kann wissen über andere wege erhalten.

der hauptweg, wissen abzulegen, besteht im schreiben. das schreiben ist platzsparend und verbraucht vergleichsweise wenig kapazitäten. müssten sich heutzutage menschen das wissen der welt merken, um es weiter zu erzählen, würde die momentane überbevölkerung auf keinen fall genügen, bräuchte es viel mehr menschliche „speicherkapazität“.
doch das schreiben, und das interessiert hier natürlich am meisten, ist auch eine gute form, das wissen um sich selbst zu erweitern und zu entwickeln. je mehr der mensch gefordert ist, sich im alleingang zu verstehen, soziale kompetenzen zu entwickeln (ein luxus der dienstleistungsgesellschaft), desto stärker ist er gefordert, sich selbst zu reflektieren.

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