Tagesarchiv: 30. März 2010

zwei interviews zum schreibprozess

oft wird vermittelt, es gäbe beim schreiben von romanen ein paar anhaltspunkte, die, wenn sie eingehalten werden, erfolgsträchtig seien. da ist es immer wieder erfrischend, wenn sich autoren zu wort melden, die das alles ganz anders machen und trotzdem erfolg haben. denn es zeigt sich dann, dass es „das erfolgsrezept“ oder die „geniehafte vorprägung“ nicht gibt.

gerade sind in der zeitschrift „lettre international“ zwei interviews erschienen, die sich vor allen dingen um den schreibprozess und dessen hintergründe drehen. das eine interview führte heinz-norbert jocks mit paul nizon. (ein auszug des interviews kann hier nachgelesen werden:
http://www.lettre.de/aktuell/88-Nizon-Jocks.html ). nizon zeigt auf, dass ihm das schreiben auch immer dazu diente sich eine zweite welt aufzubauen, sich dem alltag zu entziehen. das andere interview führte thomas david mit philip roth. roth wiederum bedient in einem interview nicht die erwartung, man müsse eine klare struktur der geschichte planen und dann die einzelnen bausteine ausfüllen. er hat für sich den weg des sich von der eigenen schreibe überraschen lassens gewählt. und er betont vor allen dingen immer wieder, dass es sich beim schreiben auch um handwerk handelt.

beide interviews erscheinen mir deshalb so erfrischend, da sie die unberechenbarkeit von kreativität und dem schreibprozess aufzeigen. es geht wahrscheinlich immer wieder darum, sich zu trauen, einfach nur zu trauen, zum stift zu greifen und seinen ideen zu folgen (was nicht heisst, dass anschließend ausdauernd überarbeitet werden muss.). und beide interviews zeigen ebenso, dass man als schreibende(r) nicht anders kann, dass es eine form der unausweichlichkeit des schreibens gibt, die auch schmerzhaft erfahren werden kann.
eines zeigt sich aber auch: je unberechenbarer der schreibprozess ist, je weniger alles gesteuert werden, desto weniger lässt sich wahrscheinlich auch der erfolg vorhersehen. so genannter „misserfolg“ muss eventuell nicht an der qualität des geschriebenen liegen.

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woche des schreibprozesses

so, genug jubiliert ob der zwei jahre schreibschrift-blog. nun ist es an der zeit, sich anderen, neuen gedanken zu zu wenden. hilfestellung leisteten beim entschluss für das thema dieser woche zwei interviews mit schriftstellern, die ich gelesen habe (dazu im nächsten post mehr). es zeigte sich, wie verschieden die gründe sein können, in einen schreibprozess zum beispiel für ein buch einzusteigen. runtergebrochen auf eine schlichte frage: warum schreibt man überhaupt? es geht nicht darum, das notwendige schreiben während der arbeit, in der schule und im studium zu betrachten. es geht darum, einen blick darauf zu werfen, warum man anfängt, regelmäßig für sich und für andere zu schreiben.

am anfang einer „woche des schreibprozesses“ steht eigentlich die frage: warum sollten mich die beweggründe anderer für ihren schreibprozess interessieren? eine antwort ist sicherlich „neugierde“. es ist interessant, die motivationen anderer kennenzulernen. eine weitere antwort ist aber auch: „lernen von den „alten““. wenn sich jemand dem schreiben zugewandt hat, kann es eine hilfe sein, zu erfahren, wie die person dann ihren eigentlichen schreibprozess gestaltet. sehe ich parallelen zu meinem schreiben? finde ich hinweise, wie man es auch machen kann?
doch der wichtigste aspekt ist bei solchen betrachtungen sicherlich, festzustellen, dass man nicht allein auf der welt mit den kreativen ideen kämpft, die man umsetzen möchte, sondern auch schriftstellerInnen und andere schreibende einen weg der verschriftlichung bahnen müssen.

bei der betrachtung von schreibprozessen fällt dann noch ein weiterer aspekt auf: es gibt sehr verschiedene herangehensweisen an ein schreibprojekt. dabei gibt es nicht die richtige oder falsche schreibweise. es gibt nur die schreibweise, die am besten zu mir passt. wie kann ich diese finden? und wie halte ich diese schreibarbeit durch? wahrscheinlich auch dadurch, dass ich mir die prozesse (und verzweiflungen) anderer anschaue. nun, werfen wir einen blick darauf.