selbsterkenntnis und selbstbefragung

manch einer hofft, dass ihm seine umwelt endlich die richtigen fragen stellt, damit er von sich erzählen kann. doch leider erscheint die umwelt nicht selten recht widerständig und interessiert sich für einige aspekte des lebens des anderen nicht. so sitzt er weiter da und hofft. dabei kann viel zeit vergehen, ungenutzte zeit.

schon früher gab es menschen, die wahrscheinlich gern selber gefragt worden wären und darum schlichte fragebögen entwickelten, die sie anderen zusendeten. am bekanntesten wurde der bogen von marcel proust, da in den 80ern das faz-magazin ihn bekannten persönlichkeiten vorlegte. nun gibt es aber auch die möglichkeit, sich selbst einen fragebogen vorzulegen, um mehr über sich selber zu erfahren. dabei machen multiple-choice-fragen wenig sinn, da sie die antworten sehr einschränken. außerdem käme solch eine selbstbefragung den psychotests in diversen frauenzeitschriften sehr nahe.

nein, eine selbstbefragung sollte raum für die antworten geben. denn erst wenn ich meine gedankengänge in ihrer vollen länge notieren kann, kann ein schritt weiter in richtung selbsterkenntnis gegangen werden. das internet hat die fragebögen zum kennenlernen anderer wieder hoffähig gemacht. da werden stöckchen um stöckchen versendet. natürlich kann man sich diese stöckchen auch sich selber vorlegen. doch meist sind die fragen schon so angelegt, dass nur eine kurze antwort möglich ist und weites ausholen nicht geplant ist. so bieten sich eher explizit fragebögen zur selbstbefragung an.

neben einem fragenkatalog braucht man die nötige zeit, um auch alles zu beantworten. man sollte sie sich nehmen. stück für stück kann man dann sich sich selber annähern. natürlich darf daneben der austausch mit anderen menschen nicht fehlen. doch einmal mit selbstbefragungen angefangen, fällt es einem selber immer leichter, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. und erst wenn ich für mich geklärt habe, wie meine haltung gegenüber den essentiellen dingen des lebens ist, welche emotionen in mir schlummern oder offen zu tage treten, erst dann fällt es mir leichter, mich und meine positionen, anderen gegenüber zu vertreten.

sollte man die hier angebotenen fragen zur selbstbefragung nicht nutzen wollen oder nichts mit ihnen anfangen können, kann man für sich selber fragen formulieren. dabei besteht teilweise die gefahr, genau den fragen auszuweichen, die für einen selber recht heikel sind. aber es gibt noch eine andere möglichkeit. man rufe gute freundInnen an, fordere sie auf, doch einmal einen katalog von fragen, die sie einem schon immer einmal stellen wollten, aufzuschreiben und einem zukommen zu lassen. diesen fragen kann man sich dann in aller ruhe widmen und für sich selber beantworten. anschließend sollte man noch einmal gut überlegen, welche von den antworten man an die freundInnen weiterreichen möchte. dieses prozedere ist vorher festzulegen, damit es einem leichter fällt, sehr offen auf die gestellten fragen zu antworten.

das erstaunliche ist, dass es hemmungen gibt, offene fragen zu stellen. viele menschen denken, dass sie anderen damit zu sehr auf die pelle rücken. das könnte auch die schwierigkeit bei guten freundInnen sein. außerdem besteht die gefahr, dass es zu einer psychologisierung der freundschaften kommt, aus der freundschaft eine selbsthilfegruppe wird. das muss nicht passieren, kann aber. also erscheinen selbstbefragungen anhand von fragenkatalogen neutraler personen, die einem nicht bekannt sind, unbelasteter. und man besitzt immer die freiheit, auf manche fragen nicht antworten zu müssen, sie beiseite zu legen, sacken zu lassen und vieles mehr.

wurde einmal geantwortet, stellt sich bei manchen der drang ein, auch anderen menschen von den antworten zu berichten. auch hier können gute freundInnen dafür herhalten. aber auch hier sollte man dies sehr geregelt durchführen, nicht das es zu unnötigen emotionalen verletzungen kommt. man kann zum beispiel sagen, dass man seine selbstbefragung nur vorstellen möchte, aber nicht diskutiert haben will. oder man fordert ein klares feedback zu den eigenen überlegungen ein. meist sind freundInnen schon so vorsichtig, dass sie nicht absichtlich verletzungen herbeiführen. und hier gilt, wie für jedes feedback, der feedback-suchende gibt vor, wie das feedback aussehen sollte.

aber dann steht einem weiteren schritt zur eigenen selbst-erkenntnis und zum größeren selbst-bewusstsein nichts mehr im wege. eine chance, die man nicht ungenutzt lassen sollte.

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