Tagesarchiv: 14. März 2010

wie stark beeinflussen mich gesellschaftliche entwicklungen?

biografisches schreiben ist nie zu trennen von den gesellschaftlichen ereignissen, die ich miterlebte. ich kann noch so sehr bemüht sein, mein augenmerk auf meine ganz persönlichen erfahrungen zu lenken, ich handle doch immer im rahmen der gegebenheiten. es liegt momentan zwar im trend mit hilfe der genetik, der evolutionstheorie und der neuropsychologie, den menschen wieder mehr auf sich selbst zurückzuwerfen, doch keiner kann leugnen, dass ich mein handeln an meiner umwelt orientiere.

das absurde in den aktuellen debatten ist der versuch, dem menschen begabungen und talente anzudichten, die es schwer machen, an meinem verhalten noch etwas ändern zu können. immer wieder landet man in der debatte, ob der mensch an sich vorprogrammiert ist oder ob vieles sich erst entwickelt. die vorstellung von der vorprogrammierung entlastet von gesellschaftlicher verantwortung für die weitere entwicklungen der gesellschaftsmitglieder. oder direkt formuliert: wer dumm geboren wurde, wird nicht viel daran ändern können. dem widersprechen aber viele veränderungen, die die einzelnen menschen für sich vornehmen konnten und können.

so scheint es mir wichtig, wenn ich meine eigene biografie oder lebensgeschichte betrachte, ebenso die umweltbedingungen zu analysieren. dazu gehört, wen ich im laufe meines lebens getroffen habe? wie stark der einfluss der einzelnen begegnungen und menschen auf mich war? und welche schlüsse ich daraus gezogen habe? dazu gehört auch, in welchem gesellschaftssystem ich aufgewachsen bin. ob ich mich in einer diktatur oder in einer annähernd demokratischen umgebung entwickle hat auswirkungen auf meine einstellungen. was bedeutet es, den schulsystemen in einem kapitalistischen system ausgesetzt zu sein? was bedeutet es, einen krieg miterlebt zu haben? wie erlebe ich es, einer gesellschaftlichen minderheit anzugehören? und vor allen dingen, welche schlüsse ziehe ich daraus?

das interessante am biografischen schreiben ist es, dass mir eine technik an die hand gegeben wird, die mir zusätzliche möglichkeiten der selbstreflexion offenbart. ich kann also den blick auf meine einbettung in das hier und jetzt schärfen. dadurch finde ich vielleicht mehr neue handlungsmöglichkeiten. ich bekomme ein gefühl für das, was mich umgibt. ich kann zwischen meinen eigenen anteilen am geschehen und einflüssen von außen feiner unterscheiden. leider ist es heute gang und gebe, dass der mensch vor allen dingen nach defiziten bei sich sucht. gern wird dabei der versuch sozialer gruppen übersehen, einfluss auf die handlungen anderer zu nehmen. woraus entstehen einzel- und gruppeninteressen? welche sanktionen drohen mir, wenn ich mich gegen das soziale gefüge stelle? und vor allen dingen, wer bestimmt die regeln des zusammenlebens.

ich nehme mal ein einfaches beispiel. kluge köpfe haben menschenrechte formuliert, die bei der uno verankert sind, ihre achtung und wahrung wurde von vielen nationen unterzeichnet. und doch handelt beinahe jedes land auf der welt entgegen dieser formulierungen. nun gibt es zwei erklärungsrichtungen dafür: Weiterlesen

schreibidee (175)

man schwankt gern zwischen vernünftigen überlegungen und weitgreifenden träumen. so mancher erstellt sich einen lebensplan für die nächsten jahre, hat eine vorstellung von karriere, die er verfolgt und findet irgendwann nicht mehr raus. andere verstricken sich in traumwelten, blenden die realität aus, in der sie sich befinden, und entfernen sich immer weiter von ihren wünschen. der goldene mittelweg ist ein schwieriger. doch in dieser schreibidee soll die waagschale ohne vorbehalte sich in eine richtung bewegen. es sollen „lebenstraum-geschichten“ entstehen. sind wir doch immer so vernünftig und trauen uns kaum über den lottogewinn hinauszudenken.

da auch diese schreibidee den kontakt zum biografischen schreiben aufrecht erhalten soll, wenden wir uns erst einmal den ganz persönlichen träumen zu. als einstieg sollten die schreibgruppenteilnehmerInnen ihren schönsten traum und ihren größten albtraum, die sie real im schlaf erlebten, auf je einer halben seite notieren. diese träume werden nicht der schreibgruppe vorgestellt, es kann also jedes ereignis beschrieben werden. als nächstes sind zehn punkte zu notieren, die man in seinem leben auf alle fälle noch verwirklichen möchte. diese punkte werden am flipchart zusammengetragen, können sie doch auch anderen noch anregungen für ihren lebenstraum geben.

schwieriger wird es nun für alle teilnehmerInnen, da sie hinter jeden noch zu verwirklichenden punkt, den sie notiert haben, drei sätze schreiben sollten, weshalb dies noch nicht geschehen ist. im nächsten schritt wird der traum vergrößert, gesteigert. nun sind zehn beispiele zu notieren, von denen man träumt, aber weiß, dass man sie nie verwirklichen wird. auch diese punkte werden in der schreibgruppe zusammengetragen. aus dem pool an träumen wählen alle teilnehmerInnen jeweils drei aus. diese drei punkte werden zu einer „lebenstraum-geschichte“ verwoben. wie würde das leben aussehen, wenn die drei punkte wirklichkeit sind? diese geschichte darf länger sein. sie wird anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

und nun wahrscheinlich der schwerste punkt: was muss getan werden, um den formulierten lebenstraum doch zu verwirklichen. es sollen von allen teilnehmerInnen zehn schritte notiert werden, die auf den lebenstraum zusteuern. dieses zehn-schritte-programm wird der schreibgruppe vorgestellt. und als hausaufgabe für die nächsten zehn jahre ist die verwirklichung des lebenstraums anzupeilen 😀

selbstbefragung (54) – kreativität

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „kreativität„.

  • was ist für sie kreativität? erklären sie.
  • welchen stellenwert hat kreativität in ihrem leben? beschreiben sie.
  • kreative berufe unterliegen vielen unausgesprochenen strengen regeln, wie passt das für sie zusammen?
  • welcher mensch ist für sie ein kreatives vorbild? warum?
  • was halten sie von dem gedanken, dass jeder mensch ein(e) künstlerIn sei?
  • wo liegt ihr kreatives potential? haben sie es schon gefunden?
  • welche ideen, ausdrücke oder dinge würden sie gern miteinander verschränken, die bis heute niemand in verbindung miteinander gebracht hat?
  • in welchen lebensbereichen drängt es sie, einen neuen ausdruck zu finden, sich auszudrücken? warum?
  • welche kreativen ausdrück bewegen sie am meisten?
  • welchen kreativen ausdruck verstehen sie überhaupt nicht? warum?