Tagesarchiv: 9. Februar 2010

selbsterkenntnis und selbstbefragung

manch einer hofft, dass ihm seine umwelt endlich die richtigen fragen stellt, damit er von sich erzählen kann. doch leider erscheint die umwelt nicht selten recht widerständig und interessiert sich für einige aspekte des lebens des anderen nicht. so sitzt er weiter da und hofft. dabei kann viel zeit vergehen, ungenutzte zeit.

schon früher gab es menschen, die wahrscheinlich gern selber gefragt worden wären und darum schlichte fragebögen entwickelten, die sie anderen zusendeten. am bekanntesten wurde der bogen von marcel proust, da in den 80ern das faz-magazin ihn bekannten persönlichkeiten vorlegte. nun gibt es aber auch die möglichkeit, sich selbst einen fragebogen vorzulegen, um mehr über sich selber zu erfahren. dabei machen multiple-choice-fragen wenig sinn, da sie die antworten sehr einschränken. außerdem käme solch eine selbstbefragung den psychotests in diversen frauenzeitschriften sehr nahe.

nein, eine selbstbefragung sollte raum für die antworten geben. denn erst wenn ich meine gedankengänge in ihrer vollen länge notieren kann, kann ein schritt weiter in richtung selbsterkenntnis gegangen werden. das internet hat die fragebögen zum kennenlernen anderer wieder hoffähig gemacht. da werden stöckchen um stöckchen versendet. natürlich kann man sich diese stöckchen auch sich selber vorlegen. doch meist sind die fragen schon so angelegt, dass nur eine kurze antwort möglich ist und weites ausholen nicht geplant ist. so bieten sich eher explizit fragebögen zur selbstbefragung an.

neben einem fragenkatalog braucht man die nötige zeit, um auch alles zu beantworten. man sollte sie sich nehmen. stück für stück kann man dann sich sich selber annähern. natürlich darf daneben der austausch mit anderen menschen nicht fehlen. doch einmal mit selbstbefragungen angefangen, fällt es einem selber immer leichter, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. und erst wenn ich für mich geklärt habe, wie meine haltung gegenüber den essentiellen dingen des lebens ist, welche emotionen in mir schlummern oder offen zu tage treten, erst dann fällt es mir leichter, mich und meine positionen, anderen gegenüber zu vertreten.

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selbstbefragung (30) – verdrängung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „verdrängung„.

  • was können sie schwer verdrängen?
  • wann haben sie verdrängung in ihrem leben als sehr hilfreich empfunden?
  • glauben sie, dass sie noch etwas verdrängt haben, das ihnen nicht bewusst ist? in welche richtung könnte dies gehen?
  • ist verdrängung in ihren augen eher nützlich oder eher schädlich? begründen sie.
  • welchem menschen in ihrem umfeld würden sie gern mal die augen öffnen? und warum haben sie es bis jetzt nicht getan?
  • was verdrängen in ihren augen zur zeit die gesellschaften auf dieser welt am meisten oder stärksten?
  • wem in ihrer umgebung würden sie gern ihr leben beichten?
  • was gäbe es denn dann zu beichten?
  • würden sie jemals im fernsehen eine lebensbeichte ablegen wollen? warum?
  • wodurch lässt sich bei ihnen verdrängtes zum vorschein bringen? wollen sie dies überhaupt?

die woche der selbsterkenntnis

wie schon des öfteren bei der schreibpädagogik bemerkt, ist das selbsterkenntnis-potential des schreibens nicht zu unterschätzen. vor allen dingen im biografischen schreiben geht es um die aufarbeitung von vergangenem und die erinnerungen an geschehenes. aber auch ein kleiner, kurzer text kann einem manches über einen selber sagen. doch weshalb sollte ich mich eigentlich ständig selber betrachten? ist das nicht so eine mode, die mich dazu zwingt, ständig ein besserer mensch zu werden?

dies soll in der „woche der selbsterkenntnis“ genauer betrachtet werden. unterfüttert wird das ganze von weiteren „selbstbefragungen“ wie sie schon in diesem blog zu finden sind, die auch zum ergebnis haben können, ein wirklich fürchterlicher mensch zu sein, sich aber dabei sauwohl zu fühlen. hier wird nicht gewertet, hier wird nur angeregt. denn einen vorteil hat die selbsterkenntnis: erst durch sie kann ich selbst-bewusstsein entwickeln. und das ist meist hilfreich in einer welt, die bestrebt ist menschen zu immer mehr bemühungen anzustiften. erst als selbst-bewusster mensch fällt es mir leicht, „nein“ zu dingen zu sagen, die nicht meinen vorstellungen entsprechen.

denn wie stellt es schon ein kurz-kurz-dialog dar?
„wir wollen doch nur dein bestes!“
„das kriegt ihr aber nicht.“

dazu sollte man sein bestes kennen. die frage bleibt, wie man es findet? wahrscheinlich mit und ohne andere. nun denn, ich lade ein zu einem einwöchigen ego-trip. 🙄