schreibspiel (10)

dies ist eines der wenigen schreibspiele, das sich wahrscheinlich für eine gruppe des biografischen schreibens anbietet. außerdem ist es eigentlich kein schreibspiel, sondern ein psycho-spiel, das in gruppen funktioniert, die sich näher kennenlernen wollen. darum sei gleich vorab angemerkt, dass man das spiel möglichst nur in einer gruppe spielen sollte, die klar zustimmung signalisiert. man sollte sich vorbehalten, das spiel abzubrechen und man sollte die teilnehmerInnen darauf hinweisen, dass sie nicht antworten müssen. das spiel heisst „wahrheit oder pflicht„.

wer diese chance für neugierige nicht kennt, dem sei das spiel hier noch einmal kurz erklärt. am besten reihum, darf von gruppenmitgliedern an andere teilnehmerInnen eine frage gestellt werden. meist sind diese fragen bei dem spiel persönlicher natur, auch wenn es gern andere sein dürfen. nun ist es an den befragten, eine entscheidung zu treffen. wählen sie „wahrheit“, was bedeutet, sie beantworten die an sie gestellte frage wahrheitsgemäß, oder wählen sie pflicht, sie beantworten die frage nicht und bekommen darum durch die fragende person eine aufgabe gestellt.

wenn man sich im laufe einer biografischen schreibgruppe kennengelernt hat, bleiben garantiert viele fragen offen. darum bietet sich das spiel für diese gruppen an. doch, es muss nicht auf jede neugierde reagiert werden. die „pflicht“-aufgaben sollten aufgaben sein, die schriftlich zu absolvieren sind. es können ideen aus dem biografischen oder kreativen schreiben sein. wenn man das spiel wie beschrieben durchführt bietet es einen zusätzlichen effekt: die schreibgruppenteilnehmerInnen müssen kleine schreibaufgaben oder -übungen generieren, die sie als pflicht einsetzen. diese aufgaben sollten nicht zu lang andauern, aber es ist damit zu rechnen, dass für das gesamte spiel eine menge zeit und anderweitige unterhaltung einzuplanen sind. denn so lang die ver“pflichteten“ schreiben, haben die anderen erst einmal nichts zu tun.

eine gruppe, die sich schon länger kennt und sich näher kennenlernen möchte, bietet dieses spiel die chance, aufeinander zu zu gehen. für andere gruppen wäre es nicht zu empfehlen, da sich schnell teilnehmerInnen unter druck gesetzt oder bloßgestellt fühlen können. außerdem benötigt es auf alle fälle spielleiterInnen, die wenn nötig, die grenzen zwischen spielerei und psychoterror ziehen können. aber dann kann es verdammt viel spaß machen.

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