Tagesarchiv: 28. Juni 2010

nabelschau (25)

wenn die welt zu klein wird. die morgendliche zeitungslektüre ist ein muss. doch manchmal fragt sich der leser, inwieweit das gelesene nun noch der realität entspricht oder sich jemand einen scherz erlaubt hat. so gab es vor zwei tagen zum wochenende eine anzeige in einer überregionalen zeitung, die den autor dieser zeilen stark zweifeln ließ:

alle welt schaut die fifa-gesteuerten spiele an. man kann freund oder feind dieses spiels sein, doch die regeln (außer der komischen abseitsfalle) sind den meisten bekannt. männer versuchen einen ball in einen viereckigen rahmen, der mit einem netz bespannt ist, zu schießen. nun fordert ein verein in einer beinahe halbseitigen anzeige die vergrößerung des rahmens um rechts und links jeweils sieben zentimeter und in der höhe um sagenhafte neun zentimeter. gefordert wird dies von „für das grössere fussballtor e.v.„. die begründung lautet, dass dann jeder zweite latten- und pfostenschuss ein tor wäre. in einem artikel im internet wurde eine weitere begründung hinzugefügt: die torwarte werden immer größer, wodurch die chance ein tor zu erzielen immer kleiner werde.

nun, für den sportunkundigen leser ergeben sich aus dieser forderung viele weitere fragen: warum gibt es beim fussball nicht drei bälle? dies könnte doch zu einem abwechslungsreicheren spielfluss führen, auch wenn die fernsehübertragungen nicht mehr so schlicht daher kommen könnten. oder auch, wie ungerecht ist das denn beim eishockey? kann da der torwart nicht mal diese dicken klamotten ablegen? das wäre dann auch mehr was für´s auge. aber die ungerechtesten sportarten scheinen einem dann doch basketball und golf zu sein. der basketball ist beinahe so groß wie ein fussball, muss aber in ein körbchen, das seine größe kaum übersteigt. dieses körbchen hat dann noch jemand verdammt hoch gehängt. na ja, und die golfer die schießen ihren ball erst einmal quer durch die pampa, können ihn kaum mehr sehen und sollten dann ein loch treffen, das einem maulwurfseingang ähnlich scheint. wer kommt denn auf so ungerechte sportarten? da putten die sich einen wolf auf der wiese, in der zeit hätten viele fussballspieler schon längst ein tor geschossen.

aber für unsereinen bestätigt sich beim anblick der anzeige nur ein gedanke: die welt an sich ist ungerecht. warum sollte das beim fussball anders sein?

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schreibidee (177)

verkehrte welt. in der gesellschaft der dienstleistungen werden gerade monopolisten und große konzerne, sowie öffentliche verwaltungen kommunikativ unerreichbar. oder haben sie schon einmal bei der post versucht, sich über ein verschwundenes paket beim verteilerzentrum zu informieren. sie werden an eine hotline, die horrendes geld kostet, irgendwo in deutschland verwiesen. oft gibt es weder durchwahlen noch persönliche mailadressen. da bleibt einem nur eine übrig: der traditionelle, getippte oder handgeschriebene „beschwerdebrief„. darum dieses mal eine kleine unterstützung in den schreibideen, eine beschwerde an den adressaten zu bringen.

als einstieg in die beschwerde, sollten sich die gruppenteilnehmerInnen der schreibgruppe bewusst werden, bei wem sie sich überhaupt beschweren wollen. in unserem immer komplizierteren alltag findet sich garantiert ein beschwerdegrund. so ist als erstes ein cluster zu erstellen, das mittig die aussage enthält „was mich schon immer aufregt“. aus dem cluster wird dann die aufregung ausgewählt, bei der eine beschwerde aussicht auf erfolg hat. es kann sich dabei um die geringe anzahl der roten gummibärchen, die am besten schmecken, in der tüte handel, aber auch um die zeitverzögerung beim amt oder eben das verschwundene paket.

nun wird eine tabelle angelegt. in die linke spalte werden die knallharten fakten eingetragen, die zu der beschwerde führen. in die rechte spalte sind dann sätze einzutragen, die knallharte fakten in treffsichere beschwerden verwandeln. denn die schreibgruppe geht ja davon aus, dass ihre beschwerde berechtigt ist und hat somit keinen grund, sich erst mit vielen belegen zu rechtfertigen. hier darf schon die lage der fakten ausgereizt werden. die fakten (maximal fünf) und die entsprechenden sätze werden sich in kleingruppen gegenseitig vorgestellt. die anderen gruppenteilnehmerInnen bewerten wie treffend die sätze sind und bieten eventuell alternative formulierungen an.

nach der kleingruppenarbeit werden nun die fünf wichtigsten sätze des beschwerdebriefs aufgefüllt. dazu dürfen ruhig blumig oder sarkastisch die folgen der versäumnisse des adressaten beschrieben werden. Weiterlesen