lange texte vs. kurze texte (2)

nachdem ich also feststellte, dass die frage so bewegend ist, konnte ich es mir nicht verkneifen, noch einmal stellung dazu zu beziehen. ich schätze einmal, das interesse hat damit zu tun, dass in schulen und anderen bildungseinrichtung eine stringente richtung über die länge von texten vorgegeben wird. ebenso wird in blogs gern schnell bemerkt, dass die texte viel zu lang seien und sie von keinem gelesen würden. erstaunlicherweise dann doch.

gepostet am 23.01.2009

das am meisten aufgerufene post dieses blogs neben dem 10-finger-schreibsystem ist die auseinandersetzung mit langen und kurzen texten mit 229 besuchen. (siehe https://schreibschrift.wordpress.com/2008/04/21/lange-texte-vs-kurze-texte/ ) das finde ich erstaunlich, da ich mich frage, welche frage sich leserInnen stellen oder welche suchbegriffe sie eingeben, um bei diesem post zu landen.

ich kann nur spekulieren, vermute aber, dass der häufigste grund die selbstzweifel sind. schreibe ich meine texte und geschichten in der richtigen länge? und jeder leser, jede leserin gibt eine andere rückmeldungen. den einen sind die geschichten zu lang. während die anderen gern noch mehr hören würden. die hauptschwierigkeit bei der frage nach der länge von selbstgeschriebenem steckt wahrscheinlich gar nicht in den details der wortzahl (wie lang darf eine kurzgeschichte sein?), sondern in der unsicherheit der schreibenden.

wie so oft beim schreiben und bei der sprache, gibt es regeln, die korrekte sprachwissenschaftler immer wieder einfordern. eine rechtschreibreform wird zum politikum, wie wenn die bundeswehr zu einer angriffsarmee gemacht würde. und so stellt sich in der literatur beständig die frage, welches das „richtige“ maß der dinge ist. hätten sich berühmte schriftsteller diese frage genauso häufig gestellt, wie dies heute geschieht, wären viele epen aber auch viele kurze erzählungen nicht entstanden.

es ist also, wie bei so vielen fragen zum schreiben, eine sehr subjektive angelegenheit, die nicht verallgemeinert werden kann. wichtigster maßstab ist man dabei erst einmal selber. was habe ich zu sagen, also zu schreiben? anschließend kann ich mein werk ja anderen zu lesen geben, die mich sicherlich auf unnötige wiederholungen oder erklärungen aufmerksam machen. (übrigens gibt es auch interessante literatur, die von gebetsmühlenartigen wiederholungen lebt.) die rückmeldungen kann ich dann einzeln für mich noch einmal prüfen. und auch hier subjektiv die änderungsvorschläge umsetzen, die mir zusagen und alle anderen verwerfen.

zusammenfassend kann also in folge des interesses an „lange texte vs. kurze texte“ nur geschrieben werden: es gibt keine regeln, die länge sollte abhängig von der botschaft und den eigenen vorlieben sein. wahrscheinlich muss ich mir bewusst machten, dass immer jemand geben wird, der mein geschriebenes zu lang oder zu kurz findet. das bedeutet aber lang noch nicht, dass ich alles „falsch“ mache. und so wird dieser blog auch keine antwort darauf geben können, welches das richtige maß der dinge ist. aber er kann vorschlagen, der eigenen intuition erst einmal zu vertrauen.

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