selbsterkenntnis und biografisches schreiben

des öfteren war hier schon die rede von der möglichkeit, seine vergangenheit mit dem biografischen schreiben in erster linie für sich selber aufzuschlüsseln. darum möchte ich dieses mal einen blick auf die frage werfen, ab wann es sich lohnt, sein leben zu analysieren und sich dem biografischen schreiben zu zu wenden. einige menschen sind der meinung, sie hätten nicht genug erlebt, um einen blick in die vergangenheit zu werfen. die erfahrungen zeigen etwas anderes. ganz gleich wer es ist, jeder mensch hat einschneidende oder begeisternde erfahrungen gemacht, die wertung der bedeutung des geschehenen liegt eigentlich nur bei einem selber. darum lautet die einfache antwort: es lohnt sich, wenn man möchte, immer einen blick in die vergangenheit zu werfen. es gibt keine altersbegrenzung für das biografische schreiben. selbsterkenntnis hat nichts mit der dauer der lebenserfahrung zu tun.

ein hinweis auf die altersunabhängigkeit könnte sein, dass schon mit jungen jahren angefangen wird, tagebuch zu schreiben. es kommt das gefühl auf, dinge festhalten zu möchten, die sich im alltag ereignet haben, die einen beschäftigen. oft geht dies einher mit den umwälzungen der pubertät. hier fängt mensch an, sich selbst zu reflektieren und sich in das soziale gefüge einzuordnen. vieles verunsichert, stellt in frage und wird neu zugeordnet. angefangen beim eigenen körpergefühl bis zur haltung den eltern gegenüber. der junge mensch fängt an, seine eigenen bedürfnisse zu formulieren, die schnell im widerspruch zu den gesellschaftlichen regeln und konventionen stehen können. schon in diesem moment scheint eine reflexion schriftlicher art möglich, denn was ist tagebuch schreiben anderes. techniken des biografischen schreibens müssen nicht in jahrzehntschritten angewandt werden. auch junge menschen finden schon worte für ihre bis dahin erlebten lebenskrisen und -höhepunkte.

und wer einmal seine alten tagebücher durchstöbert, wird feststellen, dass manches notierte aus gegenwärtiger sicht sehr naiv erscheint, anderes aber schon kluge gedanken verfolgt, deren gehalt sich bis zum heutigen tag wenig verändert hat. es scheint, dass die frühe vermittlungen biografischen schreibens einen gedanken verhindern kann: in meinem leben ist nichts passiert. wer früh die unterstützung erfährt, sich selbst zu zu wenden und sich auf den weg zur selbsterkenntnis zu machen, wird erlebtes auch früh anders bewerten. dies erleichtert es, sich in das gesellschaftliche gefüge einzuordnen und steigert das selbstwertgefühl. wenn diese erfahrung nicht allein gemacht wird, sondern zum beispiel in gruppen, ist auch die feststellung unmöglich, alle anderen hätten einen leichteren zugang zum leben als man selber.

denn ein weiteres phänomen erfasst die menschen häufig: sie gehen davon aus, im gegensatz zu ihrer umwelt, bei der eigenen positionierung und der bewältigung des alltags schwerfälliger zu sein. je stärker diese gesellschaft die selbstverantwortung in den mittelpunkt rückt, um so häufiger glauben menschen, ursache ihrer situation zu sein. dieser gedanke ist noch nicht einmal überheblich gemeint, sondern folgt einem gedanken der individualisierung. biografisches schreiben kann den grundstein legen, gesellschaftliche bedingungen in die betrachtungen über das eigene leben einzubeziehen. wenn ich merke, dass auch andere an den gleichen bedingungen scheitern oder ähnliche erfolge verbuchen können, dann sehe ich mich nicht mehr als einzelkämpferIn in einem unübersichtlichen umfeld.

umsetzbar sind diese versuche der selbsterkenntnis nur, wenn ein interesse besteht, die eigene lebenssituation aufzuschlüsseln. hier liegt der hase im pfeffer. denn je früher der gedanke vermittelt wird, sich nur richtig anstrengen zu müssen, um erfolgreich zu sein, um so häufiger gehen menschen davon aus, dass all ihre bemühungen sie auf die sonnenseite des lebens spülen werden. dabei wird aus den augen verloren, dass diese form der sicherheit für niemanden gegeben ist. vor kurzem hat die finanzkrise gezeigt, dass man noch so erfolgsverwöhnt sein kann, wenn die scheinwelten bröseln, trifft es jeden. dies bedeutet nicht, dass die welt per se ein übel ist. dies bedeutet nur, dass dem menschen die vorstellung kein soziales wesen mehr zu sein, ständig vermittelt wird. auch hier kann biografisches schreiben den blickwinkel verändern.

fazit: biografisches schreiben bietet für jede altersgruppe, für jede gesellschaftliche schicht und für jeden emotionalen zustand, handwerkszeug zur selbsterkenntnis und zur selbstversicherung. man überschätze nicht die außendarstellung in dieser welt, innen sieht es bei uns allen doch sehr ähnlich aus. und es macht uns alle interessant und wertvoll.

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