selbsterkenntnis und ehrlichkeit

der mensch ist ganz gut, wenn es um das ausblenden und verdrängen eigener schwächen geht. dies ist eine form des selbstschutzes, da beständige selbstkritik sehr zermürbend sein kann und es einem beinahe unmöglich macht, selbstbewusst zu sein. man kann immer noch einen schritt besser sein, etwas noch perfekter hinbekommen, sich noch genauer kennen. gerade in der heutigen gesellschaft, in der eher kritik geäußert, denn lob ausgesprochen wird, mäkeln die menschen gern viel an sich selbst herum.

ich würde aber klar zwischen mäkeln und ehrlich sich selbst gegenüber sein unterscheiden. doch wie kann man sich selbst mit seinen ganzen schwächen erkennen und annehmen? ab wann sollte man wirklich etwas an der eigenen person, am eigenen verhalten ändern? wahrscheinlich muss man bei adam und eva anfangen und erkennen, dass jeder mensch an sich einen hohen wert hat. dass es über dem wert des mensch seins eigentlich keinen höheren gibt. diesen wert kann einem niemand nehmen, so sehr auch versucht werden sollte, abzuqualifizieren. das klingt ganz hübsch, doch die realität sieht oft anders aus. menschen lassen sich einschüchtern, verunsichern und versuchen sich den anforderungen von außen anzupassen. wir bemühen uns alle. dabei verlieren wir uns oft genug selber aus den augen und vergessen wie wertvoll wir erst einmal uns und dann anderen sein sollten.

um den eigenen wert zu erkennen, sollte ich mich erst einmal schonungslos anschauen. schonungslos meint in dieser hinsicht beide richtungen, nämlich in positiver wie negativer richtung. dazu kann es hilfreich sein, einmal die eigenen positiven und negativen eigenschaften zu notieren. nun wäre zu jeder eigenschaft zu schauen, woher die bewertungen kommen. sind es eigene oder sind sie von außen an einen herangetragen worden. bei den von anderen nahegelegten positiven und negativen eigenschaften wäre dann zu schauen, wieweit man sie wirklich teilt. haben die anderen recht mit ihren urteilen. wichtig in diesem zusammenhang ist die frage, wer die urteile ausgesprochen hat. es ist erstaunlich, wie gern menschen vor allen dingen negativen wertungen über sie selber von menschen übernehmen, die ihnen überhaupt nicht nahestehen. hier wäre eine gewichtung vorzunehmen. was sagen mir gute freunde über mich und was sagen andere über mich? guten freunden ist sicherlich ein vorzug zu geben, da sie einen besser kennen und häufig auch die positiven seiten wahrnehmen.

hat man länger keine rückmeldung von freunden bekommen, kann man sie ja einmal einholen. man sollte sich im vorfeld aber gut überlegen, wie weit man den aussagen gewachsen sein wird. wenn man das gefühl hat, den wertungen gewachsen zu sein, dann könnte man freunden sagen, sie sollten einem doch einmal ehrlich sagen, was sie von einem halten. freundInnen fällt dies meist schwer, doch man kann ihnen ja versichern, dass sie einem damit sehr helfen würden. es geht hier nicht um das sezieren der eigenen person und das letztendliche urteil fällt man selber, aber als annäherungshilfe kann so ein gespräch sehr hilfreich sein. wichtigster aspekt erscheint mir in diesem zusammenhang inzwischen, dass vor allen dingen auch die komplimente und positiven bewertungen ernst genommen werden. ich erlebe es zu oft, dass menschen sich vor allen dingen kritiken zu herzen nehmen, die positiven rückmeldungen aber wegwischen. sie verstehen sich schnell als egoistisch und narzistisch, wenn sie sich über schöne feedbacks freuen und dies auch zeigen würden.

zur ehrlichkeit sich selbst gegenüber auf dem weg zur selbsterkenntnis gehört aber eben auch nicht nur verdrängtes und ausgeblendetes auszugraben, sondern auch positives ernsthaft zu verbuchen. hilfreich dies zu lernen kann es sein, entweder ein buch der komplimente zu führen. das soll heißen, ich notiere mir immer die komplimente, die mir gemacht werden und schaue sie mir von zeit zu zeit an, wenn ich gerade mal wieder dabei bin mich in grund und boden zu kritisieren. eine andere möglichkeit besteht darin, einmal zu notieren, was man an sich selber gut findet. vielen menschen fällt dies sehr schwer. wenn man jemand auffordert zu notieren, was er an sich kritikwürdig findet fallen ihm seiten um seiten ein, bei den positiven aspekten fällt dies meist viel dürftiger und gleich mit mitformulierten einschränkungen ein. darum sind komplimente so wichtig. vor allen dingen sollte man sich auch sagen, dass man sein gegenüber nicht ernst nimmt, wenn man sie sofort kleinredet. es ist einfach davon auszugehen, dass komplimente selten aus scherz gemacht werden oder aus purer nettigkeit, besonders wenn sie von guten freunden kommen.

doch nun noch kurz zu den verdrängten aspekten. es ist aufzupassen, sich nicht zu sehr zu verdächtigen, nicht genug zu bemühen oder etwas vorzumachen, wenn man nicht viel verdrängtes findet. ich kann nur das aufschlüsseln, das mir zur verfügung steht. sicherlich können gerade beim schreiben im laufe der zeit durch manche übungen und assoziationen dinge zu tage treten, die ich ausgeblendet habe. es scheint wichtig, auch diese äußerungen und gedanken ernst zu nehmen. ich kann ihnen folgen, zum beispiel durch das schreiben von texten und geschichten oder eben durch selbstbefragungen. ich kann es aber nicht erzwingen, vollständige selbsterkenntnis zu erlangen. es ist mir keine große hilfe, wenn ich mich defizitär beschreibe. es geht bei ehrlichkeit darum, sich so weit zu mögen, dass man sich schwächen und verdrängtes auch verzeihen kann. dies bedeutet, sich immer wieder klar zu machen, dass es sich dabei um sehr menschliche verhaltensweisen und reaktionen handelt. und wenn ich davon ausgehe, dass der mensch an sich wertvoll ist, dann sollte ich dies auch auf mich selber anwenden. erst diese gedankenschritte und entwicklungen ermöglichen es einem wahrscheinlich, den mut und die kraft aufzubringen, in die eigenen tiefen zu steigen, sollte es welche geben. denn man vertraut sich selber so weit, aus den tiefen auch wieder herauszufinden. anzumerken ist noch, dass der mensch ganz gute selbstschutzmechanismen hat, die ihn meist aus seinen abgründen wieder hinausfinden lässt, oder ihn davon abhält zu weit zu gehen. zu weit gegangen wird eigentlich nur von außen. soll heißen, andere insistieren so sehr, dass menschen keinen ausweg mehr sehen. also, immer zu sich selbst als mensch halten, sich selbst gegenüber so ehrlich sein, wie es einem möglich erscheint und die eigenen positiven seiten genießen, dann kann mit der selbsterkenntnis eigentlich nichts schief gehen ;- ) man darf sich auch einfach mögen ❗

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