woraus schöpft kreativität?

ich hab hier schon angerissen, dass das spiel an sich bei kreativen prozessen eine große rolle spielt. doch was ist spielen eigentlich? es ist ein versuch die umwelt zu erfahren und zu „begreifen“, ohne gleich mit allen konsequenzen des alltags konfrontiert zu werden. das spiel ist eine seltsame absprache, die vielen prozessen die ernsthaftigkeit nimmt. wenn man sich zum beispiel spielende tiere betrachtet, dann kann man feststellen, dass viele abläufe dem kämpfen oder jagen gleichkommen. und doch wird aus dem kämpfen und jagen erst einmal kein ernst. auch bei menschen bereitet das spiel des kindes auf später ernsthafte alltäglichkeiten vor. ob es nun der kaufmannsladen ist, das spiel mit puppen oder die egoshooter sind. all diese spiele trainieren spätere möglichkeiten.

leider wird bei uns spiel so verhandelt, dass das gespielte automatisch bedeutet sich später auch so zu verhalten. doch eigentlich ist die abmachung beim spielen, eigene grenzen ausloten zu dürfen und vor allen dingen all das im spiel erlebte auch wieder verwerfen zu können. darum führt der egoshooter auch nicht automatisch dazu sich in einen kampf zu begeben. im spiel eigne ich mir möglichkeiten der welt an. darum entstehen dort sozuschreiben varianten des lebens. kreativität ist ein ausloten der varianten des lebens, der versuch sie darzustellen. es bedeutet nicht, dass ich all das dargestellte erlebt haben muss, in seiner ernsthaftigkeit erfahren muss. die spielerische komponente besteht zusätzlich darin, dass ich dinge kombinieren kann, die ich in der realität nicht kombinieren kann.

es fällt oft schwer, kreatives stehen zu lassen. oft kommen nach kreativen prozessen sehr realistische ergebnisse zutage, die wiederum die konsumenten verwirren. man betrachte nur manche filme, die eigentlich eine erfundene geschichte wiedergeben, beim zuschauer aber das gefühl auslösen, so kann es gewesen sein. so geht kreativität einher mit der fähigkeit, sich in einem eigentlich fremde situationen und handlungen hineinversetzen zu können. das spiel ist eine gute vorbereitung dafür. aber eben nur eine.

die andere vorbereitung für kreative prozesse besteht in der beobachtung. ein waches auge für die ereignisse um einen herum zu haben. ich kann natürlich auch nur mich selber für meinen kreativen ausdruck heranziehen. doch selbst in diesem moment habe ich mich im vorfeld beobachtet, reflektiere ich erlebtes und gefühltes. einen schöner effekt von kreativem tun besteht in der wachsenden aufmerksamkeit für geschehendes. wenn man einmal anfängt vermehrt um sich zu blicken, um ideen zu sammeln oder charaktere zu finden, wird man selten diesem tun überdrüssig sondern eher neugierig.

der beobachtende blick, das emotionale radar läuft quasi nebenher. die hellhörigkeit für absurde dialoge nimmt zu, der blick für personen, generell die betrachtung der umwelt erhält mehr gewicht. zum einen hat dies schon wieder einen spielerischen aspekt, sich nämlich im alltag hintergründe und erklärungen für bestimmte erlebnisse auszudenken. zum anderen bietet diese entwicklung aber auch die chance, verändert auf seine umwelt zugehen zu können. manche dinge gewinnen an bedeutung ander verlieren sie. mit dem eintauchen in kreative prozesse verwandelt sich der mensch auch im laufe der zeit. kreativität ist eine der grundlagen des lernens, des dazulernens.

das muss nicht bedeuten, dass die ergebnisse von kreativität ausschließlich positive sind. gerade beim schreiben zeigt sich, dass ein geschärfter blick für die umwelt auch die verzweiflung am verhalten und streben der menschen anwachsen lassen kann. es gibt eine menge schriftsteller, die durch das schreiben in emotionale zustände gerieten, die für sie alles andere als angenehm waren. hier scheint es wie beim film schauen zu sein, man muss sich immer wieder sagen, dass das geschaffene nicht unbedingt der realität entspricht. und man muss wahrscheinlich zwischendurch wieder eine distanzierte haltung gegenüber dem beobachteten einnehmen. ansonsten können einen die eindrücke überfluten und das würde autistische züge annehmen.

aber kreativität bietet durch spiel, beobachtung, kombination und eine form des sich einlassens einen unendlichen schatz an möglichkeiten, der nicht real gelebt werden muss, aber in die realität hineinwachsen kann. die entscheidung darüber, wie weit man geht, liegt bei den einzelnen, die sich in kreativen prozessen befinden. also sollte kreativität auch noch aus einer gelernten selbstverantwortung schöpfen.

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