Tagesarchiv: 11. März 2010

was soll in meiner biografie stehen?

wenn die entscheidung getroffen wurde, seine lebensgeschichte zu schreiben, steht auch schon die nächste an: für wen schreibe ich eigentlich? erst einmal sollte man davon ausgehen, man schreibt nur für sich. gerade bei der nabelschau ist es sinnvoll nicht gleich die leserInnen mitzudenken. biografisches schreiben ist in erster linie eine annäherung an sich selber. doch wenn dann überlegt wird, die eigene lebensgeschichte zu veröffentlichen, sollte man sich gut überlegen, was man von sich preisgeben möchte.

hier ergibt sich das übliche problem von veröffentlichenden schreiberInnen. was machen die leserInnen mit meinem text? man kann es nicht wissen. schon bei ergebnisse des kreativen schreibens kann ein unangenehmes gefühl in bezug auf die veröffentlichung auftreten. in jeden text fließt auch ein stück von mir selber ein. auch wenn ich nicht explizit biografisch schreibe, schöpfe ich doch aus meinen eigenen beobachtungen und erlebnissen. der text steht einem nahe. jede kritik daran, wird gern schnell als kritik an der eigenen person verstanden. es fällt vielen schwer in diesen momenten zu abstrahieren.

dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich an die öffentlichkeit begibt. selbst wenn ich mich noch so ausführlich ausdrücke, werden leserInnen meine vollständigen beweggründe für eine geschichte, für eine lebensgeschichte nicht nachvollziehen können. ich sollte mich also von meinen geschichten verabschieden können, wenn ich an die öffentlichkeit gehe. bei biografischen texten liegt das private für alle interessierten offen, wenn ich es öffentlich mache. ich gebe viel von mir preis. kritik am geschriebenen kann darum um so stärker treffen. hier sollte man unterscheiden zwischen stilistischer kritik, die eine hilfe für die eigene schreibkompetenz sein kann, und der kritik am inhalt. der inhalt von biografien ist eigentlich nicht zu diskutieren, da das biografische schreiben einen subjektiven blick auf das erlebte darstellt. dem lässt sich nichts entgegensetzen. lässt man sich auf eine inhaltliche kritik ein, lässt man sich sehr schnell auf die diskussion um die eigene person ein. einzig die frage, ob eine lebensgeschichte zu viel ausblendet, verleugnet könnte diskussionswürdig sein. doch auch hier gilt, dass nur veröffentlicht wird, was autorInnen veröffentlichen wollen.

also schreibe ich beim biografischen schreiben wahrscheinlich zwei lebensgeschichten auf. zum einen die eigene, ganz persönliche, Weiterlesen