Tagesarchiv: 24. Februar 2010

wie schreibe ich kreativ?

ich möchte gern den kommentar von regido aufgreifen und behaupten: kreativ schreibt man dann, wenn man den mut aufbringt, die beschränkungen und konventionen des schreibens, zumindest ansatzweise, zu überwinden. eine der größten hürden ist sicherlich die vorstellung, dass man sich erst dann schriftlich äußert, wenn gedanken und geschichten ausgereift sind, qualitativ hochwertige produkte sind. dabei wird unterschätzt, wie profan die meisten schriftstellerInnen ihre werke beginnen.

hier steht die vorstellung vom großen mut, der notwendig ist, um sich zu äußern, um kreativ sein zu können, um sich bewusst in beziehung zu anderen zu setzen, im widerspruch zu den kleinen schritten, die alle menschen eigentlich machen. das überschreiten von regeln und konventionen wird natürlich mit sanktionen belegt und es kann nicht von einzelnen erwartet werden, locker diese „grenzen“ zu überschreiten und alle konsequenzen in kauf zu nehmen. doch oft wird die hürde selber so hoch veranschlagt, dass es gar nicht die sanktionen sind, die bremsen, sondern die eigenen vorstellungen.

zweigleisiges vorgehen erscheint mir sinnvoll. das eine ist, sich bewusst zu machen, was mich erwartet, wenn ich anfange mit allem zu spielen, mit worten, sätzen und erlebnissen. was ist das schlimmste, das mir passieren kann, wenn ich meine ideen zu papier bringe? sollte die bedrohung zu groß erscheinen, kann ich mich strategisch verhalten. ich kann zum einen die erwartungen an mich bedienen und mich im rahmen der konventionen bewegen. gleichzeitig kann ich aber für mich, kleine schritte versuchen. das wäre sozusagen das zweite gleis. es muss nicht gleich der große schriftliche wurf sein. es genügt vielleicht schon einmal ein abc-darium, eine kurz-kurz-geschichte oder einfach „nur“ ein brief an jemand anderen.

das schöne an den kleinen schritten ist es, dass auch sie schon das gefühl vermitteln können, etwas geschaffen zu haben, aus sich und der umgebung geschöpft zu haben. es fühlt sich gut an. Weiterlesen

schreibidee (165)

die schreibideen in dieser woche des kreativen schreibens greifen die jahreszeit auf. es geht vieles „auf“, die eisflächen werden porös, die sonne geht früher auf, die temperaturen gehen langsam aufwärts, es wird alles besser. ja, es ist zu erwarten, dass der frühling, wie jedes jahr um diese zeit, nicht mehr lang auf sich warten lässt. zum einen eine gewissheit, die jedes jahr wieder verwirklicht wird, zum anderen die unsicherheit, ob es dieses jahr wirklich so ist. diese woche sollen ideen, die eine aufwärtsbewegung verheißen, vorgestellt werden.

beginne ich also einfach mit dem wetter. wir hatten einen tollen winter, aber jetzt ist es mal gut. der schnee sieht schon lang nicht mehr nur weiß aus, er ist schmutzig, eisig und schwer. zeit, dass er verschwindet. im süden republik ein wenig schneller im norden zögerlich. und doch ist es an der zeit, auch die gedanken zu enteisen und „auftauende texte und geschichten“ zu schreiben.

als einstieg kann man in einer schreibgruppe, so die möglichkeit besteht, allen teilnehmerInnen einen eiswürfel auf einer unterlage geben und sie auffordern, das tauen des würfels genau zu beobachten und einen kleinen text dazu zu schreiben. es können erst einmal stichworte und assoziationen notiert werden, die einem bei dem tauenden würfel in den sinn kommen. aus diesen notizen wird ein maximal einseitiger text verfasst, der später in der schreibgruppe vorgelesen wird.

als nächstes soll ein cluster zum gedanken „wenn ein mensch auftaut…“ erstellt werden. was passiert mit einem menschen in diesem moment? in welchem zustand hat er sich vorher befunden? was bedeutet es, wenn man von unterkühltem verhalten oder erstarrten strukturen spricht? wie ist ein mensch, wenn er sich enteist hat? aus dem cluster ist eine längere auftauende geschichte zu schreiben. diese wird anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und ein feedback zur frage gegeben, wie eindrücklich das auftauen vermittelt wurde.

die schreibidee kann noch um andere aggregatzustände erweitert werden. man kann sich noch dem kochen widmen. was bedeutet es, jemanden zum kochen zu bringen? oder wie koch ich vor wut? sollte also noch zeit vorhanden sein, kann dies zu weiteren geschichten und texten führen.