Monatsarchiv: Oktober 2010

selbstbefragung (62) – sex

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „sex„.

  • welche sexuelle spielart mögen sie am meisten? beschreiben sie.
  • wie lebt es sich in einer sexualisierten welt?
  • mit wem hätten sie gern sex, auch wenn es nie dazu kommen wird?
  • wie können sie sich aufgeilen oder was geilt sie auf? beschreiben sie.
  • welche ihrer sexuellen begegnungen verunglückte gehörig?
  • wie gehen sie oder wie würden sie mit „sexuellem versagen“ umgehen? wie sieht dies für sie aus?
  • welche menschen in ihrem umfeld finden sie unattraktiv? benennen sie.
  • welchen körperteil finden sie bei ihren sexualpartnerInnen am erotischsten?
  • haben sie zu viel oder zu wenig sex? warum?
  • warum ist ihnen sex nur so wichtig?

schreibidee (185)

nach dem vortrag über „das wort“ an sich im letzten post, möchte sich diese schreibidee auf wörter stürzen. es soll darum gehen, sich von einem einzigen wort im weiteren leiten zu lassen. oder anders formuliert, wie viel kann man bei der genauen betrachtung eines wortes entdecken, was kann alles daraus entstehen? denn die ein-wort-gewaltigkeit wird oft unterschätzt, man sehe sich nur „hartz IV“ an. na gut, es sind eigentlich zwei worte, nehme ich also „babyklappe“. bei dieser schreibidee sollen „texte um ein wort“ geschrieben werden.

zu beginn sammelt die schreibgruppe worte, die sie bewegen, berühren oder ihnen momentan ständig durch den kopf schwirren auf dem flipchart. die teilnehmerInnen wählen sich jeweils ein wort aus dem „pool“ aus, mit dem sie sich den ganzen abend beschäftigen möchten. als erstes werden ein elfchen und ein haiku zu dem gewählten wort verfasst. im anschluss wird ein cluster um dieses wort erstellt.

anschließend ist in einer längeren zeit, ein text zu verfassen, der aus dem cluster heraus entstanden ist. die stilmittel sind frei gegeben, einzige auflage ist es, das wort immer wieder im text auftauchen zu lassen. aus der ständigen wiederholung eines wortes in einem text, entsteht ein ganz eigener tonfall, ein bestimmter stil. es ähnelt der vorgehensweise aus einem scherz: jemand lernt für eine prüfung nur etwas über den elefanten. bei jeder frage sorgt er dafür, immer wieder auf den elefanten zurückzukehren, um sein wissen anbringen zu können.

der text wird nun genommen und verdichtet. das heisst, aus den worten des textes wird ein 12-zeiliges gedicht konzipiert. das wort muss nicht in dem gedicht auftauchen, ist aber die überschrift. im gegensatz zu den sonstigen schreibideen, werden die elfchen, haikus, geschichten und gedichte nicht zwischendurch in der schreibgruppe vorgetragen. erst zum schluss werden zu dem jeweils gewählten wort, alle texte hintereinander vorgelesen. anschließend geben die teilnehmerInnen sich gegenseitig ein feedback.

schnickschnack (83)

das einzelne wort ist gefüllt mit bedeutungen, mit gesellschaftlichen und persönlichen, subjektiven bedeutungen. nehmen wir nur eines unserer gebräuchlichsten wörter und befragen wir die menschen um uns herum dazu, was sie darunter verstehen. „die liebe“. wir werden einen bunten strauß an antworten erhalten, feststellen, dass jeder eine andere sicht auf diesen emotionalen zustand hat und bekommen meist auch sofort das ganz persönliche beziehungsgefüge mitgeliefert.

es zeigt nur mal wieder, wie wichtig der genaue blick auf die worte ist. wir schreibenden werfen oft einen blick darauf. doch ab und zu fließen die worte ungehemmt aus uns aufs papier und erst im nachhinein eröffnet sich uns die bedeutung des geschriebenen, des einzelnen wortes. nur bedeutungslos scheint nicht ein wort zu sein. da ist es spannend, wenn sich ein schriftsteller, georg klein (der vor ein paar monaten den leipziger buchpreis bekam), der bedeutung der wörter zuwendet. er hielt eine rede im rahmen der veranstaltungsreihe „literaturupdate“ in ingoldstadt über die bedeutung der wörter und den umgang mit ihnen. titel der rede: „heimat im wort„.

wie ich finde, eine interessante rede mit humor und spielerei. sie kann im nachhinein nachgelesen werden, natürlich im internet. zu finden ist sie unter: http://www.literaturupdate.de/index.php?option=com_content&view=article&id=48:eroeffnungsrede-von-georg-klein-in-ingolstadt&catid=24:ingolstadt . viel spaß damit.

nabelschau (29)

kurze unterbrechung. dieser beitrag darf im internet aus rechtlichen gründen nicht gezeigt werden. das ist ja ein ding. als surfer, der gerade den drang verspürte, schnell die nachrichten im livestream zu betrachten, bekommt man das gefühl, etwas illegales zu machen. dabei ist es ein öffentlich-rechtliches angebot. doch schlagartig als ein schrubbeliges fussballspiel thema war, waren auch schon ton und bild weg. eben nur die botschaft „dieser beitrag darf im internet aus rechtlichen gründen nicht gezeigt werden“ prangte auf dem bildschirm.

und man weiß nicht, wie lang wird denn nun der beitrag dauern. reicht es für einen gang zum klo oder zum kühlschrank? oder verpasst man dann die wettervorhersage? auf der anderen seite kommt freude auf. der ganze abend des ersten öffentlich-rechtlichen stand unter dem motto fussball. dies passiert immer häufiger. man fragt sich, ob es nicht noch andere mitbürger gibt, die diesem sport nichts abgewinnen können. warum spielen die am abend? und wenn sie am abend gespielt haben, weshalb darf dann in der nacht kein ausschnitt gezeigt werden?

da sind sie wieder, die widersprüche des lebens. zum einen unterliegen die sportnachrichten ausschließlich vermarktungsstrategien. der konsument staatlicher sendebetriebe wird diesen vermarktungsstrategien unterworfen und kann nichts dagegen machen. im internet kann er nicht sehen, was zu den tagesnachrichten gehört. aus finanzgründen findet zensur statt. eine tolle sache.
zum anderen ist es eine labsal, dass immer dann, wenn fussball kommt, bild und ton verschwinden. das sollte patentiert werden. man könnte ein wenig unterhaltungsmusik im hintergrund einblenden und im vordergrund eine zeitangabe, wann es weitergeht, abbilden. hier wäre dem fussballphoben zuschauer genüge getan. vielleicht sollte dies auch bei den tv-übertragungen als alternative angeboten werden, um bei schöner musik ein buch lesen zu können.

natürlich kann man das ding auch ausschalten, aber man wollte ja nur die nachrichten sehen.

wortklauberei (51)

„black puty“

holldrioh, die waldfee!! manchmal sitzt man vor der glotze und fragt sich, für wie blöd halten die einen eigentlich. da fängt eine schwarze plastepackung mit irgendeinem fleischigen inhalt an, auf dem tisch zu tanzen. im lauf der werbung stellt sich heraus, dass geflügel, in diesem falle pute (und sicherlich auch puterich, also truthahn, also großes geflügel, also thanksgiving-kram) in scheibchen verarbeitet wurde, noch anderweitig behandelt wurde und eben nun in schwarz daher kommt.

um der neuen verpackung und dem neuen produkt eine überschrift zu geben, waren die pr-strategen unglaublich witzig, also german-tv-witz, und nannten das ganze „black puty“. mir kommt bei dem wortspiel als erstes der russische nebenpräsident in den sinn. hat wohl was mit der lautmalerei zu tun. danach finde ich in meinem bildungsbürgerlichen oberstübchen noch das pferd, also eigentlich „black horsy“, das mal in einen roman und in einen film gepackt wurde und damals junge menschen zum mitfühlen anregte. noch weiter hinten im oberstübchen findet sich auch die us-amerikanische bürgerrechtsbewegung, die vor jahrzehnten „black ist beautiful“ skandierte.

doch inzwischen tanzt „black“ „putyful“ auf dem holztisch rum, weil es ja so lecker ist. verstehen kann man nur einen sprachkalauer. nicht verstehen kann man die kaufstrategie und vor allen dingen die sprachverirrungen. denn würde man dem englischen frönen, dann müsste das produkt „black turkey“ heissen. aber in diesem moment kommt das land der elenden migrationsdebatten richtig ins schwitzen, würde dies nicht nur „schwarze pute“, sondern auch „schwarze türkei“ in der übersetzung heißen. aber „puty“ gibt es nicht nur „to put“ oder „to putt“. also, alles in allem schwebt da essbarer „schwarzer schwachsinn“ über den bildschirm, pute an sprachkauderwelsch.

„fragebuch“ von krogerius/tschäppeler – ein buchtipp

habe hier ja schon mehrere bücher vorgeschlagen, die eine unterstützung bei der selbstbefragung und dem biografischen schreiben sein können. eine recht hübsches beispiel, wie man selbstbefragungen aufbauen kann, ist das „fragebuch“ von mikael krogerius und roman tschäppeler. das bändchen kommt im din a 6-format daher, passt also auf jeden nachttisch und besteht aus nichts anderem als fragen. die sind aber vielgestaltig layoutet und aufbereitet.

da gibt es die möglichkeit zu notieren, welches zur zeit die lieblingsfilme, -bücher und -musiken sind. man kann aufschreiben an wen man zur zeit am meisten denkt. man kann an grafiken aufzeigen, welche körperteile einem an einem selbst und am partner am besten gefallen. es werden listen abgefragt, ebenso wie einzelne fragen und begründungen.

angenehm ist auch die ernsthaftigkeit, mit der die fragen formuliert sind. es werden alle möglichen lebensbereiche abgefragt, von partnerschaft, über beruf bis zur eigenen wohnungseinrichtung. wenn man das büchlein mit seinen über hundertfünfzig seiten durch hat, fühlt man sich sicherlich ausgefragt, aber ist sich seiner selbst auch noch bekannter geworden. ganz interessant scheint mir, dass man so etwas nach einem oder mehreren jahren wiederholen kann und dadurch seine eigene biografische entwicklung nachvollziehen kann.

meiner ansicht nach ist dieses buch eine gute grundlage für das eigene biografische schreiben und für eine analyse der aktuellen befindlichkeit. das buch ist bei kein & aber in zürich 2009 erschienen. ISBN 978-3-0369-5551-3

liste (06) – loslassen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „loslassen„.

ich möchte folgende dinge loslassen können (der wertigkeit nach):

ich möchte folgende menschen loslassen können (der wertigkeit nach):

ich möchte folgende situationen ignorieren könen (der wertigkeit nach):

das, den, die werde ich nie loslassen/ignorieren können (der wertigkeit nach):

selbstbefragung (61) – sinn des lebens

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „sinn des lebens„.

  • was macht in ihrem leben zur zeit am meisten sinn? beschreiben sie.
  • wie haben sie für sich den sinn ihres lebens gefunden? oder suchen sie noch?
  • welche tätigkeiten finden sie absolut sinnlos? zählen sie auf und begründen sie.
  • wie können sie anderen menschen ausreden, dass das leben sinnlos sei?
  • welchen lebensabschnitt finden sie für sich am sinnvollsten? warum?
  • gibt es unsinn in ihrem leben? wie sieht der aus?
  • wie stark strengen sie sich an, um ihrem sinn des lebens zu folgen? warum?
  • was fanden sie einst sehr sinnvoll und heute erscheint es ihnen unverständlich, dass sie einmal so dachten?
  • was macht sie in ihrem leben glücklich?
  • was macht sie in ihrem leben traurig?

schreibidee (184)

dinge loszulassen hat viele gründe. im post vorher habe ich schon ein paar aufgezählt. es gibt sicherlich noch etliche mehr. und wenn so ein ding öfter losgelassen wurde, dann kann es regelrecht eine geschichte erzählen. sind die dinge wertvoll, wie zum beispiel eine zarenkrone, dann kann ihr weg oft verfolgt werden (obwohl irgendjemand ein ganzes bernsteinzimmer verlor). sind die dinge von geringem wert, dann hat die stunde des kreativen schreibens geschlagen und es können „geschichten zu ebay“ geschrieben.

ideale voraussetzung für diese schreibidee sind ein internetzugang und ein beamer, der das surfen abbildet. denn man besucht mit der schreibgruppe die homepage von „ebay“. entweder über zufälliges würfeln oder andere auswahlkriterien wühlt man sich durch die angebote. bis sich die gruppe auf einen gegenstand geeinigt hat, den sie interessant findet.

als erstes sollte durch die teilnehmerInnen ein genogramm von diesem gegenstand gezeichnet werden. von wem oder was stammt dieser gegenstand ab, wie sehen seine nachfolger aus, mit was ist er verwandt? diese und ähnliche fragen sollen durch das genogramm beantwortet werden. anschließend wird ein cluster zu dem gegenstand erstellt. abschließend sollte am ende des ersten schrittes eine poetische beschreibung des gegenstands stehen. alle beschreibungen werden in der schreibgruppe vorgetragen. es gibt kein feedback.

im zweiten schritt geht es nun um die lebensgeschichte des gegenstands, des dings. hier können die schreibgruppenteilnehmerInnen der sache leben einhauchen. was hat dieser gegenstand erlebt? wie landete er bei ebay? wer versteigert ihn aus welchen gründen? erst einmal sollte eine geschichte von allen teilnehmerInnen zu ein und demselben gegenstand geschrieben werden. danach können sich alle noch einen eigenen gegenstand aussuchen, zu dem sie einfach eine geschichte schreiben. es muss nicht um die lebensgeschichte oder eine detailgenaue beschreibung gehen. das ding kann einfach nur in einer geschichte auftauchen oder eine zentrale rolle spielen.

beide geschichten werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. es gibt ein ausführliches feedback von allen teilnehmerInnen. und wenn es sich gerade ergibt, können die schreibgruppenteilnehmerInnen entweder gegenseitig dinge austauschen, die sie loslassen wollen oder man plant gemeinsam einen stand auf einem flohmarkt, der den nächsten anlass für eine schreibidee bietet.

web 2.44 – ebay.com

bewohner der industrienationen besitzen viel, viel zu viel. darum wollen sie zwischendurch eine menge loswerden, ja loslassen. manch einer entrümpelt seine wohnung im namen von feng shui, andere sortieren den nachlass, wieder andere lösen eine sammlung auf, um die nächste anzulegen. es gibt viele gründe, weshalb man dinge loswerden will. und es gibt eine webseite, die dies erleichtert.

eigentlich ist sie längst bekannt. zum einen durch den schrott, den sich manch einer im digitalen kaufrausch ersteigert hat, zum anderen durch die kleinen skandale, die bestimmte auktionsware nach sich zog. einer der höhepunkte war wahrscheinlich, als menschen sich selbst versteigern lassen wollten. obwohl natürlich besitz, besitz ist. und die frage berechtigt bleibt, wie weit mensch sich eigentlich selbst besitzt. er darf sich zwar auf dem arbeitsmarkt anbieten, aber nicht auf einer auktionsseite. doch das ist eine andere diskussion.

eigentlich soll „ebay“ hier nur vorgestellt werden, da es ein symbol für das loslassen von dingen ist. früher waren es die sperrmüllsammlungen, die an bestimmten tage im jahr dazu führten, dass menschen loszulassendes auf die straße stellten. der autor dieser zeilen kann ein lied davon singen, welche schätze sich in diesen privathalden fanden. heute ist das alles „retro“. wenn man nur damals platz gehabt hätte, zwischen zu lagern, man wäre dank ebay sicherlich sehr wohlhabend.

ein bisschen durch das digitale auktionshaus surfen und es finden sich bestimmt ein paar schreibideen, nur gleichzeitig zu ersteigern könnte nach hinten losgehen. hier gleich eine kostprobe für eine eine schreibidee. und außerdem kann man sich noch einmal davon überzeugen, was der vorteil des web 2.0 sein könnte, allein anhand der kundenbewertungen. zu finden ist das alles unter: http://www.ebay.de/

nabelschau (28)

und tschüss! abschied ist nicht gleich abschied. es lassen sich unterschiedliche formen des abschieds feststellen.
da ist die flucht. eigentlich könnte man ja noch weitermachen, eigentlich weiß man ja nicht, was man jetzt noch sagen soll, eigentlich war es richtig schön. da muss man ganz schnell weg, sonst ergeht man sich in hilflosigkeiten.
da ist die wut. man möchte noch nicht voneinander scheiden, aber äußere zwänge nötigen einen. es wäre noch so viel zu sagen gewesen, es wäre noch so viel zu klären gewesen, es hängt noch so viel unausgesprochenes im raum. doch die zeit drängt, ein schlussstrich muss gezogen werden. man scheidet eigentlich nicht aus der welt, doch in diesem moment scheint es so. das macht wütend. und tschüss!
da ist die gleichgültigkeit. meist geht dieser abschied mit beruflichen verpflichtungen einher. die sitzung ist beendet, das seminar vorbei, die verhandlungen sind zum abschluss gekommen. alle teilnehmerInnen ziehen wieder ihrer wege. die ziele sind mehr oder weniger erreicht, man hat kein interesse persönliche kontakte aufzubauen, es war nur arbeit. hier spielen emotionen keine große rolle. man verabschiedet sich, da weitere verpflichtungen anstehen. der abschied ist ein kurzes, schmerzloses ritual, manchmal noch einhergehend mit neuen terminvereinbarungen.
da ist das hin und her. man möchte sich nicht trennen, bekommt schon beim abschied sehnsucht auf den anderen. man umarmt, sagt schönes und geht seiner wege. doch man kehrt gleich darauf wieder um, geht noch einmal aufeinander zu, wiederholt den abschied, will nicht gehen. auch das gegenüber will nicht verlassen. es scheint, wie wenn der abschied für immer sein sollte. also die phase der trennung so lang es geht hinauszögern. es gibt keine regeln dafür, wie oft das hin und her stattfinden darf. im letzten moment kann man ja noch entscheiden, einfach nicht zu gehen.
da ist das wortlose. die begegnung war scheisse. man fühlt sich unbefriedigt, unzufrieden mit der eigenen rolle. es grummelt im innern, es wühlt und kocht hoch. nun geht es darum beim abschied das gesicht zu wahren, nicht ausfällig zu werden. also schweigt man. schweigen ist auch eine wunderbare form beim gegenüber noch ein wenig die schuld für das misslingen abzuladen. wortlose verabschiedungen, eventuell noch nicht einmal ohne nicken, sollen verletzen. sie sind alles andere als „sprachlos“.
da ist das zärtliche. man weiß, man wird sich wiedersehen. man weiß, man kann sich aufeinander verlassen. es gibt viele sicherheiten im hintergrund. man wird sich nicht aus den augen verlieren und man hatte sich eine menge zu sagen. der stoff für weitere begegnungen geht nicht aus. in diesem moment wird die nähe in den abschied gepackt, einen zufriedenen abschied. beide sind sich einig, dass es nun die richtige zeit ist, voneinander zu scheiden, ja zärtliches ist ein ausdruck von einigkeit.
da ist das dramatische. dieser abschied dient im selben atemzug auch der katharsis. emotionen wandeln das scheiden in eine seifenoper. harte und zarte worte wechseln in hoher frequenz, beschimpfungen oder lautstarkes eingeschlossen. es spitzte sich eine situation auf den abschied hin zu. es gibt kein entrinnen, nur ein trennen, doch die bindung wird durch die emos eher gestärkt, denn aufgehoben. das dramatische ist die dampframme unter den abschieden.
da ist das charmante. die hand zum abschied ein wenig länger gehalten als üblich, der blick in die augen gegenüber tief. dieser abschied ist ein anfang. es soll mehr daraus werden, es soll auf keinen fall für immer sein, nein, eigentlich soll signalisiert werden, dass man interesse am gegenüber hat. kleine komplimente werden zum schluss hinterhergeworfen, über die straße gerufen. man sieht sich.
da ist das vielfältige. es gibt noch viele andere abschiede. vielleicht als schreibübung für die nächste schreibgruppe. im abschied steckt zumeist die zusammenfassung des vorhergehend und manchmal auch der ausblick auf zukünftiges. selten ist es eine trennung für immer. aber es ist ein ritual für einen wechsel zu anderen lebenstätigkeiten.

schreibpädagogik und loslassen

irgendwann endet jede schreibgruppe. manche nach einer klar umrissenen zeitdauer (von einem nachmittag bis zu mehreren monaten), andere enden erst nach jahren, wenn die gruppe sich selber auflöst. da sich im laufe der kurzen oder langen zeit, die teilnehmerInnen der gruppen über ihre texte, ihre feedbacks und ihre gemeinsame kreativität ein ganzes stück näher gekommen sind, fällt der abschied voneinander nicht immer leicht.

meist dienen schreibgruppen nicht nur dem zweck gemeinsam etwas zu verfassen, sondern sie sind für viele auch eine auszeit vom alltag und vom stress. es ist wie in urlaub fahren, sich gedanklich allem drängenden zu entziehen. das bedeutet oft genug, dass sich die menschen auf ganz anderen ebenen als üblich annähern können. sie hören persönliches in den geschichten und texten voneinander. es entstehen schnell bindungen, die ebenso schnell wieder aufgelöst werden.

das phänomen, dass sich die teilnehmerInnen versprechen, nach den gruppen weiter kontakt miteinander zu halten, ist der versuch, nicht sofort die gemachten erfahrungen loslassen zu müssen. meist funktioniert das aufrechterhalten des kontakts nicht. aber im moment des auseinandergehens spielt das keine rolle. und natürlich können einzelne kontakte intensiv aufrecht erhalten werden.

doch man erinnere sich nur einmal, wie intensiv die kontakte nach 10 oder 13 gemeinsamen schuljahren blieben. vereinzelt ja, aber viele ehemalige mitschülerInnen sieht man nur bei klassentreffen, jahre später wieder. und wie sehr hatte man sich geschworen, nicht den kontakt zu verlieren. dies hier notierte soll nicht die gute absicht in frage stellen. aber es ist auch eine realität, dass einen der alltag meist (wie nach dem urlaub) sehr schnell wieder einholt. Weiterlesen

biografisches schreiben und loslassen

beim biografischen schreiben bekommt „das loslassen“ eine ganz andere bedeutung. natürlich geht es auch beim schreibprozess zur eigenen lebensgeschichte darum, die texte und geschichten loszulassen. doch hier steht diese entscheidung nicht im vordergrund, da oft nur für sich selber geschrieben wird, ganz klar ist, dass die intimsten details des eigenen lebens nicht für andere bestimmt sind.

bei aufschreiben der eigenen biografie stellt sich eher die frage, wann musste man was oder wen in seinem leben loslassen? eine frage, die meist nicht leicht fällt, ebenso wie das damalige loslassen schwer fiel. allein der begriff „loslassen“ beinhaltet ja schon, dass man etwas festhält. ursache scheint das festhalten an vorstellungen zu sein, die man während der eigenen entwicklung irgendwann über den haufen wirft. dabei kann es die vorstellung eines lebensziels sein oder die vorstellung von einer beziehung zu einem bestimmten menschen. es kann aber auch die idee sein, dass gerade alles ganz in ordnung ist und sich nichts ändern sollte.

aber das leben an sich ist tückisch und basiert auf dem prinzip des kommen und gehens. da der mensch fähig ist, darüber zu reflektieren, kann die erkenntnis darüber (zum beispiel beim tod eines geliebten menschen) eine erschreckende sein. Weiterlesen

kreatives schreiben und loslassen

ein paar mal drüber gelesen, schreibfehler korrigiert, abschnitte verschoben und sätze gestrichen. die geschichte, der text scheint lesbar und unterhaltsam. also, ab in die öffentlichkeit damit. entweder wird vorgelesen, ins internet gestellt oder gedruckt, verschickt, verlegt. das eigene kreative produkt muss in diesem moment losgelassen werden. ein schwieriger prozess für viele schreibenden.

es ergeben sich in der schlussphase gern fragen, die man eigentlich nicht beantworten kann: kommt das geschrieben bei den leserInnen so an, wie ich mir das vorgestellt habe? erklingt beim lesen eine melodie, die ich zu erreichen versuchte? was machen „die anderen“ daraus? habe ich wirklich mein bestes gegeben? könnnte man nicht noch den einen absatz an einer anderen stelle einfügen? vielleicht sollte ich den ganzen text verwerfen, wen interessiert schon, was ich über den alltag denke? ist das nicht alles viel zu konstruiert?

keiner gibt einem eine antwort auf die fragen, bevor der text nicht das licht der öffentlichkeit erblickt hat. da spielt es selten eine rolle, ob die geschichte nur wenigen übergeben oder einer weltöffentlichkeit vorgestellt wird. das gefühl sich plötzlich preiszugeben, persönliches öffentlich zu machen, wird nicht so schnell verschwinden. gleichzeitig keimt die hoffnung auf, eine schnelle, anerkennende reaktion zu erhalten. doch „die anderen“ lassen auf sich warten. wahrscheinlich lesen sie es gar nicht?

in diesen momenten ist der zeitpunkt gekommen, die eigenen produkte loszulassen. sich daran zu erinnern, dass nicht das leben und die welt von dem einen text abhängt. es gibt immer die möglichkeit, die rückmeldungen aufzugreifen, etwas neues zu kreieren. doch der gedanke erscheint in diesen momenten undenkbar. man hat sein bestes gegeben und kann sich nicht vorstellen dies noch einmal zu tun.

eigentlich ist die entscheidung schon längst gefallen: die geschichte wurde der welt übergeben, jetzt müsste man es nur selber glauben. Weiterlesen

schreibidee (183)

der herbst ist ein abschied vom grün, von der wärmenden sonne und vom quirligen leben für beinahe ein halbes jahr. menschen werden griesgrämiger, häuslicher und ihre kleidung erdfarben oder dunkel. was könnte in diese jahreszeit besser passen, als texte und geschichten zu verfassen, die mit abschied zu tun haben. ob es nun um den tod, eine trennung, eine lange reise oder das ende eines gemeinsamen wochenendes in einer wochenendbeziehung geht, in all diesen situationen nehmen menschen von einander abschied. darum schlägt die schreibidee dieses mal das verfassen von „abschiedstexten“ vor.

als einstieg werden dieses mal in der schreibgruppe an einem flipchart oder auf einer tafel abschiedsformeln gesammelt. zum beispiel „tschau babe“, „und tschüss“, „ade“ oder „auf wiedersehen“ am ortsausgang 😉 die teilnehmerInnen wählen sich eine verabschiedung aus und schreiben dazu ein freewriting. dann greifen sie den für sie ansprechendsten satz aus dem freewriting auf und schreiben eine geschichte dazu. die geschichten werden in der schreibgruppe ohne feedback vorgetragen.

als nächstes erstellen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine liste von abschieden, die sie in letzter zeit erlebt haben. und sie verfassen eine liste von abschieden, die sie gern vornehmen würden. aus diesen listen greifen sie einen punkt heraus und schreiben einen abschiedsbrief dazu. dies kann also posthum geschehen oder schon vorausschauend formuliert werden. die abschiedsbriefe werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. beim feedback liegt dieses mal der fokus auf der frage, wie berührend der abschied formuliert wurde.

zum abschluss werden von allen teilnehmerInnen noch einmal alle bisherigen texte und listen betrachtet, um anschließend eine abschiedsgeschichte der absurden art zu schreiben. absurd soll heißen, dass zum beispiel abschiede vom fussabtreter vor der wohnungstür vorgenommen werden, oder abschiede von den schulbüchern nach der schulzeit, von der verblühten blume in der vase und dergleichen mehr. man kann sich ja von allem verabschieden, auch von sich selbst, wenn man für einen tag mal die schnauze voll hat 😀 Die Geschichten werden in der Schreibgruppe vorgelesen und es gibt ein Feedback durch die Gruppe.

selbstbefragung (60) – arroganz

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „arroganz„.

  • nennen sie drei personen aus ihrem umfeld, die sie arrogant finden. warum?
  • wo liegt für sie der unterschied zwischen arroganz und gewachsener größe? beschreiben sie.
  • viele menschen machen sich lieber klein als ihre größe zu zeigen. wie würden sie sich selbst einschätzen?
  • haben sie sich schon einmal selbst überschätzt? bei was?
  • wer zeigt ihnen auf, wenn sie gefahr laufen, sich selbst zu überschätzen? wie?
  • traut sich ihr umfeld, ihnen zu sagen, wenn sie fehler machen? wieso? und wie reagieren sie in diesen momenten?
  • wem würden sie direkt sagen, dass er / sie sich selbst überschätzt? zählen sie auf.
  • in welchen situationen sind sie gern arrogant? beschreiben sie.
  • wo sehen sie ihre wahre größe?
  • arroganz wertet andere menschen ab. was glauben sie, warum das überhaupt geschieht?

„als hitler das rosa kaninchen stahl“ von judith kerr – ein buchtipp

es gibt jugendbücher und jugendbücher. durch die einen huschen vampire und zauberer, die anderen basieren auf realen ereignissen, arbeiten historie auf und haben einen biografischen charakter. schon 1974 wurde der deutsche jugendbuchpreis an judith kerr für ihr buch „als hitler das rosa kaninchen stahl“ ausgezeichnet. es ist teil einer trilogie, die judith kerr als romane für jugendliche über die flucht mit ihren eltern vor den nazis verfasste.

das buch führe ich als gelungenes beispiel für die verankerung von „erinnerungsgegenständen“ in geschichten oder eben autobiografischen romanen hier an. das rosa kaninchen spielt nicht die hauptrolle in dem roman, aber es ist ein symbol für die kinder, die mit ihren eltern in die schweiz fliehen mussten. ein symbol für die flucht, das zurücklassen der vertrauten welt und der gegenstand hat eine enorme bedeutung, eventuell auch für die autorin, obwohl es sich um einen roman handelt, also auch ein fantasieprodukt.

interessant ist das buch aber noch aus einem anderen grund: hier wird die flucht einer jüdischen familie vor den nazis aus der sicht von kindern geschildert. dabei werden die ereignisse erst stück für stück von den kindern verstanden. das buch zeigt ganz gut, wie schwer die welt der erwachsenen zu verstehen ist, dass kinder eine flucht, eine politische verfolgung ganz anders erleben und sich die welt ihrer eltern erst stück für stück erschließen. doch dass etwas dramatisches geschehen ist, ist ihnen von anfang an bewusst. dies kristallisiert sich auch an dem zurückgelassenen kaninchen heraus. das kaninchen symbolisiert den überstürzten aufbruch.

ein buch, das man auch heute noch jugendlichen empfehlen kann, wenn sie einen einblick in die lebenrealität von verfolgten juden aus kindersicht erhalten möchten. es ist beim ravensburger verlag als taschenbuch erschienen. ISBN 978-3-473-58003-3

liste (05) – erinnerungsgegenstände

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „erinnerungsgegenstände„.

ich sammle (nach größe der sammlung):

die schönsten gegenstände in meiner wohnung sind:

die bedeutungsvollsten gegenstände in meiner wohnung erinnern mich an:

schlechte erinnerungen verbinde ich mit folgenden gegenständen (nach bedeutung aufgereiht):

biografisches schreiben und gegenstände

war ich doch gerade beim nutzen des monobloc-stuhls im letzten post, da fiel mir auf, dass es dinge im leben, im alltag gibt, die viele menschen kennen. so erinnern sich etliche generationen an die pril-blumen, einen werbegag, der plötzlich eine menge küchenkacheln verzierte. oder an den zauberwürfel, viele erinnern sich an die erste mondlandung und die übertragung im fernsehen, die moulinette, die rollerskates oder die clementine von ariel. manche wesen, gegenstände oder ereignisse sind heute noch präsent, doch manches vereint auch nur einzelne generationen. diese dinge, vor allen dingen gegenstände, können beim biografischen schreiben als anregung und anker für eine bestimmte zeit aufgegriffen werden. an was erinnern mich die gegenstände? in welchen zusammenhängen meiner lebensgeschichte spielten sie vielleicht eine rolle?

man kann aber noch einen schritt weitergehen. welchen gegenstand verbinde ich mit ganz intensiven erinnerungen? ein gegenstand vielleicht, den ich heute, jahrzehnte später noch habe, als erinnerungsstück. das fängt manchmal bei schmuckstücken an, die über generationen weitergegeben wurden. es können bücher oder bilder sein. es können aber auch nur steine, muscheln, die an einen tollen, romantischen urlaub erinnern oder eine dose, eine schachte, die kleine schätze aufbewahren, sein. diese gegenstände kann man in seiner wohnung suchen, sie vor sich hinstellen und aufschreiben, welche geschichten einem dazu einfallen. diese erinnerungsgegenstände können der schlüssel zu weiteren betrachtungen der eigenen lebensgeschichte werden.

bis jetzt habe ich nur positive beispiele genannt. natürlich kann man sich auch an gegenstände erinnern, die man gar nicht mehr besitzt, die aber gekoppelt sind mit traumatischen erfahrungen. Weiterlesen

schreibidee (182)

dieses mal ist die schreibidee eine sehr schlichte und einfache. sie bezieht sich auf das vorherige post, denn es sollen „geschichten zum monobloc-stuhl“ geschrieben werden.

der vorteil der schreibidee besteht darin, dass man einen gegenstand wählt, den wahrscheinlich schon jeder mensch gesehen hat. ähnliches könnte man wahrscheinlich mit einem billy-regal, mit einer cola-flasche oder einer nivea-dose machen. gegenstände, die einem schon einmal im alltag begegnet sind aufgreifen und in geschichten packen. spannend finde ich, dass es sich um ein möbel handelt.

eine ähnliche idee verfolgte vor etlichen jahren im sommer immer das magazin der süddeutschen zeitung, als sie schriftstellerInnen aufforderten eine kurze geschichte zu schreiben, die eines gemeinsam hat: eine blaue luftmatratze. sonst gab es keine vorgaben. genauso sollte es mit den „geschichten zum monobloc-stuhl“ sein. um zu einer solchen zu gelangen, kann man in die schreibgruppe vielleicht einen solchen stuhl mitbringen. man könnte vor dem nächsten treffen der schreibgruppe die hausaufgabe geben, im alltag einmal darauf zu achten, wo man einen monobloc-stuhl sieht, eventuell kann sogar ein foto davon gemacht werden. oder die schreibgruppenteilnehmerInnen schwirren während des treffens aus, auf der suche nach einem monobloc-stuhl.

darum bietet sich diese schreibidee eher für den sommer an. die wahrscheinlichkeit, dass man zum beispiel in einer stadt wie berlin einen solchen stuhl sieht, ist sehr groß. ansonsten kann natürlich ein gemeinsamer besuch auf der homepage von jens thiel (siehe vorheriges post) die schreibanregung darstellen. alle teilnehmerInnen wählen sich ein bild von der homepage aus, das sie zur grundlage ihrer geschichte machen. also die schreibidee ist eine schlichte, der gegenstand ein bekannter, doch bei den anregungen kann man wiederum seiner fantasie freien lauf lassen.