Tagesarchiv: 5. März 2010

schreibidee (171)

menschen beobachten menschen. manche menschen machen dies sogar aus beruflichen gründen. es gibt pädagogische, juristische, kriminalistische oder auch nur voyeuristische gründe. man blickt auf andere menschen. dabei kann es sein, dass die beobachtung offensichtlich, teilweise aber auch versteckt ist. es wird auf die anderen geblickt. die folgende schreibidee soll „aufsicht-geschichten“ anregen.

als einstieg wird die beschreibung des arbeitsalltags von aufseherInnen in gefängnissen aufgegriffen werden. wenn es sich umsetzen lässt, dann könnte ein besuch in einem knast, eine besichtigungstour, grundlage der schreibidee sein. jedenfalls werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, sich in die lage von vollzugsmitarbeiterInnen zu versetzen und auf einer seite einen arbeitsalltag beschreiben. diese aufgabe ist zweigeteilt. denn vor dem schreiben, ziehen alle teilnehmerInnen einen zettel, auf dem der name einer anderen schreibgruppenteilnehmerin steht. diese sollten sie während des schreibprozesses beobachten. nach dem text über die gefängnisaufsicht wird noch eine seite über das schreibverhalten der kollegInnen geschrieben. die texte dienen nur der vorbereitung und werden nicht vorgetragen.

im anschluss wird in der schreibgruppe ein brainstorming zu der frage durchgeführt, wo in unserem alltag und leben, aufsichten durchgeführt werden. nun wählen sich alle teilnehmerInnen ihre lieblingsaufsicht aus. sie schreiben eine geschichte (eventuell nach vorherigem clustern) zu der von ihnen gewählten form der aufsicht. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen. dieses mal wird nicht das übliche feedback gegeben, sondern eine teilnehmerin wird aufgefordert, während des vorlesens die autorin zu beobachten. nach dem vortrag wird ein feedback zur geschichte und vor allen von den beobachterInnen zum vortragsstil gegeben.

Werbeanzeigen

schreibspiel (09)

sprache kann sich verkleiden. je nachdem wie die worte miteinander arrangiert werden, entsteht ein bestimmter texttyp, ein besonderer ausdruck. dieser ausdruck, diese verkleidung soll grundlage des schreibspiels sein. in anlehnung an die königinnen der verkleidung, die urmütter des rollenwechsels nenne ich dieses spiel „drag me„.

in den armenvierteln new yorks gab es in anlehnung an ein lied von madonna die vorstellung des vogue-ing, die in wettbewerbe mündeten. dabei wurde die zeitschrift „vogue“ zum vorbild genommen und bestimmte rollen von den menschen eingenommen. diese veranstaltungen boten einen laufsteg, auf dem die teilnehmerInnen versuchten die perfekten bauarbeiter, handwerker, holzfäller und dragqueens darzustellen. das publikum wertete den jeweiligen auftritt, die performance. wer schlüpft am besten in eine andere rolle?

bei dem schreibspiel „drag me“ geht es um einen rollenwechsel. dieses spiel findet in gruppen statt. jeder teilnehmer, jede teilnehmerin überlegens sich einen kleinen plot für eine schreibaufgabe. also die protagonisten, die szenerie und das geschehen. es kann auch eine kleine viertelseitige geschichte vorbereitet werden, die kurz vorgetragen wird. dann gibt es einen haufen mit karten. auf den karten sind texttypen vermerkt, wie zum beispiel „juristischer text“, „liebesbrief“, „managersprech“ oder „werbetext“. wenn die schreibaufgabe vorgestellt wurde wird aus den karten eine gezogen, die vorgibt in welchem stil der text geschrieben werden soll. es gibt zum beispiel 20 minuten, um einen text zu verfassen. alle teilnehmerInnen schreiben nun ihre geschichte, ihren text. anschließend werden die texte vorgetragen.

jetzt ist es an der gruppe zu werten, welcher text der vorgabe von der karte am nächsten kommt. dann wird die nächste schreibaufgabe vorgestellt, die nächste karte gezogen und es werden die nächsten texte geschrieben. dieses spiel benötigt je nach gruppengröße eine ganze menge zeit, kann jedoch wunderbare texte entstehen lassen. es sollte beachtet werden, dass bei der schreibaufgabe nicht zu viele vorgaben gemacht werden, damit die teilnehmerInnen einen größeren spielraum für ihre texte haben. außerdem kann es eine gute übung sein, wie man sich selbstbewusst auf dem literarischen laufsteg bewegt.