Tagesarchiv: 28. September 2010

schreibidee (178)

auch vor der lektüre des vorhin vorgeschlagenen buches kann man versuchen, texte zu verfassen, die auf intuitiven gedanken basieren. eine form des intuitiven schreibens wurde hier schon vorgestellt und öfter in anwendung gebracht: das freewriting. das bedeutet, das schreiben, das möglichst ohne großes nachdenken und ohne absetzen des stifts aus der feder fließt, in die tasten gehauen wird. doch dieses mal sollen andere methoden zu „intuitiven texten“ führen.

nehmen wir als erstes die liste. alle teilnehmerInnen der schreibgruppe erstellen eine liste mit zehn wörtern, die ihnen ganz spontan einfallen. bei allen übungen, die hier vorgeschlagen werden, soll nicht lang nachgedacht werden. dies erreicht man als leiterIn einer schreibgruppe dadurch, dass man den zeitdruck erhöht. das mag sich erst einmal unangenehm anfühlen, verhindert aber das grübeln und bewerten. so kann man zum beispiel beim erstellen der liste vorgeben: „nun das erste wort notieren, jetzt das zweite…“. sind die wörter notiert, wird aus ihnen in einer viertel stunde eine kurze geschichte geschrieben. alle wörter sollten in der geschichte auftauchen. die geschichten werden ohne feedback in der schreibgruppe vorgelesen.

im nächsten schritt kann entweder die idee aus der ersten geschichte verwendet werden oder man nimmt einfach eines der wörter aus der liste und beginnt zehn minuten lang, eine geschichte zu schreiben. diese soll in den zehn minuten nicht beendet werden, der schreibprozess wird nur unterbrochen. denn nach der unterbrechung durch die leiterInnen der schreibgruppe, wird eine entspannungsübung gemacht, zum beispiel zehn minuten autogenes training auf den stühlen sitzend. nach der übung wird sofort weitere zehn minuten an dem text geschrieben. dann wird das schreiben wieder unterbrochen und dieses mal eine assoziationsübung gemacht. zum beispiel geben die leiterInnen ein wort vor und alle schreibgruppenteilnehmerInnen notieren zehn wörter, die sie mit dem begriff assoziieren. nun werden die zwei schönsten jeweils ausgewählt und auf einem flipchart zusammengetragen. dann wird weitergeschrieben an der geschichte, wiederum zehn minuten. bei der nächsten unterbrechung wird draußen ein viertelstündiger spaziergang gemacht. sind alle zurückgekehrt findet das letzte zehnminütige schreibintervall an der geschichte statt. die geschichte soll nun zum abschluss kommen.

anschließend werden die geschichten vorgelesen, es findet eine feedbackrunde statt. und zum abschluss wird diskutiert, ob sich durch die unterbrechungen und den zeitdruck am schreibprozess etwas geändert hat.

die schreibübung mit den unterbrechungen kann beliebig ausgeweitet werden. wichtig ist, dass die aktivitäten zwischen den schreibphasen etwas entspannendes oder ablenkendes bieten. es ist damit zu rechnen, dass dadurch der weg zu intuitiverem schreiben geebnet wird. hundertprozentig nachweisen lässt sich dies sicherlich nicht. aber es wird zumindest recht lebhaft in der schreibgruppe werden 😉

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„wie der bauch dem kopf…“ von bas kast – ein buchtipp

wir denken. wir denken die ganze zeit. wir treffen ständig entscheidungen. gerade habe ich die entscheidung getroffen, diesen kleinen text und buchtipp zu schreiben. ich habe entschieden das buch vorstellen zu wollen, habe es vorher gelesen und finde es erwähnenswert. es handelt sich also um eine durchdachte entscheidung. doch noch spannender sind die vielen intuitiven, also unüberlegten und ungeplanten entscheidungen. worauf basieren sie? wie entstehen sie überhaupt? wieso sind sie oft „richtig“? wie viel haben sie mit kreativität zu tun?

diesen fragen wendet sich bas kast in seinem buch „wie der bauch dem kopf hilft – die kraft der intuition“ zu. er greift dabei auf viele studien, untersuchungen, psychologische und neurologische experimente zurück. er versucht, eine erklärung für die trefferquote der intuitiven entscheidungen zu finden. und es gibt sie zuhauf in unserem leben. es scheint so, wie wenn wir viel mehr als bisher vermutet von den eindrücken, die auf unsere sinne einwirken, aufnehmen und abspeichern. sie tummeln sich auf unserer menschlichen festplatte und werden manchmal sehr schnell aktiviert und abgerufen, ohne dass wir darüber nachgedacht haben.

kreativität und kreative menschen schöpfen bei ihren ideen und ausdrücken verstärkt aus dem intuitiven fundus. wenn kreativität dazu dient, bekanntes und erfahrenes, neu zu kombinieren, dann kann dabei natürlich auch auf nicht-bewusst erfahrenes zurückgegriffen werden. das sind dann die erstaunlichen gedanken, mit denen man selber nicht gerechnet hätte. das sind die handlungen und empfindungen, die man sich gar nicht erklären kann, die einem nicht so bewusst sind, die einem aber auch weiterhelfen, ja sogar gutes hervorrufen.

das buch liest sich leicht und angenehm. obwohl auf viele wissenschaftliche erkenntnisse zurückgegriffen wird, ist es sehr verständlich. und es eröffnet den zugang zu einer weiteren dimension des menschlichen handelns. ja, es beschäftigt sich mit den grundlagen der menschlichen kreativität. einzig der starke glaube an die neurowissenschaften ist manchmal ein wenig störend. hier wünscht man sich eine noch etwas kritischere betrachtungsweise. denn die gründe für die ganzen forschungen sind auch nicht uninteressant, ja sie sollen den menschen durchschaubarer machen. schön, dass dies nicht so einfach klappt.

das buch ist in frankfurt 2009 im fischer taschenbuch verlag erschienen und hat die ISBN 978-3-596-17451-5.